Hoeneß-Urteil polarisiert

Uli Hoeneß muss ins Gefängnis, sofern der Bundesgerichtshof das Urteil von Donnerstag nicht kassiert. Anwälte, Steuerberater, Fußballer – im Landkreis wollen sich nicht viele öffentlich zu dem spektakulären Fall äußern.

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Zum Urteil gegen Uli Hoeneß hat jeder eine Meinung, es war am Donnerstag das Gesprächsthema – auch im Internet. Twitter konnte gar nicht so schnell aktualisiert werden, wie die neuesten Kommentare zum Fall des Bayern-München-Präsidenten aufliefen, mehrere Zeitungs-Server gingen kurzzeitig in die Knie. Im Sekundentakt gab’s Dutzende neue sogenannte „Tweets“ – viele davon anonym. Doch öffentlich will sich im Kreis Göppingen kaum jemand zu dem Urteil äußern. Auch nicht Dieter Hundt. Der frühere VfB-Aufsichtsratsvorsitzende aus Wangen lässt ausrichten, dass er nichts sagen will.

Kein Blatt vor den Mund nimmt hingegen Harald Reimprecht, Vorsitzender des Fußball-Landesligisten SV Ebersbach. Zwar sei es im Prinzip richtig, dass Hoeneß verurteilt wurde, meint der bekennende Bayern-Fan. „Aber der Mann ist extrem vorverurteilt worden“, glaubt Reimprecht. Er habe Hoeneß auch schon mehrfach persönlich getroffen, „der Mann hat einen Fehler gemacht, mir tut das leid“. Darf der Steuersünder nun Präsident des FC Bayern bleiben? „Diese Frage möchte ich nicht beantworten“, meint der Ebersbacher Vorsitzende, schiebt dann aber nach: „Der hat einen Schuss vor den Bug bekommen und sollte jetzt vielleicht besser in die zweite Reihe.“

Für Herbert Rees, den Vorsitzenden des FC Heiningen – auch hier kicken die Aktiven in der Landesliga – ist ganz klar: „Wenn ich sowas machen würde, käme ich auch ins Gefängnis.“ Er hatte befürchtet, Hoeneß würde mit einer Bewährungsstrafe oder einer Einstellung davonkommen: „Ich hatte fast gedacht, der geht leer aus.“ Jetzt ist er aber zufrieden: „Ich habe da kein Problem damit, wenn der Herr Hoeneß im Gefängnis sitzt, damit muss er rechnen, wenn er sowas macht.“ Ob der frühere Nationalspieler auf allzu viel verzichten müsste, ist für Rees ohnehin noch nicht ausgemacht: „Der hat da dann eh wahrscheinlich alle Vergünstigungen.“

Kein Verständnis für die Justiz in diesem Fall hat Hans Rüsenberg, Vorsitzender des FC-Bayern-Fanclubs „Rot-blaue Moschdköpf“ aus Süßen: „Das Urteil finde ich nicht gerecht.“ Schließlich sei Hoeneß ein Mann, der sich für seinen, aber auch für andere Vereine ein Leben lang eingesetzt habe. „Ich finde, man hätte ihm auch Bewährung geben können.“

Seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte ein Steuerberater aus dem Landkreis. Er sagt: „Ich bin Bayern-Fan. Aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Diese Selbstanzeige konnte nicht wirksam sein, weil zu viel verschwiegen wurde, das ist mein Eindruck.“ Er werde deshalb aber nicht zum „Bayern-Hasser“, auch wenn er nach dem Strafbefehl gegen Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wegen Steuerhinterziehung und dem Hoeneß-Urteil meint: „Das häuft sich jetzt ein bisschen.“

Auch Steuerfachanwälte aus dem Kreis wollen zu dem Prozess öffentlich nichts sagen. „Ich weiß nicht alle Einzelheiten, da würde ich als Anwalt jemandem Unrecht tun“, meint einer. Ein anderer verweist darauf, dass es sich „noch um ein laufendes Verfahren“ handele.

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