INTERVIEW · PROFESSOR GERD BECKER: Strahlentherapie wichtigster Baustein beim Einsatz gegen Tumorzellen - Radioonkologie mit Note 1

Welche Rolle spielt die Bestrahlung in der Krebstherapie? Professor Dr. Gerd Becker, Chefarzt in der Klinik am Eichert in Göppingen, gibt Auskunft.

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Welche Bedeutung hat die Strahlentherapie in der modernen Krebstherapie?

PROF. DR. GERD BECKER: Die moderne Krebstherapie ist eine sogenannte multimodale Therapie, das bedeutet, dass sie aus mehreren Bausteinen zusammen gesetzt ist. Bei vielen Erkrankungen ist der Chirurg wichtig. Bei etwa 60 Prozent aller Erkrankungen kommt die Strahlentherapie zum Einsatz. Die modernen Medikamente, die oft zielgerichtet gegen die Tumorzellen vorgehen können, sowie Antikörper- und Hormontherapien führen bei vielen Erkrankungen zu hervorragenden Heilungsergebnissen. Wie aber eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung beim Mammakarzinom (Brustkrebs) gezeigt hat, ist die Strahlentherapie der wichtigste Baustein auf dem Weg zur Heilung.

Wie sehen multimodalen Therapiekonzepte konkret aus?

BECKER: Beim Mammakarzinom ist es wichtig, dass nach der histologischen Sicherung die Operation durchgeführt wird, wenn möglich brusterhaltend. Abhängig von den biologischen Details der Erkrankung wird dann eine Therapie mit Medikamenten eingeleitet. Im Anschluss folgt die Strahlentherapie.

Das bedeutet eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte?

BECKER: Das ist richtig. Die Strahlentherapie steht nicht alleine da, sie ist integraler Bestandteil unseres Onkologischen Schwerpunktes und des Onkologischen Zentrums. Hier, an den Kliniken, sind beide Einrichtungen zertifiziert und nach allen Kriterien mit der Bestnote bewertet.

Wenn Sie von Bewertung sprechen: Werden auch Strahlentherapieeinheiten überprüft?

BECKER: Ja, dies ist gesetzlich geregelt. Wir haben alle zwei Jahre eine Überprüfungskommission, bestehend aus mehreren Experten in unserer Abteilung, die sich jedes Detail genau anschauen. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir bislang in der Klinik am Eichert, Abteilung Radioonkologie, nicht nur stets die Bestnote 1 bekommen haben, sondern auch als so genannte Referenzabteilung ausgezeichnet wurden. Das heißt, andere Abteilungen können und sollen sich an unseren Qualitätsstandards orientieren.

Sind die guten Bewertungen auch in den Heilungsergebnissen sichtbar?

BECKER: Ja. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir im Onkologischen Schwerpunkt gemeinsam mit anderen Fachkollegen bei den Erkrankungen, Mamma- Prostata- und Dickdarmkarzinom beste Heilungsergebnisse haben. Selbst bei internationalen Studien können wir uns sehr gut sehen lassen.

Sie sprechen von Studien. Nehmen Sie selbst auch an Studien teil?

BECKER: Ein Qualitätskriterium der Strahlentherapieabteilung ist, dass sie mit ihren modernsten Therapiekonzepten an Studien teilnehmen darf und soll. Das bedeutet, dass man Prüfungen ablegen und sich qualifizieren muss und dass einem während der Behandlung ausgewählter Patienten, die sich dazu bereit erklärt haben, regelmäßig externe Prüfer und Spezialisten auf die Finger schauen.

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