Hantaviren auf dem Vormarsch

Die Hantaviren breiten sich aus: Im Kreis wurden seit Anfang Januar 31 Fälle gemeldet. Damit liegt das Filstal an der Spitze in Baden-Württemberg.

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Die Gesundheitsämter im Land und im Kreis schlagen Alarm: Die Hantaviren sind weiter auf dem Vormarsch. Im Kreis Göppingen wurden seit Anfang Januar bereits 31 Fälle gemeldet - im gesamten Vorjahr waren es 15, berichtet Birgit Villforth vom hiesigen Gesundheitsamt.

Hantaviren werden über Rötelmäuse verbreitet, die den Erreger über Kot und Urin ausscheiden. Hauptnahrungsquelle der Rötelmäuse sind Bucheckern. "Nach dem trockenen Sommer 2011 waren die Buchen besonders stark mit Bucheckern behangen", erklärt Dr. Peter Zaar, Pressesprecher im Regierungspräsidium Stuttgart. Dieses üppige Nahrungsangebot sorgt dafür, dass sich die Rötelmäuse kräftig vermehren. Daher gebe es in Buchenwald geprägten Regionen der Landkreise Göppingen, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen sowie des Zollernalbkreises und des Stadtkreises Stuttgart die meisten Neuerkrankungen, unterstreicht Zaar. "Göppingen liegt mit 31 Fällen an der Spitze, in Reutlingen sind es 29", nannte der Pressesprecher gestern die aktuellen Zahlen. Im Land sind es momentan 233 Patienten.

Eine Hantavirus-Erkrankung beginnt meist ähnlich wie eine Grippe mit plötzlich einsetzendem hohen Fieber. Hinzu kommen Kopf-, Glieder- und Bauchschmerzen. Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich ein Nierenversagen, das dialysepflichtig werden kann, sich jedoch in den meisten Fällen zurückbildet.

"Der Mensch infiziert sich in der Regel durch das Einatmen von aufgewirbeltem Staub aus den eingetrockneten Ausscheidungen der Rötelmaus", erklärt Birgit Villforth, die im Göppinger Gesundheitsamt in der Infektionsschutzabteilung arbeitet. In dem Kot oder Urin könnten die Viren über Tage oder Wochen überleben. Wer Holzarbeiten im Wald oder im Garten erledigt, Keller, Schuppen, Scheunen oder Ställe reinigt, in denen Nager vorkommen, ist besonders gefährdet, sich den Virus einzufangen. "Es ist ratsam, bei Reinigungsarbeiten sowie beim Umschichten und Tragen von Brennholz, aber auch bei Kontakt mit Mäusekot besonders vorsichtig zu sein", appellieren die Experten des Gesundheitsamts an die Kreisbewohner. Bevor man ans Werk geht, sollte man ausreichend lüften. Eine Staubentwicklung sollte - wenn möglich - vermieden werden. Geht das nicht, ist eine Atemschutzmaske hilfreich. Um tote Mäuse, deren Kot oder Urin zu entsorgen, sind Einmalhandschuhe ein guter Schutz. Wer zudem auf Nummer sicher gehen will, sprüht die toten Tiere samt ihrer Hinterlassenschaften mit Desinfektionsmittel ein. "Daneben ist die Bekämpfung von Nagetieren in der direkten Wohnumgebung wichtig", lautet ein weiterer Tipp des Landesgesundheitsamts. Die Behörde weist darauf hin, dass es derzeit weder einen Impfstoff noch eine Erreger-spezifische Therapie gegen Hantaviren gibt. Der beste Schutz vor einer Infektion sei daher, den Kontakt mit Nagern und deren Ausscheidungen möglichst zu vermeiden.

Hantavirus-Epidemien gab es auch in den Jahren 2007 und 2010 - damals registrierte das Landesgesundheitsamt im Vergleichszeitraum 51 beziehungsweise 98 Fälle, sagt Peter Zaar. Mit momentan 233 Erkrankten liegt die Zahl deutlich höher. Männer sind von einer Infektion doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die meisten Erkrankungen treten im mittleren Erwachsenenalter zwischen 30 und 59 auf. 64 Prozent der Patienten mussten stationär in der Klinik behandelt werden.

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