Göppinger Kammerorchester spielt Schubert, Mozart und Wilms

Zahlreiche Besucher in der Stadthalle hörten beim Herbstkonzert unter Wilfried Maier ein spritziges Horn-Konzert von Mozart mit Claudius Müller und eine selten gespielte Sinfonie von Wilms.

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Gelungene Sache: Das Kammerorchester Göppingen spielte ein Herbstkonzert wie aus einem Guss in der Stadthalle. Die Besucher hörten auch Musik des niederländischen Komponisten Johann Wilhelm Wilms.  Foto: 

Um es gleich vorneweg zu sagen: Das Programm des Herbstkonzerts in der Stadthalle war wie aus einem Guss und brachte trotzdem etwas Neues, das Göppinger Kammerorchester spielte mit einer erstaunlichen Präsenz und Dirigent Wilfried Maier konzentrierte sich auf klare Zeichengebung, die der Musik und seinen Musikern verpflichtet waren, ohne jegliche selbstdarstellerische Allüren, wie man es oft bei Orchesterleitern beobachten kann. Und der Erfolg stellte sich prompt ein: eine außerordentliche Klangschönheit, dynamisch feinste Abstufungen, detallierte Ausarbeitung des Textes, ohne den großen Bogen zu verlieren, ein homogener Bläserklang und kräftig zupackende Streicher mit singenden Tönen. Lediglich in den Piano-Passagen hätte man sich bei den Geigen zuweilen etwas mehr Glanz gewünscht.

Franz Schuberts C-Dur-Ouvertüre, die er im Alter von 20 Jahren komponiert hat, enthält schon den unerschöpflichen Reichtum an Melodien des Komponisten. Zu Beginn eigenständig Schubert, hört man tatsächlich den Italiener Gioacchino Rossini, denkt an seinen "Barbier von Sevilla" mit der ihm eigenen spitzbübischen humorigen musikalischen Charakterisierungskunst, stellt aber verwundert fest, dass es doch ein originärer Schubert ist. Schließlich hatte er ja nicht zu Unrecht behauptet, dass er es Rossini gleichtun könne.

Mit dem Solo-Hornisten am Staatsorchester Stuttgart hatte sich Wilfried Maier einen glänzenden Solisten und Partner fürs Horn-Konzert Nr. 4, Es-Dur, KV 495, von Wolfgang Amadeus Mozart geholt. Mit butterweicher kultivierter Tongebung, höchst variabel, sanglich und sauber bis ins Pianissimo, spielte er sich nie in den Vordergrund. So entstand zusammen mit der sensiblen und anschmiegsamen Begleitung des Orchesters eine gelungene Interpretation des Konzerts, die auch Dirigent Wilfried Maier zu danken war, die Zwiesprache von Horn und Orchester zuweilen mit Verve, aber immer beherrscht hörbar zu machen.

Nach der Pause stand ein selten gehörtes Werk des Beethoven-Zeitgenossen Johann Wilhelm Wilms (1772 bis 1847) auf dem Programm, der im Schatten des großen Meisters stand. Das Kammerorchester spielte von den sieben komponierten Sinfonien des Deutsch-Niederländers die vierte Sinfonie, c-moll, opus 23 mit einem Andante, einem Menuett und einem Rondo. Er habe seinen eigenen Stil gefunden und sei kompositionstechnisch, im Bereich Satztechnik, Melodik und Harmonik kein Epigone, sondern außergewöhnlich, sagte Wilfried Maier auf Nachfrage, warum er dieses Werk ausgewählt habe. Auch hier zeigten sich die Vorzüge und die Gesamtleistung des Orchesters: im Adagio ein großer Gestus, in den schnellen Passagen eine klare Strukturierung und in Modulationen sicher. Das Publikum dankte mit reichlichem Beifall und konnte sich über die Zugabe, das Trio aus der D-Dur-Sinfonie des Florentiners und Wahl-Parisers Luigi Cherubini (1760 bis 1842), freuen, in dem die Bläser dominieren durften.

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