Gymnasien bleiben bei G8

Nur G8 oder auch G9 anbieten? Während in Geislingen beide Gymnasien einen Antrag für den Schulversuch zum neunjährigen Gymnasium gestellt haben, will in Göppingen keine Schule die Wende mitmachen.

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Achtjähriges oder neunjähriges Gymnasium? Diese Freihof-Schüler zeigen an, wohin für sie die Reise geht. Und das bleibt wohl vorerst auch so. Keines der Gymnasien in der Stadt Göppingen hat sich bisher um den Schulversuch zu G9 beworden. Foto: Giacinto Carlucci

Hitzige Diskussionen, Demos und Stammtische besorgter Eltern - das alles gab es in Göppingen, nachdem 2004 die Laufbahn an allgemeinbildenden Gymnasien auf acht Jahre verkürzt wurde. "Turbo-Abi" war das Schlagwort. G8-Eltern klagen seither vor allem, dass den Kindern vor lauter Schulstress keine Zeit für andere Aktivitäten bleibe. Schreckgespenst war auch der unumgängliche Doppeljahrgang. Diese Schüler machen demnächst ihr Abitur.

Bedingt durch den Regierungswechsel, kochte in den vergangenen Monaten die Debatte wieder hoch. Die Möglichkeit, zusätzlich zu G8 künftig auch einen G9-Zug anzubieten, stand plötzlich im Raum - und wurde an den Schulen eifrig diskutiert. Nachdem die Bewerbungsfrist für den entsprechenden Schulversuch abgelaufen ist, zeigt sich nun aber: Im Landkreis Göppingen ist das Interesse unterschiedlich verteilt. In der Kreisstadt Göppingen beispielsweise hat keines der vier allgemeinbildenden Gymnasien einen Antrag auf Rückkehr zur neunjährigen Version gestellt - und das, obwohl hier der G8-Protest einst ungewöhnlich stark war.

Günter Roos, geschäftsführender Schulleiter der vier Göppinger Gymnasien, führt das unter anderem darauf zurück, dass die Versuchsschulen für G9 in der Regel mindestens vierzügig sein sollten. Dieses Kriterium erfülle - am offiziellen Ausbaustand gemessen - aber nur das Werner-Heisenberg-Gymnasium. Neben dem enormen organisatorischen Aufwand für parallele Züge, glaubt Freihof-Schulleiter Roos, "dass G8 im großen und ganzen gut umgesetzt wurde". Man habe an den einzelnen Schulen viele Anpassungen vorgenommen, die nun Früchte tragen. Er verhehlt nicht, dass noch immer einiger Verbesserungsbedarf besteht. Als Beispiel nennt er die zu hohe Wochenstundenzahl in der Mittelstufe. Auch die mangelnde Durchlässigkeit zwischen Realschulen und Gymnasien, die das Turbo-Abi mit seiner schnellen Sprachenfolge verursacht habe, sei nicht gelöst. Roos glaubt aber, dass ein Schulart-Wechsel bis zur Mitte der Klasse sechs jeweils mit gezielter Förderung einzelner Kinder möglich wäre. Natürlich gebe es immer noch einige Schüler, die am Gymnasium kapitulieren. Die Ursachen dafür müssten aber im Einzelfall geprüft werden. Jedenfalls sei nicht immer G8 daran schuld.

Und wie sehen das die Eltern? Stephanie Hansert-Schupp, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Göppingen, bestätigt, dass bei den aktuellen Informationsveranstaltungen der einzelnen Gymnasien für die Eltern der mögliche G9-Versuch kaum ein Thema gewesen sei. Auch sie nennt als Grund, dass an den Schulen vieles am G8-Konzept optimiert und Lerninhalte verschlankt worden seien. "Die Eltern haben gesehen, dass es fruchtet". Die Göppinger seien mit dieser Position auch in guter Gesellschaft.

Blickt man einige Kilometer die Fils aufwärts, stellt sich die Situation etwas anders dar. In Geislingen haben sowohl das Helfenstein-Gymnasium als auch das Michelberg-Gymnasium einen Antrag gestellt, neben G8 in einzelnen Klassen auch G9 anzubieten. Dem Vernehmen nach soll der Druck dort vor allem von Eltern gekommen sein.

Auch in Geislingen ist es bislang allerdings völlig offen, ob der G9-Versuch wirklich kommt. Nach Angaben des Kultusministeriums liegen aus 51 Schulen im Land Anträge vor. Im ersten Schritt kommen aber nur 22 Gymnasien zum Zug. Bis zum 29. März sollen sie ausgewählt werden - die Geislinger Eltern bleiben also bis unmittelbar vor Ende der Anmeldefrist im Unklaren. Die Antragsfrist für die zweite Tranche mit weiteren 22 Schulen endet am 1. Dezember.

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