Haft wegen Alu-Klau

Im großen Stil hat das Trio Aluminiumteile bei der Firma Binder gestohlen. Jetzt verurteilte das Landgericht die drei Angeklagten wegen schweren Bandendiebstahls zu mehrjährigen Freiheitsstrafen.

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Mit der Verurteilung der drei Angeklagten endete jetzt vor dem Ulmer Landgericht der Prozess um die großen Aluminiumdiebstähle bei der Firma Binder in den Heidhöfen bei Böhmenkirch. Im Mittelpunkt des abschließenden vierten Verhandlungstages standen zunächst die Plädoyers des Ersten Staatsanwalts Ekkehard Freund und der Anwälte der Angeklagten. Bei ihnen handelt es sich um einen 44-jährigen Schrotthändler pakistanischer Herkunft aus Göppingen, einen 39-jährigen türkischstämmigen Arbeitslosen aus Eislingen und dessen 23-jährigen Neffen, der als Vorarbeiter bei der Firma Binder beschäftigt war.

Ihnen wird vorgeworfen, von September 2010 bis März 2011 insgesamt 86 Tonnen versandfertig verpackte, hochwertige Aluminiumteile des Automobilzulieferers gestohlen zu haben. In einer extra angemieteten Halle ließen die Täter von Asylbewerbern die Verpackung und Lieferscheine entfernen und die nagelneuen Teile zerkratzen und beschädigen. Anschließend verkauften sie das "Altmetall" als minderwertiger Schrott an Schrottfirmen in Plochingen und Frankfurt.

Insgesamt 16 Fahrten zwischen der Versandrampe der Firma Binder in den Heidhöfen und der Lagerhalle in Göppingen konnte das Gericht den Angeklagten nachweisen. Pro Fahrt transportierten sie eine errechnete Tonnage von vier bis fünf Tonnen mit einem Gesamtwert von 800 000 Euro. Dass es vermutlich weit mehr Diebstähle waren, dafür fehlen die Beweise. In den nachgewiesenen Fällen deckten sich die Arbeitszeiten des angeklagten Schichtleiters mit aufgezeichneten Handytelefonaten und den Anmietungen und Fahrtenschreiberaufzeichnungen der Lastwagen.

So begründete Staatsanwalt Freund die Anklage wegen schweren Bandendiebstahls. Beim Göppinger Schrotthändler kommt schwerer Betrug in 26 Fällen hinzu. Der Betrug ergibt sich aus dem Verkauf des Diebesguts an die beiden Schrottfirmen, bei denen er die hochwertigen Fahrzeugteile als fehlerhafte Ware deklarierte. "Grundsätzlich ist der Tatbestand des Bandendiebstahls erfüllt", resümierte Freund. "Denn die Angeklagten haben das Ganze professionell und gewerbsmäßig in die Wege geleitet, um sich langfristig eine lukrative Geldquelle zu erschließen."

Das in der Göppinger Lagerhalle und im dort abgestellten Lastwagen sichergestellte Beweismaterial und die exakt dokumentierten Verkäufe an die Schrottfirmen ermöglichten die Erfassung der Materialmenge auf drei Stellen hinter dem Komma. "Das Diebesgut ist eindeutig der Firma Binder zuzuordnen, da diese Fahrzeugteile ausschließlich dort gefertigt werden", sagte Freund. Der tatsächliche Schaden summiert sich nach Angaben des Firmeninhabers Ottmar Binder auf über 5,5 Millionen Euro.

Der Anwalt des Schrotthändlers verwies in seinem Plädoyer auf das frühe, umfassende Geständnis seines Mandanten, das zur zügigen Aufklärung beigetragen habe. Außerdem wolle er 23 500 Euro als Rest aus dem Verkaufserlös zurückzahlen. Der Verteidiger forderte, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Bevor der Anwalt des mitangeklagten Eislingers abschließend sprach, überraschte dessen Mandant mit einem späten Teilgeständnis. Er beteuerte, im Auftrag des Schrotthändlers lediglich den Lkw gefahren zu haben, ohne zu wissen, was aufgeladen wird und wofür es gedacht war. Sein Verteidiger zählte die misslichen Lebensumstände seines vorbestraften und unter Bewährung stehenden Mandanten auf.

Rechtsanwalt Markus Kaißer vertrat den 23-jährigen damaligen Vorarbeiter der Firma Binder. Er verwies auf die hierarchischen Strukturen in türkischen Familien. Daraus zog er den Schluss, dass sein Mandant nur auf Geheiß des Onkels das Diebesgut für die nächtlichen Abtransporte bereitgestellt hätte, aber weder an der konspirativen Planung noch am Erlös beteiligt gewesen sei.

Richter Reiner Gros verurteilte den Göppinger Schrotthändler, trotz der Strafmilderung durch sein Geständnis, zu drei Jahren Haft, den 39-jährigen Eislinger samt der Vorstrafe zu vier Jahren und neun Monaten, und seinen Neffen zu vier Jahren und drei Monaten. Sein Urteil begründete Gros mit der eindeutigen Beweislage in 16 Fällen, den hohen Wert und Erlös des Diebesgutes und die gewerbsmäßige, systematische Abwicklung der Taten. Dies erfülle eindeutig den Tatbestand des schw eren Bandendiebstahls.

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