In der Ruhe liegt die Kraft

Schule versteht sich als Lebensraum, zu dem auch Ruhezonen gehören. Im "Raum der Stille" im Göppinger Mörike-Gymnasium haben Schüler und Lehrer jetzt die Möglichkeit, dem hektischen Schulalltag zu entfliehen.

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Ein "Raum für Ruhe und Bewegung" wurde auch an der Faurndauer Haierschule eingerichtet - mit dem Preisgeld aus einem Wettbewerb. Foto: Privat

Weiche Teppiche auf dem Boden, warme Farben an den Wänden, große Grünpflanzen, viel Licht durch große Fenster - der neue "Raum der Stille" im Mörike-Gymnasium Göppingen strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus. Die schätzt Konstantin. Der 17-Jährige kommt hierher, wenn Unterricht ausfällt und genießt es, dass der Raum der Oberstufe vorbehalten ist. "Da stören keine lauten Fünftklässler." Philip (16) fühlt sich hier fast wie in seinem Zimmer zu Hause. Er nützt den Raum ganz pragmatisch: "Wenn ich einmal wenig geschlafen habe, kann ich mich hier ein bisschen erholen." Auch Natascha kommt her, um sich zu erholen. Bislang gab es keinen Rückzugsraum in der Schule. "Wir sind in die Stadt gegangen oder auf den Schulhof", berichtet die 17-Jährige. Auch Gerriet kommt gerne in den "Raum der Stille". "Der Unterricht ist manchmal ziemlich stressig. Das Konzentrieren auf die Ruhe hier ist gut. Danach bin ich wieder motiviert", ist seine erste Erfahrung. Sein Religionslehrer Dr. Martin Spaeth hatte sich gemeinsam mit Kollegen für die Einrichtung des Raumes eingesetzt. Im Zuge des Umbaus war die Initiative jetzt von der Schulleitung großzügig unterstützt worden. Sie ließ den Raum renovieren und stattete ihn mit einer Musikanlage aus. Denn der Raum kann nicht nur von den Schülern in Holstunden genutzt werden. Gelegentlich verlegen Dr. Spaeth oder sein Kollege Volker Hirschfeld ihren Unterricht in den Raum, lassen den manchmal aufreibenden Schulalltag hinter sich, meditieren gemeinsam oder begeben sich auf eine Phantasiereise. Gestern Vormittag zum Beispiel. "Wir haben Entspannungsübungen gemacht und Musik gehört", berichtet Lea.

So groß die Begeisterung der Schüler für das neue Angebot auch ist, einen Kritikpunkt haben sie. "Leider ist der Raum über Mittag zu. Es wäre schön, wenn wir ihn auch da nutzen könnten", beklagt Nikolaus. Und erhält Unterstützung von seiner Klassenkameradin Lina.

"Wir wollen erst einmal beobachten, wie sich der Raum entwickelt", nimmt Dr. Spaeth die Kritik auf. Bislang sei dies eine Frage der Aufsicht. Zudem nutzen auch immer mehr Lehrer den Raum unterm Dach für eine entspannende Mittagspause. Im Sommer solle aber drüber nachgedacht werden, ob der Raum an bestimmten Tagen über Mittag geöffnet werden kann.

Verboten sind in dem Raum natürlich alle elektronischen Geräte - und auch Schulbücher.

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