Grenzen waren vielen verschlossen

25 129 - hinter der Zahl steckt das Schicksal von Richard Frankfurter. Dem Häftling im KZ Dachau gibt die um lokale Aspekte erweiterte Wanderausstellung "Namen statt Nummern" Gesicht und Identität.

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Richard Frankfurter, Jahrgang 1911, lebte in der Nördlichen Ringstraße, arbeitete in der Buntweberei der Gebrüder Frankfurter als Textilingenieur. Er war einer jener 27 jüdischen Männer, die nach der Pogromnacht im November 1938 verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert worden waren. Dort war er nur noch die Nummer 25 129. In der Ausstellung "Namen statt Nummern" erhält er seine Identität, seine Geschichte, sein Gesicht zurück. Die internationale Wanderausstellung zeigt in der Göppinger Stadtkirche auch das Schicksal von Göppinger Juden. Die Initiative Stolpersteine Göppingen hatte die Lebensgeschichten der Männer recherchiert, die in Dachau für Wochen oder Monate interniert waren. Ludwig Schmidinger, Pastoralreferent und Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising, erläuterte bei der Eröffnung der Erinnerungsschau durch OB Guido Till, dass das KZ Dachau "das allererste große Lager" und das einzige war, das die gesamte NS-Herrschaft bis zur Befreiung am 29. April 1945 bestanden habe. Es war Modell- und Musterlager. "Von hier aus wurde das System des Terrors in alle anderen Lager getragen." Den Häftlingen "waren bewusst die Persönlichkeitsrechte entzogen worden". Jeder habe davon wissen können. Denn die Einrichtung des Lagers im März 1933 habe Himmler angekündigt - auch seinen Zweck. Insgesamt waren mehr als 200 000 Menschen in Dachau inhaftiert. Auf großen Bannern zeigt die Ausstellung ihren Lebensweg auf, berichtet von denen, die den Terror nicht überlebt haben und von denen, die fliehen konnten und weit weg von daheim ein neues Leben aufbauten. Richard Frankfurter war die Flucht nach Peru gelungen. Fritz Waser von der Stolperstein-Initiative berichtete, dass die Haftdauer auch davon abhing, ob die Inhaftierten ihre Vermögen dem Unrechtsstaat überließen. Viele wollten anschließend ausreisen. Aber wie heute waren den Verfolgten auch damals viele Grenzen verschlossen, ab Oktober 1941 gab es ein Ausreiseverbot, das den in Deutschland Verbliebenen keine Chance auf Rettung ließ. Waser ließ die damals 14-Jährige Margot Karp zu Wort kommen, die den Terror der Pogromnacht erlebte, die Angst um den Vater und die Flucht aus Deutschland. Bis heute erinnert sie sich an jedes Detail.

Info Ausstellungsdauer: täglich von 9 bis 17 Uhr (bis 17. November)

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