Cellist ist im Einklang mit der perfekten Frau

Die Geigerin Rahel Rilling und der Cellist Dávid Adorján leiten das Kammermusik-Festival Hohenstaufen, das am Wochenende stattfindet. Gefunkt hat es zwischen den beiden beim Abendessen.

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Warten auf die nächste gemeinsame Probe: die Geigerin Rahel Rilling und der Cellist Dávid Adorján.  Foto: 

Sie kommen aus bekannten Musikerfamilien mit verpflichtenden Namen: die Geigerin Rahel Rilling, deren Vater Helmuth die Internationale Bachakademie in Stuttgart gegründet hat, und der Cellist Dávid Adorján, dessen Vater András als Soloflötist und Hochschulprofessor Karriere gemacht hat, wobei auch die Mütter ihren gewichtigen Teil zur jeweiligen Musikerlaufbahn beigetragen haben.

Kein Wunder also, dass die Eltern der beiden schon lange miteinander befreundet waren, bevor es zwischen Rahel und Dávid bei einem Abendessen, zu dem eine Freundin eingeladen hatte, so richtig gefunkt hat. Rahel sei die perfekte Frau für ihn, hatte ihm bereits zehn Jahre zuvor eine Bekannte prophezeit. „Und die hatte recht“, findet er noch heute. Mittlerweile leiten sie gemeinsam das über die Region hinaus bestens etablierte Kammermusik-Festival Hohenstaufen, das vom 15. bis 17. September bereits zum zwölften Mal stattfindet.

Und da muss das Musiker-Familienleben, wie schon zu Hause in Berlin, perfekt organisiert werden, denn neben den musikalischen Anforderungen dürfen die beiden Kinder – Joseph (fünfeinhalb) und Golda (zwei) – natürlich nicht „vernachlässigt“ werden. Doch perfekte Organisation ist für die beiden kein Problem, führen sie doch einen gemeinsam genutzten Online-Terminkalender. Und dazu kommt noch, so Rahel Rilling anerkennend, „dass ich mit dem organisiertesten Menschen der Welt zusammenlebe“. Der bedankt sich für das Kompliment mit einer richtigen Liebeserklärung: „Wenn ich mit Rahel musiziere, kommen für mich die beiden großen Lieben meines Lebens zusammen: meine Musik und meine Frau oder umgekehrt.“ Was natürlich nicht ausschließt, dass die beiden sich beim Üben und beim Einstudieren neuer Werke schon auch mal kritisch ins Gehege kommen. Schließlich habe jeder seine ganz persönliche Art und Weise, wie man an ein Stück herangeht, meinen sie.

Alternative Berufsvorstellungen haben sie mit Blick auf ihre Kindheit nie gehabt, sind sie doch in einer Welt wunderbarer Musik groß geworden. Bereits im Alter von vier Jahren starteten sie jeweils ihre Musiklaufbahn: Rahel Rilling mit der Geige, die sie vom Patenonkel geschenkt bekommen hatte, Dávid Adorján zunächst auch mit der Geige, die aber schon bald durch ein Cello ersetzt wurde. Mittlerweile musizieren sie auf sehr wertvollen alten Instrumenten: einer Violine von Tomaso Balestrineri (Cremona) aus dem Jahr 1767 und einem Violoncello von Carlo Giuseppe Testore (Mailand) aus dem Jahr 1697. Und diese Cello-Rarität bekommt im Flugzeug natürlich immer einen eigenen „Sitzplatz“, während die Geige locker ins stets überwachte Handgepäckfach passt.

Aufs gemeinsame kammermusikalische Musizieren beim Festival in Hohenstaufen freuen sich die beiden schon das ganze Jahr, denn auf der Bühne gehen sie meist eigene Wege: Dávid Adorján als Solocellist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und Rahel Rilling bei diversen Orchestern und mit spannenden Crossover-Projekten. Bei aller Begeisterung für die Kammermusik sind sie sich allerdings darüber einig, „dass das Klangerlebnis mitten im Orchester in einem großen Konzertsaal einfach fantastisch ist.“

Und vielleicht wird ja demnächst aus Rahel Rilling, wie eigentlich schon lange geplant, Rahel Rilling-Adorján. Aber für die amtliche Namensänderung fehlt den beiden, wie sie bedauernd erklären, einfach die Zeit . . .

Rahel Rilling wurde 1976 in Stuttgart geboren. Nach Studien in der Landeshauptstadt, in Tel Aviv, Berlin und Winterthur war sie von 2005 bis 2008 Mitglied des Sinfonieorchesters des NDR Hamburg und spielt regelmäßig bei den Berliner Philharmonikern. Im Jahr 2006 gründete sie das Kammermusik-Festival
Hohenstaufen.

Dávid Adorján wurde 1972 in Köln geboren und studierte in München und Salzburg. 1986 war er Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“, 1994 erster Preisträger beim Internationalen Cello-Wettbewerb in Gorizia. Seit 1999 ist er Solocellist beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Die Familie lebt mit ihren beiden Kindern in Berlin.

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