Im Rockpalast kreischen die Fans

Sie schreibt seit 35 Jahren Musikgeschichte, die schottische Rockband "Simple Minds". Auf ihrer Tour wurde die Werfthalle zum Rockpalast.

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"Simple Minds" verwandelten die Werfthalle in Göppingen in einen Rockpalast. Den gut 1500 Fans gefiel die Musik der Band ebenso, wie der Gesang von Sarah Brown (mittleres Bild links). Fotos: Giacinto Carlucci

Einfach ein cooler Typ. Unten in der Halle ist T-Shirt-Wetter und oben auf der Bühne rockt Frontman Jim Kerr im Kurzmantel und mit Schal um den Hals. Dabei ist er es, der einheizt. Er wirbelt sein Mikrofon wie ein Lasso durch die Luft und lässt es danach locker über die Schulter fallen. Da unten ist keiner mehr, den er einfangen müsste. Das haben Kerr und die Schotten-Pop-Rocker von "Simple Minds" schon vor Jahrzehnten getan. Auf ihrer Greatest-Hits-Tour-2014 machten sie am Donnerstagabend Station in Göppingen und für 1500 Fans die Werfthalle zum Rockpalast. Musikgeschichte haben die "Simple Minds" (einfache Gedanken) geschrieben. In wechselnder Besetzung. Von jenen "Simple Minds", die 1978 zum ersten Mal auf eine Bühne traten, sind Jim Kerr und sein Schulfreund, der Gitarrist Charlie Burchill, übrig geblieben. Mittlerweile und aktuell sind Mel Gaynor (Schlagzeug), der Keyboarder Andy Gillespie, Ged Grimes (Bass) und die schwarze Sängerin Sarah Brown mit dabei. Den Namen der Band hatten sie seinerzeit aus einer Textzeile von David Bowie "geklaut", ihre Songs aber selber gemacht.

"Simple Minds" kommen ohne Vorgruppe aus. Es braucht kein Anheizen in Göppingen. Kerr hat nach wie vor ein besonderes Charisma. Auch noch mit 54. Bereits nach dem zweiten Song "Waterfront" (1984) sind die Fans da, ihre klatschenden Hände in der Luft. Im Rockpalast Werfthalle macht sich auf Abruf Top-Feeling breit. Eine lichterorgelnde Flutlichtwand im Background setzt die Band geradezu magisch in Szene und verblendet die Fans. Der Bass wabert ein wenig zu heftig und mitunter überlagert "the incredible" Mel Gaynor am Schlagzeug Kerrs und Sarah Browns rockige Stimmen zu sehr. Die Stimmung freilich ist durchgängig top. "Once Upon a Time", der Hit aus dem Jahre 1985, stammt aus einer Zeit, als sich die "Simple Minds" politisch zu engagieren begannen. Für Frieden in Nordirland, für Nelson Mandela und gegen die Apartheid oder ein hungerndes Afrika. Mit "Promised you a Miracle" und "Glittering Prize" brachten sie erste internationale Erfolge zustande.

Nach einer Stunde ist Pause. Kerr hat seinen braunen Schal längst schon aufgeweicht. Er bleibt nicht ohne. Der nach der Pause ist grau. Dann darf die rassige Sarah Brown solo ran. Gaynors Schlagzeug ist noch immer zu laut. Schade eigentlich, aber Gaynor ist tatsächlich incredible (unglaublich) gut. Was soll man noch über Charlie Burchill sagen. Der Vegetarier und katholische Celtic-Glasgow-Anhänger hat die E-Gitarre seit Jahren brillant verinnerlicht. Bei den "Minds" ist er als Komponist und Produzent ohnehin nicht wegzudenken. "Someone somewehre in summertime", "Shes a river" oder "Love song" sind der Reihe nach die größten Hits der Gruppe. Nach zwei Stunden ist es endlich soweit. Auf knapp 20 Hits folgt der Superhit, den alle kennen, den Kerr zuerst singt und dann den Refrain von den 1500 singen lässt. "Dont you forget about me" ("Vergiss mich nicht"). Keine Sorge Jim. Das tut keiner in der Werfthalle. Kerr bedankt sich auf Deutsch: "Wunderbar - superklar!" Den grauen Schal ergattert ein Fan in Reichweite zu ihm unmittelbar vor der Bühne. Noch immer tänzelt Kerr in vorderster Linie. Seine letzte Zugabe ist "Alive and kicking" ("Lebendig und stark"). Irgendwie symptomatisch für die "Simple Minds".

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