Gottesdienstbesuch unterm Durchschnitt

Was die evangelische Kirche im Landkreis angesichts der stetig zurückgehenden Kirchenbindung tun kann, thematisierte der Dekan Rolf Ulmer vor der Bezirkssynode.

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Dekan Rolf Ulmer: Es wird weniger Pfarrer geben.

Sterben die Christen aus? Mit dieser provozierenden Frage begann Dekan Rolf Ulmer seinen Jahresbericht vor der Frühjahrstagung der Evangelischen Bezirkssynode Göppingen. Nein, natürlich nicht, antwortete er gleich selbst. Dennoch müssten die Kirchen die seit Langem anhaltende Abwärtsentwicklung ihrer Mitgliederzahlen nüchtern in den Blick nehmen. Nur noch ein Drittel der deutschen Bevölkerung gehöre einer der evangelischen Kirchen an, ein weiteres Drittel der katholischen und ein Drittel verteile sich auf Konfessionslose und Angehörige anderer Religionen. Im Blick auf den evangelischen Kirchenbezirk Göppingen diagnostizierte Ulmer einen "weithin unterdurchschnittlichen Kirchenbesuch". Weniger als fünf Prozent der Gemeindemitglieder besuchten hier an einem normalen Sonntag den Gottesdienst.

Trotz des Mitgliederschwunds und der geringen Bereitschaft zum Gottesdienstbesuch gebe es andererseits aber eine starke Sehnsucht nach den Werten, für die die christlichen Kirchen stehen. Dies sei bei der Diskussion um die Kandidatenfindung für das Amt des Bundespräsidenten augenfällig deutlich geworden. "Die privaten Do-it-yourself-Religionen werden den Wertekodex nicht erhalten können, auf den unsere Gesellschaft angewiesen ist", warnte Ulmer.

Das von der evangelischen Landeskirche ausgerufene "Jahr des Gottesdienstes" wolle den Wert des Gottesdienstes als der Mitte des Gemeindelebens wieder neu ins Bewusstsein heben. Zu fragen sei aber, ob als Mitte des Gemeindelebens nicht statt einer bestimmten Veranstaltungsform wie dem Gottesdienst die Begegnung mit Jesus Christus herauszustellen sei. Diese Begegnung könne sich auf vielfältige Weise auch in anderen Angeboten des Gemeindelebens ereignen, findet der Göppinger Dekan.

Ulmer plädierte für eine stärkere Konzentration der Gemeindearbeit auf das Eigentliche, auf Seelsorge, Gottesdienst und Begleitung der Ehrenamtlichen. Der Kirchenbezirk lege derzeit einen Schwerpunkt auf die Stärkung der pädagogischen Arbeit in den evangelischen Kindergärten und die Einrichtung von Kinderkrippen für die Betreuung der unter Dreijährigen Kinder in Göppingen, Roßwälden, Eschenbach, Börtlingen, Rechberghausen, Holzheim und Eislingen.

Auch die Folgen der geringeren Mitgliederzahl sparte Dekan Ulmer in seinem Bericht vor der Bezirkssynode nicht aus. Mit abnehmenden Steuereinnahmen müssten im Be-reich der Evangelischen Landeskirche Württemberg bis zum Jahr 2030 40 Prozent der Pfarrstellen abgebaut werden. Für den Bezirk Göppingen bedeute dies, dass 2,75 Pfarrstellen in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2018 dem Sparzwang zum Opfer fielen. Wie dies umzusetzen sei, sei derzeit Gegenstand intensiver Beratungen in den Gremien des Bezirks. Er sei dankbar, dass der Diskussionsprozess um Rückbau und Sparmaßnahmen von allen Beteiligten in einer Atmosphäre der Sachlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens geführt werde.

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