Göppinger Baudezernent Renftle: "Wir bauen für die Bürger"

Am Dienstag tritt Göppingens neuer Baubürgermeister sein Amt an. Im Interview spricht Helmut Renftle über das viel geschmähte Göppinger Stadtbild und die Chance, dass es bald anders aussieht.

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Mit 63 auf dem Bürgermeisterstuhl: Von heute an ist Helmut Renftle der neue Baudezernent der Kreisstadt Göppingen. Zu seinen wichtigsten Zielen gehört, im Bahnhofsumfeld und auf dem Apostel-Areal Fakten zu schaffen.  Foto: 

Herr Renftle, Sie haben es sich ja im Bürgermeisterbüro schon ein bisschen gemütlich gemacht. Wie lange werden Sie denn hier sitzen?

HELMUT RENFTLE: Ich bin mit dem Einrichten noch nicht fertig, es wird noch funktionaler werden. Aber zur Frage: In fünf Jahren werde ich 68 Jahre alt und dann wird meine Amtszeit hier aus personalrechtlichen Gründen enden. Das deckt sich im übrigen mit der Legislaturperiode des neuen Gemeinderats.

Glauben Sie daran, dass es mit dem Bau eines neuen Verwaltungszentrums am Bahnhof in dieser Zeit wirklich etwas wird?

RENFTLE: Wir sind derzeit dabei, das Projekt "Rathaus II" vorzubereiten und wir werden es in der ersten Sitzung des Gemeinderats vorstellen. Es gibt auch bereits Untersuchungen zur räumlichen Situation der Verwaltung. Es geht darum, sechs derzeit in der Stadt verteilte Standorte außerhalb des Rathauses zu einem einzigen zusammenzuführen. Wir werden auch den Standortvorschlag für dieses Dienstleistungszentrum unterbreiten, nämlich am Bahnhof auf dem Platz der ehemaligen Güterhalle. Wir werden aber Alternativvorschläge machen, wie sich die Stadtverwaltung räumlich aufstellen kann, dazu gehört auch die Möglichkeit, die bestehenden Standorte zu sanieren und den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Ich hoffe aber, dass ich zum Ende meiner Amtszeit in das neue Rathaus II einziehen werde.

Das Bahnhofsumfeld wird immer wieder als eine der Gegenden zitiert, wo sich vieles verbessern soll. Hand aufs Herz: Ist da noch was zu retten?

RENFTLE: Ich bin sicher, dass der Bahnhofsplatz und das Bahnhofsumfeld zu einem Vorzeigeprojekt für die Stadt wird. Der Platz wird autofrei als Entree gestaltet, als innerstädtischer Platz. Das wird ihn deutlich aufwerten. Wir werden sowohl mit der Bahn als auch mit den Eigentümern der Post über Sanierungen sprechen. Das Gebäude Bahnhofstraße 6 gehört bereits der Wohnbau und wird saniert. Wenn wir dann dort noch einen modern gestalteten Verwaltungssitz bauen können, dann wird das ein sehr attraktiver Platz. Dort wird auch die Mobilitätszentrale mit dem Fahrradparkhaus und der Elektrotankstelle sein. Wir werden außerdem ein Carsharing-Projekt anstoßen.

Kritiker sagen ja, für die Tiefgarage unterm Bahnhofsplatz würden Millionen verbuddelt, die die Stadt nie wieder reinholen kann. Stimmt das?

RENFTLE: Ich bin sicher, dass die Tiefgarage von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Das zeigen die Erfahrungen mit der Marktplatz-Garage. Am Bahnhof wird die Garage Teil des Gesamtkonzeptes. Es gibt in der Bahnhofsgegend sehr viele Kurzparker, dafür müssen wir eine Lösung finden. Das kann unserer Ansicht nach nur eine eingeschossige Tiefgarage sein.

Göppingen hat ja auch bei vielen eigenen Bürgern den Ruf, städtebaulich verhunzt zu sein? Was haben Sie dem entgegenzusetzen?

RENFTLE: Göppingen erschließt sich dem Betrachter nicht von vorneherein wie Städte mit mittelalterlicher Altstadt. In Göppingen braucht man etwas länger, um das Gesamtkunstwerk zu erkennen, nämlich die klassizistische Altstadt, die ein Gesamtensemble darstellt. Es geht darum, diesen Rastergrundriss und die klare und zurückhaltende Bebauung erlebbar und begreifbar zu machen.

Wie?

RENFTLE: Wir werden zum einen eine Gestaltungssatzung erlassen, um künftige Bausünden zu vermeiden und wir werden einen Gestaltungsbeirat einsetzen, der mit vier international anerkannten Architekten und Stadtplanern besetzt sein wird und stadtbildprägende Bauvorhaben beurteilt.

Das Einkaufszentrum Bleichstraße kommt seit einigen Jahren nicht über die Planungsphase hinaus. Glauben Sie noch daran?

RENFTLE: Ich hoffe es sehr. Wir werden alles tun, damit der jetzige Entwurf auch zeitnah umgesetzt wird. Wir sind in engem Kontakt mit den Investoren und werden nun mit dem Ausbau der östlichen Poststraße beginnen und damit ein Zeichen setzen, dass es voran geht.

In Göppingen wird viel diskutiert, aber letztlich wenig wirklich gebaut. Wie können Sie das ändern?

RENFTLE: Das ist mein erstes Ziel: Die Projekte, die anstehen, sollen zeitnah verwirklicht werden. Ich glaube, dass wir es nun mit einer sehr konzentriert arbeitenden Verwaltungsspitze und mit Hilfe des Gemeinderats schaffen, dass sich das Stadtbild in den nächsten fünf Jahren zum Positiven verändert.

Dürfen die Bürger mitreden?

RENFTLE: Das dürfen sie schon heute. Wir haben das Forum Innenstadt eingerichtet und Runde Tische zu vielen Themen veranstaltet, auch in den Stadtbezirken. Das wird ein Schwerpunkt bleiben. Man muss die Bürger mitnehmen, denn wir bauen letztlich für die Bürger.

Eine spannende Frage ist ja auch: Wer soll über das Stadtbild bestimmen: Die gewählten Lokalpolitiker oder die Investoren, ohne deren Geld es nicht geht?

RENFTLE: Das wird spannend bleiben. Wir werden sehen müssen, dass wir eine Stadt sind, in der sich Investoren wohl fühlen und Geld ausgeben, andererseits müssen das Stadtbild und das Stadtgefüge stimmen. Das ist immer eine Gratwanderung. Wir müssen dafür sorgen, dass der Ausgleich zum beiderseitigen Vorteil ist. Ein Beispiel ist das geplante Technologiezentrum der Firma Schuler. Da haben wir den zweiten Entwurf, der uns sehr gut gefällt. Qualität ist ein ganz wesentliches Element, das wir mit diesen Instrumentarien fördern wollen.

Im Apostel-Areal ist vor allem der Erhalt des Hotels umkämpft. Geben Sie dem noch eine Chance?

RENFTLE: Ich kann die Meinung vieler Göppinger nachvollziehen, die in dem Hotel auch ein Stück Stadtgeschichte sehen. Wir werden das Thema sicher mit dem dortigen Investor weiterbearbeiten, inwieweit ein Erhalt des Gebäudes möglich wäre.

Die städtische Wohnbau treibt die wichtigsten Projekte voran, waltet aber weitgehend nach eigenen Vorstellungen. Wird das so bleiben?

RENFTLE: Die Wohnbau ist ein ganz wichtiges Instrumentarium der Stadtentwicklung. Ich stimme mich in regelmäßigen Gesprächen mit dem Geschäftsführer Volker Kurz ab und bin sehr zuversichtlich, dass wir ausgewogene Lösungen bekommen werden.

Göppingen hat verglichen mit den Nachbarkommunen zu wenig Wohnbauland, aber zu viele Industriebrachen. Ein Dilemma?

RENFTLE: Das ist ein sehr großes Problem. Ich werde die Baulandentwicklung zu einem Schwerpunkt-Thema machen. Wir leiden alle im Verdichtungsraum unter dieser Flächenknappheit. Wir brauchen mittelfristige Perspektiven, um für Familien, die hier her ziehen wollen, Flächen anbieten zu können. Aber auch für Gewerbeansiedlungen. Ich fürchte, dass wir ein Problem bekommen, wenn alle Flächen im Stauferpark verkauft sind. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Sie haben also viel vor. Dazu braucht es auch den Rückhalt des Oberbürgermeisters. Ihr Vorgänger war bei Guido Till aber völlig abgemeldet. Was macht Sie sicher, dass es Ihnen anders ergeht?

RENFTLE: Wir arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen und haben schon seit meiner Wahl zum Baubürgermeister einmal wöchentlich eine Runde eingeführt, in denen Herr Till, Frau Zull und ich uns zu wichtigen kommunalpolitischen Themen der Zukunft abstimmen. Und aus diesen Erfahrungen bin ich sicher, dass wir uns künftig sehr gut aufstellen werden.

Sie waren bisher der Tiefbau-Experte der Stadt. Können Sie auch städtebaulich Akzente setzen?

RENFTLE: Ich hoffe, dass ich das schon bisher getan habe, etwa in der Neuen Mitte und aktuell am Schlossplatz. Ich komme ja vom Städtebau. Und wir haben eine sehr gute Mannschaft im Baudezernat mit Architekten und Stadtplanern. Es gilt jetzt, diese Mitarbeiter entsprechend zu führen und zu motivieren.

Nennen Sie doch drei Projekte, die in Ihrer Amtszeit auf jeden Fall verwirklicht werden.

RENFTLE: Der Bahnhofsplatz, das Apostel-Areal und, ich hoffe, das zweite Rathaus.
 


Zur Person vom 1. Juli 2014

Helmut Renftle (63) ist in Geislingen geboren und aufgewachsen. Er studierte Stadtbauwesen in Stuttgart und Aachen, begann nach der zweiten Staatsprüfung als Regierungsbaumeister am Regierungspräsidium Stuttgart und arbeite als Planer bei der Region Stuttgart, bevor er im Jahr 1993 nach Göppingen kam. Renftle wohnt mit seiner Frau Anneliese Hermes in Oberwälden, er hat eine Tochter.

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