Im Göppinger Gemeinderat könnte es noch unübersichtlicher werden

Wer zieht in den Göppinger Gemeinderat ein? Und wer wird wie stark? Welches Klima wird künftig im Sitzungssaal herrschen? Die Kommunalwahl am Sonntag verspricht Spannung. Sieben Listen treten an.

|

Die Arbeitsatmosphäre im Gemeinderat ließ in den vergangenen fünf Jahren zu wünschen übrig. Eklats, gegenseitige Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe prägten viele Debatten. Hinzu kam der Dauerkonflikt auf der Verwaltungsbank zwischen Oberbürgermeister Guido Till und Baudezernent Olav Brinker, dessen bereits gewählter Nachfolger Helmut Renftle am 1. Juli sein neues Amt antritt.

Nicht wenige Bürger wünschen sich auch im Stadtparlament einen Neuanfang, damit über die anstehenden Themen künftig sachlicher beraten und entschieden wird. Ob es um den von OB Till angeregten Rathausneubau am Bahnhof geht oder um die Sanierung der Chapel im Stauferpark, die Schaffung neuer Bauplätze für Familien und neuer Gewerbeflächen - die Liste der Aufgaben ist lang. Auch auf die Finanzlage muss der neue Gemeinderat ein Auge haben; ein Füllhorn ist die Stadtkasse nicht. Aus diesem Grund sollen die neuen Stadträte gemeinsam mit der Verwaltung überlegen, welche Zuständigkeiten die Kommune behalten soll und welche nicht. Der Prozess ist bereits angestoßen, er soll nach der Wahl mit Nachdruck fortgesetzt werden.

Doch wer wird dem neuen Gemeinderat angehören? Zur Wahl am Sonntag treten sieben Parteien und Wählervereinigungen an: die CDU, die SPD, FDP/FW, die Grünen, die Freien Wähler Göppingen (FWG), die Linke und die Piratenpartei. Die Piraten, die mit nur sieben von 40 möglichen Kandidaten antreten, sind bisher nicht im Rat vertreten.

Für die CDU (elf Sitze) geht es darum, sich als stärkste Kraft in der Hohenstaufenstadt zu behaupten. Ein weiterer Aderlass wäre aus Sicht der Christdemokraten eine mittlere Katastrophe - auch für Fraktionschef Felix Gerber. Das Ziel lautet daher, die bei der letzten Wahl verloren gegangenen Sitze zurückzugewinnen.

Mit Spannung erwartet wird auch das Abschneiden der Grünen, die 2009 sechs Mandate erringen konnten und durch den Fraktionswechsel von Barbara Schrade (früher SPD) jetzt sieben Sitze haben. Können die Grünen um den Fraktionschef Christoph Weber das gute Ergebnis von 2009 wiederholen oder gar weiter zulegen? Oder müssen sie Federn lassen wie die Partei bei der Bundestagswahl? Die SPD - nach der letzten Gemeinderatswahl zunächst durch den Parteiaustritt von OB Till (jetzt in der CDU) und danach durch mehrere Fraktionsaustritte geschwächt - muss zulegen, wenn sie in der Stadt als politische Kraft weiter eine wichtige Rolle spielen will. Armin Roos sorgt als Fraktionsvorsitzender seit 2011 dafür, dass in der nur noch sechsköpfigen Truppe der Genossen die Sacharbeit wieder Vorrang hat.

Und wie werden die Wähler die Arbeit des Einzelstadtrats der Linken beurteilen? Christian Stähle hatte in den vergangenen Jahren oft für Feuer unterm Rathausdach gesorgt. Er hegt und pflegt seine politische Feindschaft zu OB Till, die auf Gegenseitigkeit beruht. Nicht wenige machen Stähle für die ständigen Eskalationen verantwortlich. Andere sehen in ihm den wichtigen Gegenpol zu Till und der bürgerlich-konservativen Mehrheit im Rat, die sich in der Vergangenheit allerdings von Stähle auch oft genug provozieren ließ. Die Linke tritt mit nur 13 von 40 möglichen Bewerbern an.

Die Mehrheitsverhältnisse in Göppingen waren zuletzt eher unübersichtlich. Während die CDU den OB in den meisten Fragen unterstützte, trat das große Lager der Freien Wähler nicht geschlossen auf. Das lag und liegt daran, dass es zum einen die Freien Wähler in einer gemeinsamen Fraktion mit der FDP gibt (sieben Sitze). Die Fraktionsführung teilen sich Klaus Rollmann und Susanne Weiß. Zum anderen existieren die Freien Wähler Göppingen (FWG), die während der Legislaturperiode aus der Vereinigung Unabhängiger Bürger (VUB) und der erst im September 2011 gegründeten Bürgerallianz Göppingen (BAG) entstanden sind. Die FWG-Fraktion verfügt nach einem Austritt - Joachim Hülscher - ebenfalls über sieben Sitze. Doch man hört es knirschen, nicht nur zwischen den beiden Alpha-Tieren, Fraktionschef Wolfram Feifel (einst VUB), und Dr. Emil Frick (früher BAG). Wird diese Ehe halten?

Die Auszählung der Gemeinderatswahl können interessierte Bürger am Montag im Großen Sitzungssaal des Rathauses auf einer Leinwand verfolgen. Mit dem Ergebnis aus allen 54 Wahllokalen wird im Laufe des Nachmittags gerechnet.
 


Wer sitzt im Bezirksbeirat?

Stadtteile Das Gemeinderatswahlergebnis in den jeweiligen Stadtbezirken entscheidet darüber, wie viele Sitze den einzelnen Listen in den Bezirksbeiräten zustehen. Nach der Hauptsatzung der Stadt Göppingen machen die Parteien und Wählervereinigungen Vorschläge, an wen die Sitze vergeben werden sollen. Häufig kommen dabei Kandidaten zum Zug, die nicht in den Gemeinderat eingezogen sind.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Kommunalwahl Baden-Württemberg 2014

Die Wähler haben entschieden und Kreisräte, Gemeinderäte sowie Ortschaftsräte gewählt. Hier gibt's die Ergebnisse und Berichte.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Frischzellenkur für Notare

Am 1. Januar tritt die Notariatsreform in Kraft: Für Bürger ändert sich einiges. Die Grundbücher werden nun zentral in Ulm verwaltet. weiter lesen