Hochkarätige Kammermusik

Nicht nur das Programm war für Kenner, auch die Auswahl der Künstler beim Konzert der 4. internationalen Kammermusik-Akademie in der evangelischen Kirche in Hohenstaufen ließ aufhorchen.

|
Überzeugten mit ausgereiften Interpretationen: Junge internationale Musiker bei der Internationalen Kammermusik-Akademie in Hohenstaufen.  Foto: 

Es ist für sich genommen schon lobenswert, jungen Musikern eine Plattform zum Spielen und Auftreten zu geben - wenn es dann noch auf einem solchen Spitzenniveau und im internationalen Austausch geschieht, umso erfreulicher und für den Hörer ein Genuss. Das letzte Stück des Abends von einem der vier Dozenten, des 1977 geborenen Italieners Lucio Amanti, der selbst eine kurze Einführung zu seiner Komposition gab, trägt den Titel "Genesis" und beschreibt in sieben Tagen die Entstehung der Schöpfung auf musikalisch vielfältige Weise. "Der liebe Gott hat uns den Anfang gegeben, und wir machen weiter", so Amanti.

Und so bestand das Stück aus allerlei Elementen: Fugenartiges, Gospel, Jazz, Bossa Nova, Boléroartiges, Atonales oder Meditatives war zu hören, bis am Ende die Improvisation einsetzte. Der erste Geiger Alican Süner tat dies in orientalisch-arabischer Weise, und seine vier Mitspieler folgten ihm, wobei die beiden Celli im Quintett eine tragende Rolle hatten und oft den Rhythmus vorgaben. Das Publikum durfte mitklatschen und war sichtlich und hörbar dabei vergnügt.

Begonnen hatte das Konzert mit der Serenade C-Dur, op.10, für Streichtrio des Ungarn Ernst von Dohnányi (1877-1960). Im spätromantischen Stil komponiert und durchaus vergleichbar mit den Streichtrios von Mozart und Beethoven, entwirft diese Musik große klangliche Fantasie. Den scheinbaren Marsch im 1. Satz, das Scherzo in satztechnischer Meisterschaft, den Variationensatz mit seinem absteigenden chromatischen Thema und das Rondo mit Pointen über Haydnsche Themen setzten die drei jungen Musiker glänzend um. Der türkische Geiger Alican Süner spielte sehr temperamentvoll, aber auch gezügelt. Im Variationensatz agierte das Trio dicht, dynamisch versiert, mit großem Gestus und in blitzsauberen Wohlklängen als Einheit. Der Langsame Satz für Streichquartett Es-Dur von Anton von Webern (1883-1945), 1905 geschrieben, bewegt sich an der Grenze zwischen früher Moderne und der Nähe zu Brahms. Die Chilenin Maria Fernanda Espinoza gab dem Stück des Schönberg Schülers mit blitzenden kleinen Diamanten Glanz, Kraft, aber auch Zartheit in warmer Musikalität.

Höhepunkt des Abends aber war zuvor zweifellos Maurice Ravels (1875-1937) einziges Streichquartett in F-Dur, op. 35, das er im Alter von 28 Jahren komponiert und seinem Lehrer Gabriel Fauré gewidmet hatte. Mit impressionistischer Strahlkraft und wie aus einem Guss musizierten Tanja Sonc, Maria Fernandez Espinoza, Ribal Molaeb und Raphael Jouan das Stück, das im 2. Satz in spanischem Flair mit der Tradition bricht, und im 3. Satz, einem träumerischen Andante, durch die Tempi- und Taktwechsel doch unruhig wirkt. Der Finalsatz stellte noch höhere musikalische und technische Anforderungen an die Streicher, wobei in allen Sätzen besonders der Klang der Bratsche des 23-jährigen Molaeb wie aus einer anderen Welt anmutete. Vielleicht hatte die Zeder des Libanon ihre Hand im Spiel des im West Eastern Divan Orchester von Daniel Barenboim spielenden Libanesen, der noch eine große Karriere vor sich haben dürfte.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kugelbahnen sind der Geschenke-Renner

Weihnachten steht bevor und viele  sind auf der Suche nach Geschenken. Göppinger Geschäfte sind für den Ansturm gewappnet. weiter lesen