Göppinger Haus der Jugend soll auf den Prüfstand

In Göppingen keimen Überlegungen, das zu groß gewordene Haus der Jugend an die Blumenstraße zu verlegen. Das Projekt „Stadtoase“ soll in den Herbstferien Klarheit bringen.

|
Seit Jahren steht das Haus an der Göppinger Blumenstraße leer.  Foto: 

Die „Stadtoase“ wird in den Herbstferien im Göppinger Haus der Jugend an der Dürerstraße gepflanzt. Das hat der Göppinger Gemeinderat beschlossen. Ein Novum, denn bisher war das Projekt mit aktiver Beteiligung der Jugendlichen stets an einem städtischen Platz oder Quartier verortet, dessen Potenzial für die Jugend ausgelotet werden sollte. Nun geht es um die Zukunft des vor 48 Jahren eröffneten Hauses der Jugend, dessen Sanitäranlagen und Küchenbereich renovierungsbedürftig sind. Im Gemeinderat und an der Rathausspitze kursiert prompt die grundsätzlichere Frage, ob der Standort noch zu halten sei. In die Diskussion gerät ein Umzug in ein seit Jahren leer stehendes Gebäude an der Blumenstraße.

Dabei ist es nicht neu, dass an der Dürerstraße weitere Veränderungen anstehen. Denn die Bedeutung der Anfangsjahre, als auf 1000 Quadratmeter Gesamtfläche Angebote für die ganze Stadt gemacht wurden, hat das Haus längst nicht mehr. Die Kommune hat ihre Jugendarbeit dezentralisiert und in neue Einrichtungen in die Stadtbezirke verlagert. Der Kreativbereich an der Dürerstraße wurde vor Jahren geschlossen. Die Personalausstattung reicht nur noch für zwei bis drei Öffnungstage des Jugendcafés pro Woche. Ein Jugendforum und eine Klausurtagung des Trägervereins Göppinger Jugendheim sind bereits über die Bühne gegangen, um das Konzept im Blick auf Personal, Räume und Angebote zu überdenken.

Dennoch sagt Harald Moll, der seit 38 Jahren im Haus der Jugend arbeitet und seit zwei Jahren dessen Leiter ist, er sei von der aktuellen Standortdiskussion überrascht. Das derzeitige Gebäude biete sehr viel Potenzial und Nutzungsvielfalt. Er räumt ein, dass die Atmosphäre im Haus verbesserungswürdig sei. Für das Jugendcafé als zentrale Anlaufstelle stehe eine Umgestaltung an. Das Hochbauamt habe Workshops mit einem Architekturbüro vorgeschlagen. Er sei davon ausgegangen, dass die „Stadtoase“ dazu genutzt werde, neue Ideen voranzutreiben, sagt der Leiter. Beide möglichen Standorte hätten ihre Berechtigung, meint Moll, er bevorzuge aber persönlich den derzeitigen Platz.

Hingegen sagt die auch für die Jugendarbeit zuständige Erste Beigeordnete der Stadt, Almut Cobet, sie sei bei ihrem ersten Besuch an der Dürerstraße vom etwas abgelegenen Standort überrascht gewesen und habe auch gewisse Baumängel festgestellt. Sie habe außerdem in Gesprächen mit Jugendlichen erfahren, dass sie zentrale Standorte für ihre Treffpunkte  bevorzugen – so wie beispielsweise das Jugendhaus „Linde“ an ihrem bisherigen Wirkungsort Kirchheim. Deshalb könne sie sich vorstellen, dass eine Verlagerung denkbar sei, so Almut Cobet. Die Ecke Blumenstraße/Theodor-Heuss-Platz sei als möglicher neuer Standort deshalb interessant, weil sich in der Nähe am neuen „Ort der Vielfalt“ und im Stadthallenpark ohnehin schon viele Jugendliche aufhalten. Die Stadtoasen böten das Forum, um solche Ideen weiterzuentwickeln.

Kommentar von Arnd Woletz: Zeit für neue Ideen

Diese Vorstellung hat Charme: ein Jugendhaus direkt an der nagelneuen Trendsportanlage am Theodor-Heuss-Platz. Kein Wunder, dass manche Stadträte und Göppingens Sozialbürgermeisterin von dem Gedanken angetan sind, das Haus der Jugend in den Ziegelbau an der Blumenstraße zu verlegen oder das zumindest zu prüfen.

Man würde eine neue, zentral gelegene Anlaufstelle für die Jugend schaffen. Diesen Anspruch kann das fast 50 Jahre alte Haus der Jugend an der Dürerstraße nur noch bedingt erfüllen. Das Raumpotenzial ist dort zwar enorm, doch die Jugendarbeit hat sich gewandelt. Sie findet heute richtigerweise dort statt, wo Jugendliche sind – und das ist eben auch in den Stadtbezirken. Das einstige Flaggschiff der Jugendhilfe ist zugunsten der Stadtteil-Treffs degradiert worden – und eigentlich ein paar Nummern zu groß.

Bevor eine Entscheidung fallen kann, muss die Stadt seriös untersuchen, ob der Platz an der Blumenstraße für ein Jugendhaus überhaupt ausreichen würde, was Umbau oder Erweiterung gegenüber der Sanierung in der Dürerstraße kosten würde und was dort für Folgenutzungen möglich wären.

Das ist zwar eine neue Mammutaufgabe für das ohnehin am Anschlag arbeitende Hochbauamt. Dennoch steht die Stadt vor einem gewissen Dilemma, denn für die Herbstferien ist das Projekt „Stadtoase“ an der Dürerstraße eingetütet. Es ist ja schwer vorstellbar, dass die Jugendlichen sich dann für ein Konzept engagieren, wie man ihr altes Domizil aufpeppen kann, und dann wird der Umzug an die Blumenstraße beschlossen. Oder umgekehrt. In beiden Fällen wäre das viel beschworene Mitspracherecht ad absurdum geführt. Jugendliche die ihre eigenen Ideen einbringen, entwickeln viel mehr Identifikation und Engagement.

Egal, wie die Entscheidung  ausfallen wird: Für das Ziegelstein-Gebäude an der Blumenstraße, Baujahr 1882, muss sich die Stadt ohnehin bald etwas überlegen. Schließlich ermuntert die Kommune auch private Hausbesitzer zur Sanierung historischer Bausubstanz, ihren eigenen Besitz lässt sie in diesem Fall aber vergammeln. Das Haus steht seit ewigen Zeiten leer. Vor 14 Jahren hatte der Technische Ausschuss sogar schon den Abriss beschlossen. Damals träumte Göppingen noch von einem Stadthallenhotel an der Ecke. Diese Träume sind längst zerstoben. Zeit für neue Ideen. Für die Abrissbirne ist das Gebäude jedenfalls zu schade.

Fett Text

Ursprung Im Dezember 1947 war das Haus der Jugend von den Amerikanern gegründet worden. Es war in Teilen des ehemaligen Brauereigasthofs „Zum Rad“ untergebracht.
Mitte der 50er Jahre wurde der Trägerverein „Göppinger Jugendheim“
gegründet“.

Neubau Das derzeitige Haus an der Dürerstraße wurde von 1968 bis 1969 von der Stadt Göppingen gebaut und kostete damals umgerechnet etwa 750 000 Euro. Inklusive der Hausmeisterwohnung standen mehr als 1000 Quadratmeter zur Verfügung, mit Tischtennisraum, Veranstaltungssaal, Café, Gruppenräumen und Kreativbereich. Seit den 90er Jahren wurde das Angebot deutlich reduziert.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kugelbahnen sind der Geschenke-Renner

Weihnachten steht bevor und viele  sind auf der Suche nach Geschenken. Göppinger Geschäfte sind für den Ansturm gewappnet. weiter lesen