Hausärzte doktern oft herum

Wunden verbinden, so der Tenor der Expertenrunde zur Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden. Dr. Wolfgang Tigges aus Hamburg zeigte auf, wie ein gemeinsamer Weg aussehen könnte.

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Das Hamburger Wundnetz stellte Dr. Wolfgang Tigges den Göppinger Akteuren Dr. Rolf-Gunther Braig, Prof. Stefan Riedl sowie Thomas Schneider (v.l.) vor.

Interessante Argumente, spannende Fragen und gegenseitiges Ballzuspielen standen im Mittelpunkt beim Treffen der an der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden beteiligten Berufsgruppen. Die Veranstaltung der Alb-Fils-Kliniken, dem Wundnetz Alb-Fils und der AOK leitete Initiator Prof. Stefan Riedl. "Der Einfluss der Wundnetze wird an Bedeutung zunehmen", davon ist Dr. Wolfgang Tigges, Chefarzt der Chirurgie im Asklepois-Westklinikum Hamburg überzeugt. In seinem Vortrag erläuterte er, es funktioniere nur mit strukturierten Richtlinien. Die regionale Expertenrunde (Dr. Oliver Bernas, Dr. Frank Genske, Chefarzt Dr. Peter Richter, Chefarzt Dr. Andreas Schuler, Dr. Oliver Schnek, Wolf-Rüdiger Schmauder, Sven Schubert sowie Martina Zeller-Mühleis) nebst rund 80 Besuchern hörte staunend und aufmerksam zu, bevor es in eine lebhafte Diskussion mündete.

Seit dem ersten Treffen vor zwei Jahren hat sich das Alb-Fils-Wundnetz unter Leitung von Dr. Rolf-Gunther Braig, gegründet. Ärzte, Pflegedienste und Versorgungseinrichtungen haben sich zusammengeschlossen, um die gemeinsame Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden weiterzuentwickeln. Nur im Verbund können Erfolge erzielt werden, diese Erkenntnis kristallisierte sich schnell heraus. Das Konkurrenzdenken muss dem Wir-Gefühl weichen. Ein Angriff in Richtung Hausärzte aus dem Publikum unterstrich die Problematik: "Es gibt zwar eine Wundsprechstunde in der Klinik am Eichert, der Hausarzt doktert aber selbst herum und schickt den Patienten nicht dorthin." Dr. Wolfgang Tigges stellte das seit zwölf Jahren bestehende gemeinnützige Wundzentrum Hamburg mit seinen 450 Mitgliedern vor und sprach über Wundbehandlung und integrierte Versorgung. "Das A und O ist die Dokumentation der Abläufe", appellierte der Mediziner. Natürlich spiele auch der finanzielle Aspekt eine nicht unerhebliche Rolle. Die Erfassung der Kosten sei wichtig für die Krankenkassen als Kostenträger. "Mit begrenzten Mitteln das bestmögliche Ergebnis in der Wundversorgung zu erzielen sei die Kunst", erklärte der Experte aus der Hansestadt.

Den örtlichen Akteuren in der Runde brannte so manche Frage auf den Nägeln. "Wie ist eine Kostentransparenz bei Verbandsmaterialien zu erreichen?" Das wollte Dr. Oliver Bernas wissen. Prof. Stefan Riedl fragte nach der Finanzierbarkeit der Leistung von Case-Managern, und Chefarzt Dr. Andreas Schuler aus der Geislinger Helfenstein-Klinik gab zu bedenken: "Die Nachhaltigkeit der Maßnahmen verhindert Pflegebedürftigkeit, daher braucht es kluge Köpfe um zu erkennen, dass die Gelder langfristig sinnvoll eingesetzt sind."

In Hamburg klappt das, aber wie steht es vor Ort um die Finanzen? Der stellvertretende Geschäftsführer der AOK, Thomas Schneider, betonte, dass die Finanzierung mit dem Gesamtvergütungskonzept der Kassenärztlichen Vereinigung zusammenhänge. Dr. Tigges, nahm auch auf Fragen zu den Qualitätskriterien, Case-Management und Regress Stellung, bevor Prof. Riedl abschließend zusammenfasste: "Die Zeit ist reif, wir müssen gute Ideen einbringen, brauchen funktionierende Regelmechanismen und müssen mit wirtschaftlichen Mitteln verantwortungsvoll umgehen".

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