INTERVIEW · PETER LEUKHARDT: Spieler sind immer in Bewegung

Das Jugendorchester der Makuhari Sohgoh High School aus Japan gastiert am 28. März in der Göppinger Stadthalle. Nur vier Tage vorher spielt das Ensemble in Wien. Peter Leukhardt hat das Konzert organisiert.

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Beim Auftritt der Japaner erwartet die Besucher nicht nur Musik, sondern auch Show-Elemente. Das ist schon ungewöhnlich, oder?

PETER LEUKHARDT: Wenn wir das als Konzert ankündigen, denken die Leute, dass sie zwei Stunden sitzen und sich berieseln lassen. Das japanische Jugendorchester spielt tatsächlich hochklassige Konzertmusik, aber gewürzt mit Show-Elementen, Tanz und farbigen Kostümen. Und jetzt ist mit der Musik von Alan Menken zu einem Walt-Disney-Film noch mehr Farbe ins Spiel gekommen - 18 Minuten lang Tanz, Show und Bewegung.

Wie und wann kamen Sie in Kontakt mit dem Weltklasse-Ensemble? Das ist ja nicht das erste Konzert der Japaner hier im Landkreis?

LEUKHARDT: Es begann im Jahr 2000. Ebersbachs Partnerstadt Bourg-lès-Valence in Frankreich hat ein Jahrtausend-Event geplant mit mehreren Orchestern und drei Dirigenten, unter anderem Hiroshi Sato, der die Orchester am Schluss dirigiert hat. Wir waren damals mit dem Jugendblasorchester dort. Zwei Jahre später war unsere 100-Jahr-Feier, und da nutzten wir die Connections zu diesem tollen Dirigenten. Wir haben eine Auftragskompositionen machen lassen, "Ebersbach Dreams" des Franzosen Jean Jacques Flament. Für die Uraufführung haben wir Herrn Sato eingeflogen, der das Stück dirigiert hat.

Sie waren damals Vorsitzender des Vereins?

LEUKHARDT: Genau. 2006 haben wir dann das Jugendorchester der Makuhari Sogoh High School, die alle zwei Jahre auf Europa-Tournee sind, eingeladen. Das war eine tolle Aufführung mit Ensemble und Chor.

Wo war das?

LEUKHARDT: Ebenfalls in der Stadthalle Göppingen. Ich kann mich noch gut erinnern. Das hatte ich vorher noch nie erlebt. Nach einer Viertelstunde gab es die ersten Standing Ovations. Das wurde dann 2009 fortgesetzt in der Stauferlandhalle in Salach. Da wir das aber nicht alle zwei Jahre leisten können, haben wir einen turnusmäßigen Wechsel mit Villingen-Schwenningen, wo 2011 das Konzert stattfand - auch da mit toller Resonanz.

Was ist das Besondere an diesen Konzerten?

LEUKHARDT: Das muss man mal erlebt haben. Gerade die Farbigkeit und die Klasse der Musik verbunden mit Bewegung. Die vermitteln auf der Bühne richtige Lebensfreude. Die sind fast ständig in Bewegung, auch beim Spielen selber. Das kommt aus der Tradition der Marching Bands, von denen es in Japan viele gibt. In Göppingen wird ein normales Konzert gemischt mit Marching-Elementen, Show und Gesang, letzteres aus dem Märchenfilm heraus. Das ist einzigartig. Und das alles wird von den Schülern und Lehrern gestaltet.

Das hat also Tradition in Japan?

LEUKHARDT: Ja, Japan hat sehr hochklassige Musiker und Orchester. Dort gibt es ein Musik-Event, die All Japan Championship, bei dem 850 000 Musiker teilnehmen und wo das Ensemble mehrfach unter die ersten Zehn kam. Nur zum Vergleich: Der größte Musikwettbewerb in Kerkrade hat nur 650 000 Teilnehmer.

Wo werden die Japaner untergebracht? Gibt es so etwas wie ein kulturelles No-Go? Werden die Gasteltern darin geschult?

LEUKHARDT: Wir haben 120 Japaner in Ebersbacher Familien untergebracht und geben denen ein paar Hinweise, auf was sie achten müssen, zum Beispiel kein Mineralwasser mit Gas. Auch ein paar japanisch-deutsche Redewendungen übergeben wir den Gastfamilien. Viel mehr aber auch nicht. Denn die Jugendlichen sollen ja kein verstelltes Leben bei uns kennen lernen.

Info Das Konzert "Nippon Symphony" des Jugendorchesters der Makuhari Sohgoh High School aus Chiba/Japan und des Großen Blasorchesters des Musikverein Ebersbach findet am Sonntag ab 19 Uhr in der Stadthalle Göppingen statt.

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