Göppinger Tierpark im Wandel

Der Göppinger Tierpark ist einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Die Stadt will ihn erhalten. Im Interview spricht Tierparkleiter Heiko Eger über das Dilemma der Zukunftsplanung und mögliche Änderungen.

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Herr Eger, im Streit um den Tierpark werden Sie um einige Änderungen nicht herum kommen. Können Sie damit leben, dass Sie künftig nur noch einen Streichelzoo leiten, wie öfter prognostiziert wird?

HEIKO EGER: Ein Streichelzoo wird es nicht werden. Wir wollen weiterhin Terrarien und Aquarien haben. Auch Affen wollen wir weiterhin halten und viele andere Tiere, die man nicht streicheln kann. Einen Ochsenfrosch oder ein Gürteltier, Frettchen oder das Wasserschwein. Ich wüsste auch nicht, warum das nicht erlaubt sein sollte, wenn wir die Auflagen der Zoogenehmigung einhalten. Bei unseren Pavianen beispielsweise sind die Vorgaben der Zoogenehmigung erfüllt. Das kann jeder nachlesen. Unsere Nasenbären haben mehr Platz als die in der Wilhelma. Bei einem Streichelzoo mit Huftieren wären die Geruchsbelästigungen im übrigen eher größer.

Die Kritiker sagen aber, eine artgerechte Haltung der meisten Tiere, die jetzt hier leben, sei nicht möglich.

EGER: Da muss man sehen, was artgerechte Haltung bedeutet. Demnach dürfte kein Kind einen Wellensittich in einem kleinen Käfig haben oder eine reine Hauskatze, die nie raus darf. Wir werden die Vorgaben erfüllen. Man darf auch nicht nur auf die Käfig-Hülle schauen. Es kommt auch darauf an, ob die Tiere richtig versorgt werden.

Dennoch soll der Tierbesatz weiter reduziert werden. Was konkret hat sich schon verändert?

EGER: Wir haben das Wassergeflügel ziemlich reduziert. Wir hatten früher auch viel mehr Affen. Wir haben Papageien und Zwerghühner, die früh morgens Krach gemacht haben, abgegeben. Die Kamele sind weniger geworden. Der Puma ist gestorben, und der Panther ist jetzt schon sehr alt. Die natürliche Auslese spielt da eine Rolle. Das kann aber ein bisschen dauern.

Warum fällt es Ihnen so schwer, einfach einige weitere Tiere abzugeben?

EGER: Das ist oft schwierig. Mantelpaviane beispielsweise kriegen Sie in einem großen Zoo nicht unter. Auffangstationen sind oft überbelegt, weil sie Tiere von aufgelösten Zirkussen aufnehmen. Eine Abgabe an ein Versuchslabor oder an einen Tierhändler kommt für uns nicht in Frage. Im übrigen ist es auch untersagt, gesunde Tiere einzuschläfern.

Was sind die wichtigsten Veränderungen, die noch nötig sind, um die Vorgaben zu erfüllen?

EGER: Bei den Kapuzineraffen müssen wir etwas tun. Sie sollen ein viel größeres Gehege bekommen. Auch die Wasserfläche für die Flamingos wird sich um 20 Quadratmeter vergrößern. Das Emu wird mit den Kängurus in einem größeren Gehege vergesellschaftet. Auch das sind wieder nur Beispiele. Insgesamt werden wir einiges umstellen und verbessern.

Werden auch einige der samt und sonders ohne Genehmigung errichteten Käfige abgerissen?

EGER: Ja, im westlichen Bereich werden zwei Gehege weichen, die außerhalb der eigentlichen Tierparkfläche stehen. Der Ententeich wird zugeschüttet. Auch ein Schuppen am ehemaligen Eingang muss weg.

Warum nehmen Sie das alles nicht jetzt schon in Angriff?

EGER: Das Problem ist, dass wir den Bebauungsplan brauchen, um auf der sicheren Seite zu sein. Wir können es uns nicht leisten, zu investieren – und dann scheitert der Bebauungsplan doch noch vor Gericht. In der Situation finden wir auch keine Geldgeber. Das, was wir machen können, haben wir gemacht. Aber es gibt Unsicherheiten, beispielsweise wieviel Fläche des Geländes später wirklich bebaut sein darf.

Die Fronten zwischen den Anwohnern und Ihnen sind seit Jahren ziemlich verhärtet. Manche misstrauen Ihnen. Warum holen Sie nicht einen externen Berater ins Boot?

EGER: Wenn ich sehe, dass wir nicht weiterkommen, dann hole ich mir schon Rat. Beispielsweise in der Wilhelma. Da kenn ich schon genügend Leute. Die Anwohner sagen: Der Eger macht, was er will. Ich bin aber nur den Behörden gegenüber Rechenschaft schuldig. Den Nachbarn reicht es nicht, egal was wir machen.

Es gibt mehrere Gutachten zur Lärm- und Geruchsbelästigung des Tierparks. Die Stadtverwaltung arbeitet ja an der Zukunftssicherung mit. Was sieht deren Konzept vor?

EGER: Die Stadt wird zur Schickhardtstraße eine Lärmschutzwand bauen. Außerdem wird es einen Weg von der Schickhardtstraße zum neuen Eingang geben. Der Storzenbach wird um das Gelände herum geführt. Aber auch das geht natürlich nur mit Bebauungsplan. Bis dahin hängen wir in der Luft.



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