Grünes Paradies auf dem Ösel

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  • Susanne und Rainer Vogel (Foto oben) setzen in ihrem Refugium auf Nachhaltigkeit: Ein besonderer Küchenherd sorgt für warmes Wasser im ganzen Haus, Photovoltaik für Strom und die Bienen für Honig. Keine Frage, dass sich auch die Katzen der Vogels hier wohlfühlen. Fotos: Nadja Kienle (1) /Rainer und Susanne Vogel 1/2
    Susanne und Rainer Vogel (Foto oben) setzen in ihrem Refugium auf Nachhaltigkeit: Ein besonderer Küchenherd sorgt für warmes Wasser im ganzen Haus, Photovoltaik für Strom und die Bienen für Honig. Keine Frage, dass sich auch die Katzen der Vogels hier wohlfühlen. Fotos: Nadja Kienle (1) /Rainer und Susanne Vogel
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    Auch Kunstwerke kommen auf dem Ösel naturnah zur Geltung.
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Leben und Arbeiten mitten in einem grünen Paradies auf dem Ösel in Wäschenbeuren: Mit dem Kauf eines kleinen Häuschens mit riesigem Garten erfüllten sich Susanne und Rainer Vogel vor rund sieben Jahren einen Lebenstraum.

Von Nadja Kienle

Es ist eine richtig idyllische und spirituelle Oase, welche sich Susanne und Rainer Vogel auf dem Bergrücken "Ösel" in Wäschenbeuren inmitten der herrlichsten Natur geschaffen haben: Auf 520 Höhenmetern liegt dort ihr kleines schmuckes Häuschen mit 70 Quadratmetern, dass von einem großen Garten mit einem wunderschönen alten Baumbestand umgeben ist.

Für das Ehepaar Vogel verwirklichte sich mit dem Kauf des Anwesens im Jahr 2005 ein Lebenstraum: "Wir waren schon längere Zeit auf der Suche nach einem solchen kleineren Haus mitten im Grünen, als wir rein zufällig auf die Zeitungsannonce stießen, in der das Häuschen mit dem Grundstück zum Verkauf angeboten wurde", erzählt Susanne Vogel. Die Eheleute aus Bissingen/Teck verliebten sich damals sofort in den traumhaften Ort, zumal mit dem Gebäude, das vor 87 Jahren ursprünglich als Naturfreundehaus erbaut wurde, sogar ein Wohnrecht verknüpft ist. Obwohl auf dem Grundstück jede Menge an Arbeit auf sie wartete und sie ihre Pläne für eine längere Pilgerreise mit Wohnmobil und Trailer teilweise etwas abändern mussten, entschieden sie sich zum Kauf des Grundstücks. Durch den Verkauf ihres Hauses in Bissingen reduzierten sie zwar ihre Wohnfläche um rund 300 Quadratmeter, dafür steht ihnen jetzt allerdings ein riesiger Garten mit einer Fläche von 0,78 Hektar zur Verfügung. "Wir kehrten die Verhältnisse von Wohn- und Gartenfläche einfach um", erklärt Rainer Vogel schmunzelnd.

Anfangs stellte der Garten für die zwei Tatkräftigen eine richtige Herausforderung dar, denn zunächst galt es dort die Wildnis zu bändigen. Diese hatte sich dort einige Zeit ungestört ausbreiten können, da das Anwesen über einen längeren Zeitraum nicht genutzt wurde, bevor es Susanne und Rainer Vogel erwarben. Durch umfangreiche Pflege- und Gestaltungsarbeiten zauberte das Ehepaar Vogel aus dem verwilderten Garten eine grüne und spirituelle Oase. An verschiedenen Stellen entstanden auch spezielle Kraftplätze, bei denen nicht nur Susanne und Rainer Vogel Energie auftanken, sondern wo sie auch mit den Teilnehmern der Kurse und Seminare ihrer Lebensschule "SuRa Academy" arbeiten. Das Angebot der Lebensschule reicht von vielen Seminarkursen zur Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung über individuelles Filzen bis hin zu allerlei offenen Workshop-Abenden mit verschiedenen Themen. "Wir feiern auch Feste zur Sommersonnwende und Wintersonnwende", so Susanne Vogel. Die 52-Jährige leitete bereits in Bissingen etliche Jahre ein eigenes Seminarhaus.

"Seit zwei Jahren halten wir auch Bienenvölker zur Honigherstellung", verraten die beiden Selbständigen. Die Bienen von 20 Völkern summen derzeit in dem großen Garten, in dem extra ein Imkerhäuschen eingerichtet wurde, um den Honig zu gewinnen, welcher dann zum Verkauf angeboten wird. Ein weiteres berufliches Standbein stellt zudem die Fotokunst von Rainer Vogel dar. Als freischaffender Fotograf und Fotokünstler fängt er eindrucksvolle Motive ein, mit denen dann unter anderem schöne Karten oder Kalender gestaltet werden.

In besonderem Maße ist aber ein ganz besonderer Umstand beeindruckend: Das Ehepaar Vogel lebt auf dem Ösel nämlich ohne Strom- und Wasserleitungsanschluss. Doch das pfiffige Pärchen rüstete sein Domizil - welches aus einem Erd-, Ober- und Dachgeschoss besteht und neben einem Wohn- und einem Schlafzimmer auch eine große Küche und ein schönes Bad beherbergt - vor diesem Hintergrund technisch so richtig auf: Beispielsweise wird mit einem ganz speziellen Holz-Ofen in der Küche dort nicht nur geheizt, sondern auch das Wasser erhitzt, das unter simpler Ausnutzung physikalischer Gesetze über das Rohrleitungssystem dann auch in den oberen Etagen zur Verfügung steht. "Warmes Wasser steigt nämlich immer nach oben", erklärt Rainer Vogel. Um in den Sommermonaten die Küche durch die Bereitung des warmen Wassers aber nicht immer in eine Sauna zu verwandeln, installierten sie kürzlich im Dachbereich noch eine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung. Auch ein 200-Liter-Warmwasserspeicher wurde im obersten Stockwerk eingebaut. "Das Wasser gewinnen wir aus Regenwasser", erläutert Rainer Vogel. Dieses wird von der Dachrinne in einen Behälter transportiert, in dem es mit Aktivkohle und Sand gereinigt und dann in einem Kunststoff-Tank gelagert wird. "Kürzlich haben wir einen neuen Tank mit 7000 Litern Fassungsvermögen außerhalb des Hauses installiert und dadurch sogar einen Lagerraum gewonnen", betont der 56-Jährige. Bislang waren die alten und kleineren Wassertanks nämlich in dem Raum untergebracht. Zwei bis dreimal pro Jahr kommt es während trockenen Wetterperioden dennoch vor, dass Rainer Vogel an der Wohnmobil-Tankstation der EWS-Arena in Göppingen Wasser holen muss. Rund 120 Liter verbraucht das Ehepaar Vogel pro Tag im Durchschnitt, wobei hier auch der Wasserverbrauch ihrer Kinder - die ab und zu gerne zu Besuch kommen und fleißig bei den Arbeiten mit Hand anlegen - sowie der Verbrauch der Gäste und Kursteilnehmer eingerechnet ist.

"Man lernt einfach viel bewusster mit Wasser und Energie umzugehen", so das Ehepaar. Strom für das Haus wird dagegen über einige kleine Solarmodule erzeugt. Viele der Elektro-Geräte werden - soweit möglich - über Niedervolt-Spannung betrieben, wobei über einen Spannungswandler bei Bedarf auch 220 Volt zur Verfügung stehen. Geheizt wird das gesamte Häuschen komplett mit Holz, von dem rund 12 bis 15 Meter pro Jahr benötigt werden. "Anfangs haben wir das Holz gekauft, aber 2009 und 2010 haben wir selbst zwei benachbarte Waldstücke erworben", erzählen Susanne und Rainer Vogel, die ihr Leben auf dem Ösel auch sonst perfekt und komfortabel eingerichtet haben: Durch eine Fachfirma wurde auf dem Grundstück eine ausgeklügelte Pflanzenkläranlage mit einem Dreikammer-Gruben-System für die Schmutzwasseraufbereitung angelegt, die Postzustellung erfolgt über ein Postfach in Göppingen, für die Zufahrt zum Anwesen brachte das Paar den Feldweg in Schuss und der fehlende Festnetzanschluss stellt im Zeitalter des Handys ebenfalls kein Problem dar.

Davon hätten Frieda und Heinrich Busch - die als Einsiedlerehepaar nahezu 30 Jahre in dem Häuschen lebten, bis sie Mitte der 70er Jahre verstarben - nur träumen können. Die neuen Bewohner entdeckten sogar noch Spuren dieser früheren Besitzer: Im Haus fanden sich Brettchen von Warenkisten, die vermutlich noch von den Einsiedlern stammen und zwei Gartenbänke sind noch vorhanden, welche die neuen Besitzer hegen und pflegen. Sicherlich verbindet die Bewohner auf dem Ösel aber eine große Gemeinsamkeit: "Man lernt im Rhythmus der Natur zu leben", sagt Rainer Vogel. Der Winter sei bisher jedoch die größte Herausforderung gewesen, erklärt Susanne Vogel, die mit ihrem Mann über einige erlebte Abenteuer in der kalten Jahreszeit berichten kann.

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