Hilfe für eine Diaspora-Kirche

Neun Jahre war Christian Buchholz aus Dürnau mit Hilfe für die evangelische Kirche in der Slowakei beauftragt, als Vorsitzender des württembergischen Pfarrvereins. Zum Abschied kam Bischof Kladek zu Besuch.

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Glaubensbrüder aus Ost und West: Der slowakische Bischof Milos Kladek, Christian Buchholz und Jaroslav Maty (von rechts) in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Foto: Jürgen Schäfer

Wenig bekannt ist, dass die württembergische Landeskirche die evangelischen Kirche in der Slowakei unterstützt. Das begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der erst wieder eine Verbindung möglich machte, berichtet Buchholz. Es ist eine Bruderhilfe für eine Kirche in der Diaspora, die vom Sozialismus hart bedrängt wurden, und solche Partnerschaften haben auch andere Landeskirchen mit osteuropäischen Kirchen.

Buchholz wuchs in diese Verbindung hinein. Vor zehn Jahren wurde er Vorsitzender des württembergischen Pfarrvereins, der ebenfalls partnerschaftlich mit dem Pfarrerverbund in der Slowakei verbunden ist. Auch hier geht es um materielle Hilfe: 250 000 Euro pro Jahr spendet die berufsständische Organisation von 3500 württembergischen Pfarrern den slowakischen Glaubensbrüdern. Der Verein hilft auch anderen Schwesterkirchen in der Welt. Aber "Die Slowakei ist ein Schwerpunkt", sagt Buchholz.

Für den Dürnauer, damals noch als Schuldekan im Berufsleben, war die Slowakei eine Entdeckung. Er traf auf eine tiefe Frömmigkeit und große Gastfreundschaft. "Da wird man gleich zum Essen eingeladen, da kommen Schnäpse auf den Tisch, es wird gemeinsam gesungen und gebetet." Da sind die Gottesdienste noch voll, auf tausend Gläubige kommt ein Pfarrer, und jeder Protestant kenne die Kämpfe seiner Kirche in früheren Zeiten. Einst war das ganze Land protestantisch, dann kam die Gegenreformation, und der verbliebenen Diaspora-Gemeinde von 330 000 Protestanten oder sieben Prozent der Bevölkerung steckt noch die Bedrohung des Sozialismus in den Knochen. Verblüfft war Buchholz, dass in jedem Pfarrhaus ein Bild von Luther und Melanchthon hängt. Melanchthon - für die Slowaken der zweite Reformator, für die Schwaben fast ein Unbekannter.

Buchholz schwärmt auch von den Landschaften der Slowakei. Er ist bei jährlich ein, zwei Besuchen fast überall herumgekommen und empfiehlt es jedem als Reiseland: die Karpaten, die Weinbaulandschaften und der alte Glanz von Bratislava, einst eine Krönungsstadt.

Dankbar über die Hilfe aus Württemberg sind Bischof Milos Kladek und der Vorsitzende des dortigen Pfarrvereins, Jarolav Matys, die jetzt zu Buchholz Amtsende auf einen "Abstecher" vorbeikamen. "Wenn wir sie nicht hätten, müssten wir woanders Geld herbekommen", sagt der Bischof. Trotzdem ist die slowakische Kirche arm. Sie kann ihren Pfarrern nur 300 bis 500 Euro im Monat geben. Davon können sie nicht leben, auch wenn die Wohnung gestellt wird, geschweige denn ihre Familien ernähren. Wenns gut läuft, verdient die Pfarrfrau gut. Die württembergischen Kollegen geben Geld für die Familien, die Dienstautos der Pfarrer und die Renovierung der Pfarrhäuser. Buchholz war regelmäßig unterwegs, um die Verwendung der Gelder zu überprüfen.

Die slowakischen Pfarrer schätzen Deutschland. Viele studieren hier ein paar Semester, ob in Tübingen, Marburg oder Berlin. Auch der Bischof lernte Deutschland im Studium kennen. Deutsch konnte er schon vorher, wie viele seiner Landsleute. Es wird in der Slowakei als Fremdsprache gelehrt, das war auch in sozialistischen Zeiten so.

Kladek hat ein anspruchsvolles Amt, auch wenn sein Kirchenvolk klein ist: Zur Kirche gehören auch evangelische Schulen und eine Hochschule, er vertritt seine Kirche gegenüber dem Staat.

Buchholz blickt auf eine "wunderbare Zeit der Bereicherung und Begegnungen zurück". Den Kontakt mit den slowakischen Freunden wird der 68-Jährige weiter pflegen, und die Partnerschaft noch ein Stück Wegs begleiten. Er will wissenschaftliche Bücher zur evangelischen Fakultät Bratislava bringen und sich für Stipendien an slowakische Auslandsstudenten einsetzen.

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