Harmonien des Leidens

Die Aufführung der Matthäuspassion am Karfreitag in Faurndau war mehr als nur ein Konzert. Die Veranstaltung verband die gesungene Leidensgeschichte mit der gesprochenen Botschaft zum Karfreitag.

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Gesungene Leidensgeschichte: Der Kammerchor Capella Nova unter der Leitung von Gerald Buß führte am Karfreitag die Matthäuspassion von Heinrich Schütz in der Stiftskirche Faurndau auf. Foto: Giacinto Carlucci

Ein doppelter Rahmen umfasste die Matthäuspassion von Heinrich Schütz, die der Kammerchor Capella Nova unter der Leitung von Gerald Buß für sein Passionskonzert in der Faurndauer Stiftskirche ausgesucht hatte. Zwei Kompositionen des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Knut Nystedt führten mit fließender Harmonik die Zuhörer an das Passionsgeschehen heran, indem der christliche Gedanke angerissen wurde, dass Tod und Frieden finden zusammengehören. Mit aktuellen Gedanken zur Botschaft des Karfreitags erweiterte dies Pfarrer Walter Scheck und vermied damit, dass das Konzert "nur" eine museale Veranstaltung blieb.

Sehr nah am Bibeltext des Matthäus vermeidet dieses straffe Zentralwerk im Schaffen von Heinrich Schütz jegliche Zutat. Das Bibelwort steht im Zentrum, die gesungene Passionsgeschichte hat liturgische Funktion und steigert die Intensität des gesprochenen Wortes. Lediglich der Schlusschor als "innerer Rahmen" des Konzerts gibt der seelischen Bewegung der Musizierenden und der Zuhörer im "Kyrie" Raum, weitab von jeglicher musikalischer Formelhaftigkeit. Die Zuhörer sind angesprochen und bekommen Gelegenheit in sich zu gehen; auch deshalb war es mehr als eine Frage des Geschmacks, dass Glocken und Beifall diesmal fehlten.

Wohl nur ein erlesenes Ensemble wie die Capella Nova kann es sich erlauben, dass die Hälfte des Chores auch die solistischen Partien übernimmt. Herausragend von Umfang und Anspruch her sind die Partien des Evangelisten (Stefan Renfftlen, Tenor) und die Partie des Jesus (Johannes Fritz, Bass). "Ohne Netz", das heißt ohne Begleitung meisterten sie ihre von Menge und Anspruch her herausragenden Aufgaben mit Bravour. Mit seiner leicht tremolierenden Stimme färbte Johannes Fritz die Seelennot, die die Worte Christi durchzieht. Bei dem Verzweiflungsschrei "Eli, Eli" löste er sich sogar von einer textgebundenen Gestaltung und verwandelte die Musik in existenziellen Schmerz. Stefan Renfftlen bewältigte mit beachtlicher Leichtigkeit seinen Riesenpart; sein Erzähler ließ sich fast nirgends aus der Ruhe bringen, auch wenn es um Unerhörtes ging - da war es nicht einfach, immer die Spannung zu halten.

Bei seinen wenigen, knappen Einlagen war der Kammerchor Capella Nova stets sofort präsent. Die Sänger verbanden auf der einen Seite Präzision mit Durchsichtigkeit, ließen aber mit ihrer feinen Textgestaltung und kontrolliert kraftvollen Dynamik emotionale Bewegung und Dramatik zu, was der Aufführung guttat. Manche musikalisch wohl abgerundeten, gediegenen Chorschlüsse hätten allerdings durchaus offener gestaltet werden dürfen. Meditative Stille belohnte die Mitwirkenden am Ende des Kirchenkonzerts.

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