Göppinger Schulleiterin nimmt Abschied

Den Schülern wertfrei und offen zu begegnen sowie authentisch zu bleiben, lautet Prämisse Annemarie Schewes. Jetzt geht die Schulleiterin der Uhland-Realschule Göppingen in den Unruhestand.

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Annemarie Schewe freut sich auf den Ruhestand.  Foto: 

Nicht nur sechs Jahre, sondern gefühlte Jahrzehnte waren es, in denen Annemarie Schewe mit Glaubwürdigkeit, Jovialität und entscheidungsfreudiger Offenheit die Geschicke an der Uhland-Realschule leitete. Unter ihrer Obhut als Schulleiterin menschelte es auch und vor allem gegenüber den unbotmäßigen Schülern: "Ich schätze dich so wie du bist, aber was du tust, kann ich nicht akzeptieren", lautete ihre Devise.

Der Wunsch Lehrerin zu werden, keimte als zartes Pflänzchen schon in der Grundschule in ihr, erzählt die Schulleiterin der Uhland-Realschule. Nach dem Studium unterrichtete sie zunächst sieben Jahre an einer Essener Realschule. Die schwäbische Eisenbahn, genauer gesagt eine Anstellung bei Märklin, lockte Ehemann Werner aus Hessen ins Schwabenland.

Zwölf Jahre und vier Kinder später, nahm Annemarie Schewe 1994 in Geislingen wieder den Unterricht an der Daniel-Straub-Realschule auf und wechselte im Schuljahr 2002/03 an die Göppinger Schiller-Realschule. Ein halbes Jahr später war sie Konrektorin an der Uhland-Realschule, wo sie 2008 Rektor und Pensionär Manfred Hermenau ablöste.

Noch wenige Tage, dann heißt es Abschied von mehr als 600 Schülern und 45 Kollegen nehmen, aber mit dem Versprechen: "Wenns klemmt, sag ich nicht nein." Selbiges tat sie auch nicht zu den verbesserten Lehrer-Unterrichtszimmern - die Schüler kommen zum Lehrer und nicht umgekehrt -, zum Wagnis Mensa oder zur Gemeinschaftsschule. Letzteres vorausgesetzt, das Konzept werde mit fundierten Lehrer-Schulungen optimiert.

Wie viele ihrer Spezies, stürzt sich Annemarie Schewe voller Tatendrang in den Unruhestand. Als frischgebackene FWG-Stadträtin, will sie sich auch dort mit innovativen Ideen einbringen, Klartext reden und gewohnt authentisch bleiben. Ein treuer Begleiter ist seit Jahren die Musik. Im Aachener Konservatorium hat sie einst Cello spielen und lieben gelernt, Jahre später kam das Klavier hinzu. Körperlich fit hält sich die vielseitige Rheinländerin mit Tennis, Golf oder beim Spielen mit ihren vier Enkeln, alle noch unter drei Jahre. "Beim Frühstück endlich mal ausführlich die Zeitung lesen", freut sich die Pädagogin über kleine Annehmlichkeiten des frühmorgendlichen Nichtstuns.

Rückblickend stand für Annemarie Schewe neben erstklassiger Wissens- und Wertevermittlung, dem Mut, Neues zu wagen, Fehler offen einzugestehen stets der Mensch im Vordergrund. "Bei Problemen oder Wünschen, meine Tür stand sowohl für Schüler, als auch deren Eltern immer offen. Meine Lebenseinstellung ist seit jeher, zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder vielleicht erst sein wird", sagt Annemarie Schewe, die sich ferner nie davor scheute, das auszusprechen, was sie wirklich fühlte und dachte, und nicht das, was andere von ihr erwarteten.

Obwohl Langeweile zukünftig nicht das Thema ist, geht die beliebte Schulleiterin doch mit etwas Wehmut, sie werde sogar das breite Schwäbisch ihrer Schüler vermissen. So hat sie bis heute ihre erste "Schwäbisch-Lehrstunde" vor rund 20 Jahren nie vergessen. "Hen se en Bäbb", fragte sie einst in Geislingen ein Siebtklässler und mit ihrem ureigenen Humor erzählt sie, wie sie sich damals gefühlt habe: "Na, wie ein Depp", verstand sie doch die Frage nach dem Kleber nicht.

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