Hilfe für die Ärmsten der Armen

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Klaus Wiesenborn freut sich mit den Menschen in Gambia. Fotos: Privat

Klaus Wiesenborn reist seit knapp zehn Jahren regelmäßig nach Gambia, um Kindern zu helfen. Doch um sein Engagement in Westafrika macht der 67-Jährige aus Göppingen kein Aufhebens. Dabei ist das Netzwerk, das er geschaffen hat, beachtlich.

Von Helge Thiele

Klaus Wiesenborn geht es nicht um seine Person, wenn er über seine Projekte spricht. Der 67-Jährige hilft seit 2003 Kindern im westafrikanischen Gambia - und das auf vielfältige Weise. Er baut Schulen, stellt Musiklehrer ein, stattet die örtlichen Fußball-Mannschaften mit Trikots und Bällen aus, richtet Küchen ein, besorgt Spielsachen und kümmert sich darum, dass sich auch die ärmsten der armen Familien einen Besuch beim Arzt leisten und Mosquitonetze kaufen können.

In dem kleinen Savannendorf Kubariko unweit der Hauptstadt Banjul verteilt Klaus Wiesenborn gemeinsam mit anderen Helfern Reis, Kartoffeln, Zwiebeln und Speiseöl an die Bevölkerung. Ständig ist er in Deutschland auf Sponsorensuche - was ihn motiviert, ist die Tatsache, dass er immer wieder Menschen, Firmen und Vereine findet, die ihn ohne Wenn und Aber unterstützen. So zum Beispiel Sabine und Jürgen Korb aus Langenbrettach bei Heilbronn. Das Ehepaar hat er bei einem von ihm initiierten Benefizkonzert eines Chors kennengelernt. Spontan waren Gastgeber und Besucher an diesem Abend bereit, gleich mehrere Patenschaften für Schulkinder in Gambia zu übernehmen. "Das war eine Grundlage, auf der man aufbauen konnte", sagt Wiesenborn. In diesem Jahr wird Wiesenborn wieder nach Gambia fliegen. Begleitet wird er vom Ehepaar Korb, das in seinem Netzwerk längst zu einer festen und verlässlichen Größe geworden ist.

Vor knapp zehn Jahren war der Göppinger, der für die SPD im Stadtparlament sitzt und vielen Menschen vor allem aus seiner Zeit als DGB-Kreisvorsitzender bekannt ist, auf die Not in Gambia aufmerksam geworden. Ein anderer Göppinger - Karl-Heinz Kloss - hatte ihm von der Lage in dem westafrikanischen Land berichtet. Kloss ist selbst unzählige Male nach Gambia geflogen, um mit Spenden, die er in der Göppinger Fußgängerzone gesammelt hat und auch heute noch sammelt, vor Ort zu helfen. Eine Zeitlang arbeiteten Kloss und Wiesenborn zusammen. Dann trennten sich die Wege der beiden wieder, weil jeder einen eigenen Ansatz verfolgen wollte - und die Hilfe somit noch breiter gestreut werden konnte. Die Zahl der Kinder, für die Klaus Wiesenborn Patenschaften vermitteln konnte, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 23 Kinder waren es im Jahr 2003. Inzwischen sind es knapp 150. Die größten Einzelprojekte, um die sich Wiesenborn kümmert, sind verschiedene Neu- und Anbauten von Schulen. Vor Ort bespricht er sich mit den Bürgermeistern und kommunalen Ämtern. Die Menschen in der Provinz fühlen sich von der Zentralregierung oft allein gelassen. Nachhaltige Hilfe in ihrem täglichen Bemühen um genügend Nahrung und etwas Bildung für die Kinder erwarten die meisten von der Regierung nicht mehr.

In Banjulunding hat Wiesenborn mit seinem Engagement dazu beigetragen, die Nursery- und Lower-Basic-School auf- beziehungsweise auszubauen. Damit hat Wiesenborn zugleich den Startschuss für ein lokales Konjunkturprogramm gegeben, denn die Handwerker vor Ort haben von den Bauarbeiten profitiert, was wiederum den Familien und Kindern zugute kam.

Die Verhältnisse und Strukturen in Gambia sind mit Deutschland kaum vergleichbar. Die beiden Schulen in Banjulunding ähneln am ehesten einer Vor- und Grundschule. Im laufenden Schuljahr werden in der Nursery-School in Banjulunding 17 Kinder unterstützt, 32 Kinder besuchen die weiterführende Lower-Basic-School. Im kommenden Schuljahr wird sich die Zahl der Schüler erneut erhöhen. Wiesenborn war es bereits vor Jahren gelungen, eine weitere Bande zu knüpfen: Die Patenschaft für die Nursery-School hat der Göppinger Schülerhort "Barbarossa" übernommen. Zum vierten Mal in Folge wurde in Göppingen beim Weltkindertag für das Schulprojekt "Kinderhilfe Gambia" geworben.

Wiesenborn sammelt das Jahr über auch Geld, indem er den Erlös seiner Auftritte als Musiker auf die Seite tut und das Geld einsetzt, um in Gambia eine Musikschule zu finanzieren. Der Göppinger hat diese selbst aufgebaut, auch den Musiklehrer bezahlt er aus eigener Tasche. Jedes Mal, wenn Wiesenborn nach Gambia fliegt, kümmert er sich schon Monate vorher darum, Musikinstrumente zu sammeln. Hilfe bekommt Wiesenborn dabei von Musikalienhandlungen. Aber auch Privatleute überlassen ihm ihre alten Instrumente, die in Afrika für strahlende Mienen sorgen.

Auch in Brikama Kitty hat Wiesenborn dafür gesorgt, dass Kinder zur Schule gehen können. Die dortige Nursery-School existiert seit September 2008 und besitzt inzwischen zwei große Klassenzimmer, ein Büro und Toiletten. Drei Lehrer unterrichten zurzeit 64 Kinder - für alle Kinder gibt es Patenschaften. Die kompletten Kosten der Schule, einschließlich der Bezahlung der Lehrer, werden durch Sponsoren getragen, die Wiesenborn gewinnen konnte. Die Patenschaft für das Gesamtprojekt hat die Meerbach-Grundschule in Bartenbach übernommen.

Möglicherweise, so Wiesenborn, komme noch die Grundschule in Lorch-Waldhausen hinzu. Die Wahl ist nicht zufällig auf diese Schule gefallen: In Lorch-Waldhausen unterrichtet Beate Stohrer, die wie Wiesenborn Mitglied des Göppinger Gemeinderats ist.

In den Schulen in Banjulunding und Brikama Kitty finden jedes Jahr feierliche Zeremonien mit einem großen Fest statt. Für die Kinder, Lehrer und Eltern es ein ganz besonderer Tag, denn bei der Zeremonie erhalten die Kinder Geschenke wie Schulartikel, Kleidung oder Spielzeug.

Für Wiesenborn beginnen die Vorbereitungen auf seine Reisen stets schon lange vor dem Abflug. Denn die Spenden, die der Göppinger sammelt, werden in einem Container per Schiff nach Gambia transportiert. Helfer vor Ort lagern die Spenden dann so lange ein, bis Wiesenborn und sein Team im Land eingetroffen sind, um die Hilfsgüter zu verteilen. Göppinger Vereine, insbesondere der Sportverein Göppingen und der TV Jahn, unterstützen Wiesenborn in diesem Jahr mit Fußbällen und Trikots. Auch der Alpenverein und die IG-Metall-Senioren engagieren sich für Wiesenborns Kinderhilfe in Gambia. In den kommenden Wochen ist es wieder soweit: Im März startet Klaus Wiesenborn zu seinem nächsten Hilfseinsatz in dem afrikanischen Land.

Einen Verein hat der 67-Jährige für seine Projekte nicht gegründet. Der Göppinger wollte Reibungsverluste und den bürokratischen Aufwand, der zuweilen bei Vereinsgründungen durch rechtliche Zwänge entsteht, vermeiden. Wiesenborn legt Wert darauf, dass alle Spenden ungeschmälert dort ankommen, wo sie dringend benötigt und sehnsüchtig erwartet werden. Deshalb hat er - aus Verantwortung für die Kinder und Familien, die von der Hilfe aus Deutschland profitieren - die Weichen für die Zukunft bereits gestellt. Thomas Edtmaier aus Göppingen, Jürgen und Sabine Korb aus Langenbrettach, aber auch Wiesenborns Sohn Simon (17), der selbst schon in Gambia war, werden eines Tages die Organisation und Betreuung der Projekte übernehmen, die dazu beitragten sollen, vor allem den jungen Menschen in Gambia eine Perspektive zu bieten und das Leben ein wenig zu erleichtern.

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