Hilfe in Grenzsituationen

Seit 1997 gibt es im Landkreis Göppingen die sogenannte "Notfallseelsorge". Welchen Belastungen die Notfallseelsorger ausgesetzt sind, das zeigt der Jahresbericht, der jetzt vorgelegt wurde.

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Wer Gemeindeseelsorge betreibt, muss damit rechnen, dass er auch mit Notfallsituationen im Leben der Menschen konfrontiert wird. Ein Suizid, ein Unfall, ein plötzlicher Kindstod, eine erfolglose Reanimation: Menschen geraten in Krisen, und manchmal sind die Bewohner des Pfarrhauses diejenigen, von denen man am ehesten Hilfe erwarten kann.

Der Seelsorger schafft in der Akutphase zunächst klare Strukturen, errichtet Geländer, die den betroffenen Menschen Halt und Sicherheit geben. Erst in einem zweiten Schritt wird diesen Menschen geholfen, krisenhafte Ereignisse zu deuten und ins eigene Leben zu integrieren.

Da dieser schnelle Zugriff auf die Pfarrhäuser sich zunehmend schwierig gestaltet, wurde 1997 die Notfallseelsorge für den Landkreis Göppingen eingerichtet. Sie versteht sich als ergänzende Form kirchlicher Seelsorge. Als "Hilfe in Grenzsituationen" ist sie eine Form von Seelsorge, die bei Tod im häuslichen Bereich, bei Überbringung von Todesnachrichten, bei Tod und schweren Unfällen, Bränden, Suizid und bei Gewaltverbrechen ihren Einsatzschwerpunkt hat.

Das Selbstverständnis der Notfallseelsorge ist, "allen Menschen in Not beizustehen". Dies geschieht unter der besonderen Bedingung und der außergewöhnlichen Situation eines Unglücks, in denen die klassischen Seelsorgeangebote und Strukturen der Kirchengemeinde nicht oder erst verzögert greifen.

Notfallseelsorge ist somit Zuspruch und Zuwendung an den Menschen in Not. Sie wird konkret in der Präsenz der Seelsorger vor Ort und dem Angebot einer helfenden Begleitung in der Akutphase.

Derzeit nehmen im Landkreis Göppingen 26 ausgebildete Notfallseelsorger diesen Dienst wahr. Nicht jeder der Notfallseelsorger kann sich gleich stark in den jährlichen Einsatzplan einbringen. Bei der letzten Besprechung stand die Überlegung im Raum, wie der "Rund-um-die-Uhr-Einsatz" gewährleistet werden kann, heißt es in einer Pressemitteilung. Würde rein theoretisch jeder der Notfallseelsorger zwei Wochen übernehmen, wäre das Jahr über gut abgedeckt. Selbst eine Woche Dienst ist für den einen oder anderen wegen der Zeitfülle, der Präsenzpflicht und der physischen und psychischen Kraftanstrengung zu viel. Im Schnitt ergeben sich laut der neuen Statistik, die von der integrierten Leitstelle vorliegt, bei 71 Einsätzen für das Jahr 2011 im Wochendurchschnitt 1,4 Einsätze.

Im Einzelfall kann das für den diensthabenden Notfallseelsorger bedeuten, dass er fünf Einsätze in der Woche hat. In der Zuordnung ging es in knapp der Hälfte der Einsätze um Todesfälle aus unterschiedlichen Gründen. Die anderen Bereiche lassen sich zusammenfassen in lebensbedrohliche Situationen wie Reanimation, Herz-Rhythmus-Störungen, Benachrichtigung von Todesfällen, in denen die "Erste Hilfe für die Seele" angefordert wurde. Die Mehrzahl der Einsätze (43) fanden tagsüber zwischen 6 Uhr und 18 Uhr statt. 28 Einsätze waren nachts. Die Orte, zu denen die Seelsorger gerufen wurden, waren landkreisweit von Aichelberg bis Wiesensteig, von Ebersbach bis Donzdorf verstreut.

"Eine ganze Einsatzwoche ist für den einzelnen Notfallseelsorger, zumal er Gemeindepfarrer ist, nicht immer einfach zu organisieren", gibt Pfarrer Walter Scheck zu bedenken. Die Seelsorger hätten in den meisten Fällen aber die Dankbarkeit der Personen gespürt.

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