Hinweis auf mysteriösen Limes-Arm

Das Baugebiet Wilmet-Heuhof in Wäschenbeuren erhitzte im Göppinger Gemeinderat die Gemüter - aus unterschiedlichen Gründen. Stadtrat Wolfgang Berge vermutet, dort sei eine Art Neben-Limes verlaufen.

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Der Göppinger Stadtrat und Hobby-Archäologe Wolfgang Berge zeigt auf den Bergrücken, von dem die römische Befestigungsanlage hinunter zum Acker am Ortsrand von Wäschenbeuren verlaufen sein könnte.  Foto: 

Darf die Kreisstadt den Nachbarn dreinreden, wenn es um neue Baugebiete geht? Um diese Frage kreiste die Diskussion im Göppinger Gemeinderat in der jüngsten Sitzung. Die Meinung der Stadträte hätte unterschiedlicher kaum sein können.

Konkret ging es um das Gebiet "Heuhof" am östlichen Ortsrand von Wäschenbeuren. Dort will die Gemeinde 3,8 Hektar Ackerfläche für ein Wohn-, Gewerbe- und Mischgebiet aufteilen und muss dazu den Flächennutzungsplan entsprechend ändern. Das wollte beispielsweise Stefan Horn (FWG) nicht hinnehmen. Er warf Wäschenbeuren "eine verfehlte Siedlungspolitik" vor. "Die Gemeinde weist Baugebiete aus, wie sie lustig ist", sagte er und fragte: "Warum müssen wir da einer mit uns konkurrierenden Gemeinde zustimmen?" Christoph Weber (Grüne) meinte, man dürfe in einer Verwaltungsgemeinschaft "ruhig mal eine Diskussion anfangen". Das Baugebiet habe schließlich Auswirkungen auf Göppingen, beispielsweise beim Thema Verkehr.

Diese Meinungen brachten wiederum andere Stadträte auf die Palme. Volker Allmendinger (CDU) meinte: "Wir haben keine Chance, das zu verhindern". Er empfand die Kritik als "absoluten Quatsch". Auch Rolf Daferner (FDP/FW) schimpfte: "Das ist Sache der Gemeinde Wäschenbeuren und nicht unsere". Göppingens Stadtplanerin Susanne Mehlis betonte ebenfalls, dass die Gemeinde Wäschenbeuren Planungshoheit habe und die Pläne von der Region geprüft würden.

Die Siedlungspolitik war beileibe nicht der einzige Kritikpunkt. Wolfgang Berge (Freie Wähler Göppingen), der sich seit langem mit der Geschichte der Römer in der Region befasst, sagte, durch eben dieses geplante Gewerbegebiet sei ein römischer Grenzwall verlaufen. Darauf gebe es auch Hinweise in der älteren Fachliteratur. "Weil dem nicht nachgegangen wurde, werde ich dagegen stimmen", sagte der Hobby-Archäologe und ehemalige Chef der Energieversorgung Filstal. Gegenüber unserer Zeitung erklärte Berge, es könnte sich um eine frühere Verbindung zwischen dem weltbekannten Knickpunkt des Limes bei Lorch und einem früheren Verlauf der römischen Grenze entlang der Albkante handeln - eine Art Teil-Limes nach Süden. Er sei seit Jahren dabei, die Vermessung des Limes auf der Linie von Aufhausen über den Ösel und den Haghof bis nach Welzheim zu rekonstruieren, eine bolzengerade Linie. Dabei sei er auch auf die Beschreibung eines Limesarms nördlich von Lorch gestoßen, dessen Verlängerung auch das fragliche Gewerbegebiet bei Wäschenbeuren kreuze. Bereits vor 150 Jahren habe es in der Literatur Belege für diese etwa in Nord-Süd-Richtung verlaufende Befestigungsanlage, bestehend aus einem Wall und einem Graben, gegeben. Damals habe der Archäologe Eduard Paulus diesen ausgehend vom Hohenstaufen über Oberkirneck nach Lorch zum Haupt-Limes beschrieben. Paulus habe auch die Überreste eines zerfallenen Gebäudes nahe dem Wäschenbeurer Wasserturm als römisches Kastell gedeutet. Später habe es sich allerdings als mittelalterliche Turmburg herausgestellt. Das könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sehr viel für die Existenz dieses ehemaligen römischen Grenzwalls spricht. "Bei allem sehr berechtigten Bemühen um unsere Staufer wäre es schön, wenn auch die alten Römer in unserer Gegend Beachtung fänden", findet Berge. Am Ende stimmte der Göppinger Gemeinderat der Planänderung zu, allerdings bei zehn Gegenstimmen und vier Enthaltungen.

Und was sagt Wäschenbeuren?

Reaktion Wäschenbeurens Bürgermeister Karl Vesenmaier nahm die ganze Debatte am Montag sportlich. Es sei schon in Ordnung, wenn Göppingen sich zu Wort melde, weil ja die Planungskulisse gemeinsam entwickelt werde.

Klarstellung Das fragliche Baugebiet peile die Gemeinde Wäschenbeuren aber schon seit 15 Jahren an, es liege bis auf eine kleine Teilfläche von 0,2 Hektar schon seit langem im Entwurf des Flächennutzungsplans.

Gemeinsamkeit Die Kritik an der Siedlungspolitik Wäschenbeurens versteht der Bürgermeister nicht. Die Gemeinde sei einen erfolgreichen Weg gegangen. Grund für ein Zerwürfnis mit der Stadt Göppingen sieht der Bürgermeister aber nicht. Es gehe letztlich um gemeinsame Ziele für den Landkreis.

Partner Der Grund, warum sich der Göppinger Gemeinderat mit dem Thema befasste, ist eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft, an der neben Göppingen und Wäschenbeuren auch Schlat und Wangen beteiligt sind.

SWP

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