Göppinger will den Kino-Olymp erobern Gian-Piero Ringel hofft auf Oscar mit "Pina"

Zum Film gekommen ist er per Zufall. Als Wim Wenders Produzent ist Gian-Piero Ringel mittlerweile auf den Roten Teppichen dieser Welt zu Hause. Morgen will der gebürtige Göppinger den Oscar für "Pina" holen.

|
Ein Filmplakat von "Pina". Der Film geht ins Rennen um den Oscar.

Er wird verehrt und umjubelt. Schon jetzt. Doch die Reise nach Hollywood könnte alles verändern. Am Mittwoch setzte sich Gian-Piero Ringel mit seiner Frau und der kleinen Tochter in den Flieger nach Los Angeles. Der 35-jährige Produzent, der aus Göppingen stammt, hofft auf seinen ersten Oscar. "Das ist eine riesengroße Ehre. Und es schwingt natürlich Ehrfurcht mit, denn das ist der wichtigste Teppich der Welt", sagte Ringel gestern Abend am Telefon im Gespräch mit der NWZ. Die Aufregung ist riesig - "vor einer Oscar-Verleihung haben sogar große Stars Lampenfieber. So abgebrüht kann man gar nicht sein".

Nominiert ist der in 3D produzierte Dokumentarfilm "Pina" - ein mitreißender, bildgewaltiger Streifen über die im Jahr 2009 verstorbene Wuppertaler Choreographin Pina Bausch. Ein Porträt über eine große deutsche Künstlerin von einem großen deutschen Regisseur: Wim Wenders. Nach dem Deutschen Filmpreis im vergangenen Jahr geht "Pina" nun ins Rennen um die begehrteste Trophäe des internationalen Filmgeschäfts.

Gian-Piero Ringel ist Wim Wenders Produzent und seit 2008 sein Geschäftspartner der Neuen Road Movies GmbH. Und nun ist Ringel auf dem besten Weg, endgültig den Kino-Olymp zu erklimmen. Dabei hatte der gebürtige Göppinger, der in Jebenhausen aufgewachsen ist, als Kind mit Filmen kaum etwas am Hut, berichtet seine Mutter Christa Ringel. "Aber er hat fantastisch gemalt und als Schlagzeuger in einer Band gespielt", erinnert sich die 77-Jährige, die vor einem Jahr aus dem Filstal weggezogen ist - in die Nähe von Berlin, wo ihr einziger Sohn zu Hause ist.

Das Abitur hat Gian-Piero Ringel am Göppinger Werner-Heisenberg-Gymnasium gemacht. Anschließend zog es den Halbitaliener - sein Vater kommt aus Palermo - zum Zivildienst in die sizilianische Metropole. Ein großer Vorteil damals für die Dreharbeiten des Roadmovies "Palermo Shooting" - ein existenzialistischer Thriller mit dem "Tote-Hosen"-Star Campino und Kino-Ikone Dennis Hopper. Der Roadmovie von Regisseur Wim Wenders nahm 2008 in Cannes am Wettbewerb des Filmfestivals um die Goldene Palme teil. Der 32-jährige Ringel fuhr auch damals mit ziemlichem Lampenfieber an die Côte dAzur.

Ohne Zweifel: Der Göppinger hat eine steile Karriere hingelegt - obwohl er durch einen Zufall in der Filmbranche landete: Auf einer Party lernte der junge Mann einst den Tübinger Sven Bohse kennen, der an der Filmakademie Ludwigsburg studierte und damals für ein Projekt einen dritten Assistenten suchte. Gesagt, getan: Einen Tag später saß Gian-Piero Ringel, der den Produzentenjob an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin gelernt hat, in einem Produktionsbüro. "Alle, die er kannte, waren beim Film", sagt Mutter Christa. Eine schwäbische Freundschaft, die nicht nur produktiv, sondern auch fruchtbar war: Im Jahr 2004 gründeten Ringel und Bohse eine eigene Produktionsfirma. Der gemeinsame Kurzfilm "Das Maß der Dinge" wurde 2006 für den Studenten-Oscar in der Kategorie "ausländischer Film" nominiert.

Wim Wenders beschrieb den jungen Macher einmal als "Fels der Zuversicht". Optimismus und ein gehöriger Schuss Gelassenheit sind wohl notwendig, um im Film-Zirkus zu bestehen - und Erfolg zu haben. Seine Mutter bescheinigt ihm zudem eine "unglaubliche Überzeugungskraft" - eine Eigenschaft, mit der ihr Sohn sie um den Finger zu wickeln weiß.

Ob der Wahl-Berliner Gian-Piero Ringel ("Göppingen ist und bleibt aber meine Heimat") auch Hollywood überzeugen kann, wird sich morgen Abend bei der Oscar-Verleihung herausstellen. Eine Prognose wagt der 35-Jährige nicht: "Abwarten und auf dem Teppich bleiben." Doch er macht kein Hehl daraus, dass die Enttäuschung groß wäre, würde er leer ausgehen. Seine Mutter wird auf jeden Fall mitfiebern. "Ich finde das toll, der Film gefällt mir sehr", sagt sie. Doch egal, ob ihr Sohn gewinnt oder nicht: Stolz wie Oskar ist sie allemal.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neuordnung der Sender von Unitymedia - Was ist zu beachten?

Am Dienstag, den 17. Oktober stellt Unitymedia seine Sender auf eine andere Frequenz um. Was kommt auf die Kunden in Baden-Württemberg zu? weiter lesen