Göppinger Tierpark darf weiterleben

Die Entscheidung ist gefallen: Die Stadt Göppingen hat den Bebauungsplan für den Tierpark korrekt erstellt. Damit kann die Einrichtung aus der Grauzone geholt werden. Die eigentliche Arbeit beginnt erst.

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Der Bebauungsplan „Tierpark“ der Stadt Göppingen ist wirksam. Das hat der 8. Senat des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim in einem am Mittwoch verkündeten Urteil entschieden. Eine Anwohnerin hatte einen sogenannten Normenkontrollantrag gestellt – vorläufiger Höhepunkt eines seit Jahren tobenden Rechtsstreits. Die Frau fühlt sich von Lärm und Gestank aus dem Mini-Zoo gestört und glaubte, die Stadt habe im Bebauungsplanverfahren fehlerhafte Gutachten benutzt und die Standort-Alternativen nicht geprüft.

Die Klage wurde nun zurückgewiesen. Eine Revision wird nicht zugelassen. In der Urteilsbegründung des VGH heißt es, es sei aus städtebaulichen Gesichtspunkten nicht zu beanstanden, dass die Stadt den Tierpark am bisherigen Standort im Storzenbachtal erhalten wolle. „Für die angrenzende Wohnbebauung unzumutbare Lärm und Geruchsimmissionen sind nicht zu erwarten.“ Der Bebauungsplan solle ja gerade dazu dienen, Nutzungskonflikte zu vermeiden. Der Plan setze Höchstwerte für Geräusch und Geruch fest. Danach werde sich künftig die Art und Zahl der Tiere richten.

Bei Oberbürgermeister Guido Till löste das Mannheimer Urteil am Mittwoch Zufriedenheit aus. Damit hätten die Stadt und der Tierparkbetreiber endlich Rechtssicherheit. „Ich freue mich, dass der Tierpark für unsere Kinder erhalten bleibt.“ Ganze Generationen von Göppingern hätten im Storzenbachtal die Tierwelt kennengelernt. Nun könne der Verein, der die Einrichtung betreibt, loslegen und die Auflagen erfüllen. Das Urteil sei beileibe „kein Freifahrschein für den Tierpark“, stellte Till klar. Die Stadtverwaltung werde genau darauf achten, dass die Gehege und der Tierbestand in Zukunft den Richtlinien entsprechen.

Auch Heiko Eger, Chef des Trägervereins und Leiter des Zoos, weiß, dass nun die Arbeit erst beginnt. Denn weil die Gehege samt und sonders als Schwarzbauten errichtet und über Jahrzehnte nur geduldet wurden, muss nun noch eine wasserdichte Baugenehmigung her. Sechs Monate habe der Tierparkverein Zeit, diese Anträge für die Gesamtanlage einzureichen. In neun Monaten müssten die Anlagenteile abgebrochen sein, die außerhalb des Bebauungsplanbereichs liegen: zwei Ziegenställe und ein Anbau an die Gaststätte. „Alles das, was wir stehen lassen wollen, muss nachträglich genehmigt werden“, so Eger.

Außerdem werde die Naturschutzbehörde prüfen, ob die Tierhaltung mit der Zoogenehmigung in Einklang steht. Es sei durchaus möglich, dass sich der Tierbestand ändere, so Eger. So habe der Vorstand entschieden, sich von den Großsittichen zu trennen. Sie seien eine Lärmquelle. „Die Besucher sind uns sicher nicht böse, wenn wir stattdessen heimische Vögel halten.“ Dem 300 Mitglieder starken Verein stehe viel Arbeit ins Haus. Und eine finanzielle Belastung: 80.000 Euro habe der Tierparkverein derzeit zur Verfügung, berichtet Eger. Damit lasse sich aber Einiges erreichen, weil die Mitglieder zu sehr viel Eigenleistung fähig seien. Außerdem hofft der Tierpark-Chef auf mehr Firmen-Sponsoring.

Auch die Anwohnerin meldete sich am Mittwoch nach dem für sie verlorenen Verfahren zu Wort. Sie hätte sich „im Namen der Tiere“ einen anderen Ausgang gewünscht. „Tatsache ist, dass die Stadtverwaltung Göppingen den Tierpark massiv einschrumpfen lassen wird“, schreibt sie. „Dies wird aufgrund der Vorgaben der Zoogenehmigung, des neuen Säugetiergutachtens, sowie der Immissionsgrenzwerte unausweichlich bleiben.“ Wäre der Bebauungsplan für unwirksam erklärt worden, hätten die Betreiber die Chance gehabt, die Stadt in die Pflicht zu nehmen, um ein Alternativgrundstück zu bekommen, das den Ansprüchen der Tiere gerecht werde. „Somit hätte ein Tierpark geschaffen werden können, der diesen Namen auch verdient, und der sich aufgrund der Größe und Weitläufigkeit eines adäquaten Areals auch hätte ausdehnen können. Diese große Chance ist nun vorbei“, meint die Klägerin. Stadt und Verein hatten hingegen stets betont, ein Umzug sei nicht finanzierbar.

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