Hilferuf für Gewerbebrache

Um das riesige Boehringer-Areal für neue Nutzer attraktiv zu machen setzt die Stadt Göppingen auf Millionen-Unterstützug vom Land.

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Das Göppinger Boehringer-Areal von Südosten aus gesehen. Industriegebäude aus unterschiedlichen Epochen sind hier verzahnt.   Foto: 

Das Boehringer-Areal am westlichen Stadteingang hat die Größe von etwa zehn Fußballfeldern Nur noch ein Teil ist an den Vorbesitzer MAG vermietet – reichlich Platz für neue Gewerbeansiedlungen. Doch zunächst müssen die Stadt und ihre Tochtergesellschaft Businesspark Göppingen (BPG) viel Vorarbeit leisten und tief in die Tasche greifen. 3,28 Millionen Euro würden die vobereitenden Arbeiten nach derzeitigem Stand kosten. Im vergangenen Jahr hat die BPG das Areal gekauft. Eine neue Straße entlang der Bahnlinie soll eine Art Ringerschließung möglich machen. Erst dadurch werden die möglichen neuen Gewerbebauplätze im Süden des Gebiets überhaupt erreichbar. Um neue Firmen anzulocken, müssen aber auch ein Teil der Altsubstanz weichen und denkmalgeschützte Bauten an der Stuttgarter Straße für neue Nutzer saniert werden.

Um all das schultern zu können und dennoch wirtschaftlich zu bleiben, setzen die Stadt und die BPG auf die millionenschwere Finanzspritze vom Land. Das Boehringer-Areal soll nächstes Jahr in das Landessanierungsprogramm aufgenommen werden. Davon verspricht sich die Stadt knapp zwei Millionen Euro, erklärte Baubürgermeister Helmut Renftle am Donnerstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik. Wenn der Gemeinderat in der kommenden Woche zustimmt und das Land im Frühjahr 2017 Grünes Licht gibt, dann könnte es bereits im kommenden Jahr los gehen mit der Erschließung. Sieben bis zehn Jahre reiche die Entwicklungsstrategie.

Kaum Freiflächen für Parkraum

Die Stadt arbeite derzeit aber noch an einem Gesamtkonzept für die Flächen, betonte Stadtplanerin Susanne Mehlis. Denn  das Areal liegt zwar äußerst verkehrsgünstig an der Auffahrt zur B10. Die geplante Neuordnung hat aber ein paar Handicaps. Es gibt kaum Freiflächen, die mögliche Bauherren als Parkraum nutzen könnten. Grün fehlt fast völlig. Schließlich sind unter anderem im Bereich einer ehemaligen Tankstelle auch Altlasten zu erwarten, die aber als beherrschbar gelten.

Den Lokalpolitikern im Ausschuss war es wichtig, dass das Areal nicht „verramscht“ wird, wie Emil Frick (FWG-Fraktion) es nannte. Renftle betonte, dass es nicht um schnelle  Vermarktung, sondern um Qualität gehe. Neben einigen Interessenten aus der Wirtschaft gibt es bereits weitere Begehrlichkeiten: Oberbürgermeister Guido Till hat das Gelände als Standort für eine neue Feuerwehr-Hauptwache ins Spiel gebracht. Und seit langem wird darüber diskutiert, die Sammlung historischer Boehringer-Maschinen, die derzeit noch in einer der ehemaligen Fuhrparkhallen schlummern, besser zu präsentieren. Die Mitglieder des Technikforums haben dafür die alte Gießerei im Visier. Ihnen schwebt ein kleines Technikmuseum mit Handwerkergasse vor, wo traditionelle Technik gezeigt wird.

Der Vorsitzende des Technikforums, Christopher Goelz, sagte der NWZ: „Wir haben die einmalige Chance, jetzt etwas daraus zu machen. Wenn die vertan wird, sehe ich auf absehbare Zeit keine Möglichkeit mehr.“ Das sollte man auch nicht auf den Sanktnimmerleinstag schieben, so Goelz, denn die Boehringer-Veteranen, die sich um die Maschinen kümmern, seien meist zwischen 70 und 80 Jahre alt. Gerade im Zusammenhang mit dem geplanten Märklin-Erlebniswelt auf der anderen Straßenseite  sieht er ein großes Zielpublikum für die Sammlung. Im Ausschuss wurde jetzt erneut klar, dass es für diese Ideen viel Rückendeckung im Gemeinderat gibt. „Es wäre jammerschade, wenn wir das unter den Tisch kehren würden“, meinte beispielsweise Emil Frick. Baubürgermeister Renftle sagte: „Im Rahmen der Gesamkonzeption werden wir eine Lösung finden, da bin ich mir sehr sicher.“

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