Hobby und Beruf sind eins

|

Sie sind in Graz geboren und haben dort auch Ihre Kindheit verbracht. Wie war das damals?

MONIKA MARTIN: Wunderschön. Es war für mich selbstverständlich, dass ich zusammen mit Mama und Papa gefrühstückt, Mittag und Abend gegessen habe. Papa hat mich jeden Tag in der Früh in die Schule gebracht. Ich war so was von aufgefangen. Es war eine richtige schöne Welt. Erst im Nachhinein bin ich drauf gekommen, dass es nicht so gang und gebe ist. Ein solcher Start ins Leben, ist die wichtigste Erbschaft für ein Kind. Mein Vater war Baumeister und meine Mutter Hausfrau.

Waren Sie denn eine gute Schülerin?

MONIKA MARTIN: Also ich war bestimmt der Lehrerschreck. Ich war so etwas von aufgeweckt. Wie ich dann selber als Lehrerin tätig war, hab ich die gesamten Schandtaten von mir hundertfach zurück bekommen. Ich hab mir nie schwer getan in der Schule und bin nie hängengeblieben. Ich war aber auch nicht immer die Vorzugsschülerin. Ich bin auf allen Ebenen ein Spätzünder. Meine Lieblingsfächer waren immer Zeichnen und Musik.

Wie sind Sie denn zu Ihrem ersten öffentlichen Auftritt und zur Musik gekommen?

MONIKA MARTIN: Die Musik kam zu mir. Eine Tante brachte mich - als ich acht Jahre war - mal ins Grazer Opernhaus zum Vorsingen. War toll, hat mich sehr interessiert und ich wurde sofort aufgenommen. So habe ich auch mein erstes Taschengeld verdient.

In welcher Rolle?

MONIKA MARTIN: Als Gassenjunge bei der Oper Carmen, im Grazer Opernhaus.

. . . und der Verdienst?

MONIKA MARTIN: Für eine Probe habe ich glaube 50 Schilling bekommen, die war immer montags, und für eine Aufführung 100 Schilling.

Sie haben auch einmal in einer Tanzband mitgewirkt.

MONIKA MARTIN: Das mit der Tanzband war mehr aus der Not eine Tugend. Ich habe studiert und hatte kein Geld. Ich habe überlegt, was könnte ich arbeiten, um mein Studium zu finanzieren und bin so auf das Singen gekommen. Sängerin in einer Tanzband klingt gut und zufällig fiel die Sängerin einer Band aus. Am Montag hatte ich meinen ersten Soundcheck und am Samstag stand ich auf der Bühne südlich von Graz. Es war wunderschön. Ich möchte diese Zeit nicht missen.

Aber dann änderte sich alles und Sie begannen Ihre Solokarriere?

MONIKA MARTIN: Die Heart Breakers haben 1992 nach 20 Jahren aufgehört. Die letzten sechs Jahre war ich mit dabei. Ich habe dann ein Jahr in Zeitungen inseriert und eine Gruppe gesucht. Es hat aber nie gepasst. Schlussendlich habe ich mir gedacht, wenns keine passende Band gibt, dann versuch ich es eben alleine. Erst als ich meinen ersten Plattenvertrag in der Tasche hatte, ging ich damit zu Mutti und informierte sie darüber, dass ich eine Solokarriere machen möchte.

Es war die richtige Entscheidung?

MONIKA MARTIN: Ja, auf jeden Fall. Ich war sogar beim Astrologen und hab den befragt. Der hat mein Wesen und Talent erkannt und bestätigt. Ich nutzte auch heute noch oft den Weg zum Astrologen. Von solchen Vorhersagen wie allerdings Weltuntergang, halte ich nichts.

Man hat den Eindruck, Sie genießen Ihr Leben als Single?

MONIKA MARTIN: Ja. Ich bin oft so froh, wenn ich nach Konzerten nachhause komme, die Tür abschließen kann und meine Ruhe habe.

Und was wäre Ihnen in einer Partnerschaft wichtig?

MONIKA MARTIN: Eine Partnerschaft ist für mich funktionierend, wenn sie jeden Tag auf ein Neues besiegelt wird und jeden Tag aufs Neue gemeistert wird. Ich kann mich nicht auf einen Ehevertrag berufen und nichts dazu beitragen. Eine Beziehung gehört gepflegt. Wenn man viel unterwegs ist, ist es sehr schwierig eine Beziehung zu leben und zu halten.

Gibt es etwas, das Sie so richtig in Rage bringt?

MONIKA MARTIN: Ungerechtigkeit.

Auf welche Leistung in Ihrem Leben sind Sie besonders stolz?

MONIKA MARTIN: Ohne Schmiergelder und ohne Vetterleswirtschaft es in der Musikbranche so weit gebracht zu haben, dass ich jetzt davon leben kann und dort stehe, wo ich heute bin.

Haben Sie einen besonderen Wunsch?

MONIKA MARTIN: Ich will so gern einmal beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dabei sein.

Die neue CD heißt "Ein Leben lang vielleicht". Was verbirgt sich hinter dem Titel?

MONIKA MARTIN: Eine wahre Geschichte, die mir nicht nur einmal in meinem Leben passiert ist.

Für die CD haben Sie sich dieses Mal 15 Monate Zeit gelassen . . .

MONIKA MARTIN: Es ist mein 18. Solotonträger. Es war mir ein Bedürfnis, viel Zeit zu haben, um gute Musiktitel zu finden und auch viel Zeit zu haben, um die Titel umzusetzen. Ich glaube, es ist gut sich zwischendurch auch ein bisschen rar zu machen.

Ihr Favorit unter den 14 Titeln?

MONIKA MARTIN: Gleich der erste Titel, "Ein Leben lang vielleicht", der durch seine Länge von über vier Minuten nicht den Vorgaben der Radiosender entspricht.

Sind auch Eigenproduktionen auf dem Tonträger?

MONIKA MARTIN: Vier Stück insgesamt.

Was machen Sie lieber, texten, komponieren oder singen?

MONIKA MARTIN: Es ist das Schöne an diesem Job, dass er so abwechslungsreich ist. Ich mache alles gleich gern.

Haben Sie eine Tournee geplant?

MONIKA MARTIN: Für mich hat sich in den letzten zwei Jahren herausgestellt, dass mein Weg lieber ruhiger ist. Ich bin Markenzeichen geworden für die leise Art der Musik. Mein Herz wird immer aufgehen in Richtung Balladen. Bei einem Konzert in der Kirche bin ich so richtig hundertprozentig zuhause.

Besteht ein Unterschied zwischen einem Kirchenkonzert und einem normalen Auftritt?

MONIKA MARTIN: Auf jeden Fall. Ein herkömmliches Konzert ist leichter zu bestreiten. Ich kann da mehr mit Witz und Charme arbeiten. Bei einem Kirchenkonzert ist es oft so, dass du jeden Pips hörst. Die Leute sind viel aufmerksamer als im Konzertsaal. Viel mehr Energiefluss ist erforderlich.

Welches ist Ihre liebste Musikrichtung?

MONIKA MARTIN: Die Schnulze. Das sage ich ganz bewusst und provokant, denn für mich bedeutet Schnulze nichts Negatives. Unter Schnulze verstehe ich ein Lied, das zu Herzen geht und das dahin schmelzt.

Man hört kaum englische Lieder von Ihnen, warum?

MONIKA MARTIN: Es gab mal sechs bekannte Lieder, die ins Englische übersetzt und in Südafrika herausgebracht wurden. Ich bin Österreicherin und singe gern mal Deutsch. Mir ist meine Heimatsprache wichtig. Ich will es nicht ausschließen, dass ich auch mal Englisch singen werde. Aber momentan kommt es noch nicht in Frage.

Wie hart ist das Schlagerbusiness?

MONIKA MARTIN: Wenn man es gerne tut, dann geht es locker von der Hand. Würde ich es nicht gerne tun, dann würde ich es erst gar nicht machen. Es ist dann hart, wenn z.B. der Wecker um vier Uhr Morgens geht.

Der Deutsche Schlager verschwindet immer mehr aus den Programmen der Sender . . .

MONIKA MARTIN: Es ist nur eine Frage der Zeit, wo er wieder mehr hinein genommen wird. Die Menschen werden es sicherlich wieder verlangen. Es ist immer eine Wellenbewegung.

Gibt es etwas, das Sie gern machen möchten, wenn Sie einmal den Beruf als Sängerin aufgeben sollten?

MONIKA MARTIN: Eventuell Produzentin sein. Auf jeden Fall weiter komponieren und texten und ganz sicher, so Gott will, in der Branche bleiben.

Wie viele Konzerttermine soll es dieses Jahr geben?

MONIKA MARTIN: Vor zwei Jahren war ich knapp vor dem Burnout und ich hab dann die Bremse gezogen. Ich hab dann für zwei Jahre eine ruhigere Zeit gemacht. Jetzt werden es um die 100 Konzerte.

Und wie halten Sie sich für alles fit?

MONIKA MARTIN: Früher habe ich immer gesagt "Sport ist Mord". Dies gilt heute nicht mehr. Ich mache jeden Tag in der Früh meine gewissen Dehnübungen. Ich achte darauf, was ich esse. Man wird aber Monika Martin nicht mit Workingstöcke durch Graz laufen sehen.

Bleibt eigentlich noch Zeit für Hobbys als Ausgleich zur Musik?

MONIKA MARTIN: Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen. Ein richtiges Hobby geht zeitlich nicht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Volksbank-Fusion: Brandbrief des Ex-Vorstands

Der frühere Vorstandschef der Göppinger Volksbank, Peter Aubin, sieht keinen Sinn in der Fusion und geht mit den Vorständen hart ins Gericht. weiter lesen