Initiative zeigt Betrieben Bedürfnisse von Senioren

Handwerksbetriebe sollen mehr auf die Bedürfnisse von älteren und körperlich eingeschränkten Menschen eingehen. Dafür haben sich Handwerkerschaft, Seniorenrat und DRK zusammengeschlossen.

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Initiative auf drei Standbeinen: Klaus Heschke, Geschäftsführender Vorstand der Kreishandwerkerschaft, hat gemeinsam mit Dieter Roitsch vom Kreisseniorenrat, Kreishandwerkermeister Jürgen Schmid und DRK-Kreisverbandspräsident Peter Hofelich (v.l.) das Projekt "Service plus" ins Leben gerufen.  Foto: 

Wie spricht man mit einem demenzkranken Kunden? Was wünscht sich die pflegebedürftige Frau beim Umbau des Badezimmers und was der Rollstuhlfahrer? Auf diese Fragen müssen Handwerker in den kommenden Jahren verstärkt Antworten finden. Denn die Gesellschaft wird immer älter, der demographische Wandel zwingt sie dazu, sich Gedanken zu machen. Aus diesem Grund haben sich die Kreishandwerkerschaft, der Kreisseniorenrat und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zu einer Initiative zusammengetan.

Die drei Beteiligten wollen mit dem Projekt "Service plus" Zertifikate an Betriebe vergeben, die sich besonders mit dieser Zielgruppe auskennen. In den Landkreisen Esslingen, Reutlingen sowie im Rems-Murr-Kreis läuft das Projekt bereits - mit großem Erfolg, wie Klaus Heschke, Geschäftsführender Vorstand der Kreishandwerkerschaft sagt. Im Landkreis Göppingen wurde das Projekt nun aus der Taufe gehoben.

"Wir wollen, dass die Betriebe bei uns gut aufgestellt sind in der Zukunft", sagt Annelie Seitz-Sorg von der Wohnberatung des DRK. Sie berät bereits in anderen Landkreisen Mitarbeiter von Handwerksbetrieben, damit diese wissen, worauf sie beim Umgang mit Senioren und körperlich eingeschränkten Menschen achten sollten. "Es geht uns dabei auch um das Menschliche, nicht nur um den fachlichen Aspekt." Junge Menschen wüssten oft nicht, wie man mit Pflegebedürftigen umgehen und mit ihnen über ihre Wünsche und Bedürfnisse sprechen sollte. Doch nicht nur der Umgang mit dem Kunden wird geschult. Die zertifizierten Betriebe verpflichten sich dazu, den Kunden gut lesbare Angebote und Rechnungen zu erstellen. Dabei kommt es natürlich auf die Schriftgröße an.

Einladung zu Schulungen

Die Kreishandwerkerschaft schreibt nun alle 800 Betriebe im Landkreis Göppingen an. In diesem Schreiben lädt sie die Handwerker ein, an Schulungen teilzunehmen. Dabei seien hauptsächlich Gewerke angesprochen, die Wohnraum umbauen. Themen seien unter anderem die Frage, wo sich die hinderlichen Barrieren in der Wohnung befinden oder wie es mit Normen und Richtlinien beim barrierefreien Bauen aussieht. Anhand eines Alterssimulationsanzugs sollen die Handwerker die Einschränkungen von Senioren erleben und nachvollziehen. Wer an den Schulungen teilgenommen hat, erhält für den Zeitraum von drei Jahren ein Zertifikat. Klaus Heschke von der Kreishandwerkerschaft sagt: "Damit können die Betriebe natürlich auch gut für sich werben."

Der Kreisseniorenrat hatte das Projekt initiiert. Künftig möchten die Mitglieder in der Sprechstunde auf das Angebot hinweisen. "Die Jüngeren haben oft kein Verständnis für die Sorgen der Älteren", sagt Dieter Roitsch, Vorstand des Kreisseniorenrats. Ihm liegt viel daran, dass bald eine Liste mit den zertifizierten Betrieben erstellt wird. Finanzieren soll sich die Initiative selbst. Bei Schulungen komme schließlich Geld in die Kasse. Heschke sagt: "Wir rechnen damit, dass ein Schulungstag 160 Euro pro Mitarbeiter kosten wird."

Regelmäßige Weiterbildung

"Mir ist es wichtig, dass bei der ersten Schulung alle dabei sind, die sich engagieren wollen", sagt Kreishandwerksmeister Jürgen Schmid. Viele Betriebe hätten sich zwar schon von ihrem Fachverband über diese Zielgruppe informiert und schulen lassen. Das Projekt "Service plus" soll aber mehr beinhalten als ein einmaliger Kurs. Die Betriebe verpflichten sich, regelmäßige Weiterbildungen zu besuchen. Nur dann bekommen sie ein Zertifikat. "Jeder Handwerker weiß ein bisschen etwas", sagt Schmid. Doch das reiche nicht für das Zertifikat. "Und wer sich das nur einmal anhören will, ist bei uns falsch." Schmid will, dass sich die Senioren auf die Menschen verlassen können, die zu ihnen ins Haus kommen: "Handwerk ist Vertrauen."

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