Waghalsige Akrobatik bei der Premiere

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Einst war es ein großes Ereignis, wenn ein Zirkus in die Stadt kam und den Duft der großen weiten Welt mitbrachte. Wer Glück hatte, ergatterte einen Logenplatz. Bei der Premierenvorstellung des Circus Belly-Wien war spürbar: „Die Zeiten, in denen „Salto Mortale“ noch der Unterhaltungsrenner war, sind vorbei. Nur knappe 150 Zuschauer verteilten sich in dem großen Zelt, das eigentlich 900 Menschen Platz bietet. Schade eigentlich, denn im Unterschied zu Fernsehen und Internet ist man im Zirkus ganz nah dran am Geschehen und kann es mit allen Sinnen wahrnehmen.

Wird es die glamourös gestylte Mandy über das Drahtseil schaffen, ohne herunter zu fallen? Wird sich Nadja, die sich am seidenen Tuch aus der Zirkuskuppel in die Tiefe stürzt, knapp vor dem Boden abfangen? Mitfiebern, Luft anhalten, erschrecken, staunen – nicht virtuell und anonym, sondern direkt und live an der Manege. Das hat was. Genau wie die einzigartige Duftmischung aus Sägespänen, Popcorn und Tiermist.

Früher war mehr Glitzer

Ältere Zirkusbesucher haben allerdings irgendwie das Gefühl: „Früher war mehr Glitzer.“ Wo ist der Zylinder des Direktors, wo der Kopfputz der Pferde geblieben? Ausgemustert! Outfits, Musik und Licht sind moderner geworden. Die Zirkuskapelle spielt nur noch in der Erinnerung.

Beim Circus Belly-Wien wechseln sich Mensch und Tier bei den Darbietungen ab. Kaum hat die flotte Kamelkarawane die Manege verlassen, reizt die russische „Clowns Boutique“ das Publikum zum Lachen. Mit vollem Körpereinsatz bringt Daragh zahllose Hula Hoop Reifen dazu um Hüfte, Arme, Beine und Hals zu tanzen. Bei einer anderen Nummer fragen sich viele: „Hat dieser Mann eigentlich Knochen?“ Wie er die Knoten, die er in seinen Gummikörper macht, wieder gelöst bekommt, bleibt sein Geheimnis. Kontosionistik nennt sich in der Fachsprache, was der Extremklischnigger aus Irland da vollführt.

Juniorchef Marlon Zinnecker zeigt mit seinen Ponys, Friesen- und Araberhengsten warum er beim European Circus Festival in Lüttich mit dem 1. Platz ausgezeichnet wurde. Sein Bruder Aron zieht das Publikum mit Jonglage in Bann und hantiert in einem Tempo mit Bällen, Kegeln, Ringen und Feuerfackeln, dass einem schier schwindelig wird. Wer einmal versucht hat, mit mehr als zwei Bällen zu jonglieren, kann sich vorstellen, wie viel Mühe und Arbeit dahinter steckt.

Imposante Eleganz stellen die Elefantendamen Leika, Limara und Seila bei ihren Kunststücken zur Schau. Im schieren Gegensatz zu den Schwergewichten wirkt Nikita Boutorine mit seiner Leiterbalancenummer fast wie schwerelos. Allein durch die perfekte Beherrschung des Gleichgewichtes gelingt es ihm, an der freistehenden Leiter halsbrecherische Kunststücke zu absolvieren.

Waghalsige Akrobatik, die den Atem stocken lässt, zeigt auch Mandy Zinnecker mit ihrer Netzakrobatik hoch oben unter der Kuppel. Zwei Stunden in eine anderen, die faszinierende Welt des Zirkus. Wer sich dorthin entführen lassen möchte, hat noch bis Montag Gelegenheit dazu.

Gastspiel Vorstellungen gibt es heute um 16 und 19 Uhr, am Sonntag um 11 und 16 Uhr und am Ostermontag um 14 Uhr.

World-Circus-Day Am heutigen Samstag findet überall auf der Welt der World-Circus-Day statt. Der Circus  Belly-Wien nimmt daran teil und lädt von 10 bis 13 Uhr zum kostenlosen Tag der offenen Tür ein. Bei öffentlichen Dressur- und Artistenproben sowie Kinderschminken können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen des Großbetriebes werfen.

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