Göppingen feiert Europameister Arslan

Die Kulisse war großartig, die Titelkämpfe von höchstem Niveau und tief in der Nacht Lokalmatador Firat Arslan als Europameister der gefeierte Held. <i>Mit Kommentar und Bildergalerie.</i>

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Klarer Sieger im EM-Kampf von Göppingen war der Donzdorfer Cruisergewichtler Firat Arslan.  Foto: 

20 Minuten nach Mitternacht stand die EWS-Arena Kopf, Lokalmatador Firat Arslan war im überfüllten Ring nicht mehr auszumachen, Fotografen, Kameraleute, wilde Fans und nicht zuletzt die  Mitglieder seines Teams verschluckten förmlich den neuen Europameister des Verbandes WBO im Cruisergewicht. Zwölf Runden lang war der Donzdorfer Boxprofi wenige Tage vor seinem 46. Geburtstag nach vorn marschiert, hatte mit Tempo und Schlagvarianten aufgewartet, wie es viele jüngere Faustkämpfer nie hinbekommen werden, und strahlte am Ende mit seinem Umfeld wie ein Zimmer voller Erstklässler nach dem Erhalt der vollgepackten Schultüte. Arslans einstimmiger Punktsieg über den Wahl-Schweizer Nuri Seferi war der perfekte Schlusspunkt einer hochkarätigen Box-Veranstaltung, die Fans aus dem gesamten süddeutschen Raum und der Schweiz an die Fils gelockt hatte. Botox-Sternchen auf hohen Sohlen und Hells-Angels-Kuttenträger saßen genauso nah am Ring wie die Box-Heroen René Weller, Axel Schulz und Luan Krasniqi, der seinen Freund Firat lautstark unterstützte.

Die Kulisse der knapp 4000 Zuschauer war beim Hauptkampf in annähernd so bestechender Form wie die Kämpfer, albanische Flaggen für Seferi hielten sich die Waage mit den deutschen und türkischen  Fähnchen, die der Arslan-Anhang verteilt hatte. Der Donzdorfer hatte sich als Mitveranstalter  des Abends mit dem rhythmisch-folkloristischen türkischen Volkslied „Dombra“ für eine neue Einmarsch-Musik entschieden und ließ vor der ersten Runde erstmals die türkische und die deutsche Nationalhymne spielen. „Ich konnte Einfluss nehmen und wollte auch meinen türkischen Fans gerecht werden, die stolz auf mich sind“, erklärte Arslan spät in der Nacht – selbst stolz darauf, einen tollen Kampf abgeliefert und dem Publikum über seinen eigenen Auftritt hinaus eine schöne Box-Veranstaltung serviert zu haben. Hatte der stolze neue Besitzer des EM-Gürtels also allen Grund zum Strahlen, tat dies auch Promoter Erol Ceylan. „Das war ein gelungener Kampfabend und eine Riesenwerbung fürs Boxen, ein voller Erfolg“, freute sich der Hamburger und versprach spontan:  „Wir werden wieder nach Göppingen kommen.“

Ein Kommentar von Harald Betz: Volltreffer!

Als echter Vollltreffer geht die Box-Gala vom Samstag in der Göppinger EWS-Arena in die Geschichte der Hohenstaufenstadt ein. Den Veranstaltern Erol Ceylan und Firat Arslan, zugleich Zugpferd und zu später Stunde erfolgreicher Hauptakteur des Abends, gilt es zu bescheinigen, an der Fils eine erstklassige Veranstaltung aufgezogen zu haben, die vom sportlichen Wert den Vergleich mit Box-Abenden in den großen Metropolen Hamburg oder Frankfurt nicht scheuen muss. Das Programm mit zwei ehemaligen Klitschko-Kontrahenten und einem Olympiasieger hielt hohen Ansprüchen stand, speziell die drei Titelkämpfe mit den Siegern Karo Murat, Manuel Charr und eben Lokalmatador Arslan servierten großen Box-Sport, was dieser zuletzt selten im hellen Licht stehenden Disziplin gut tut. Zu stark hatten in den vergangenen Jahren zwei vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen getragene Box-Ställe die deutsche Profi-Szene gesteuert, heftig umstrittene Urteile Athleten und Fans den Spaß am Faustkampf genommen – nicht zuletzt Firat Arslan sah sich immer wieder um den Lohn seiner Arbeit gebracht. Faire Entscheidungen unabhängiger Richter sind aber wie in jeder Sportart Grundlage für den Fortbestand und die Attraktivität der Branche. Allein schon deshalb hat Firat Arslan jetzt noch einmal die Chance auf einen Weltmeisterschaftskampf verdient – er und natürlich seine Fans, auch wenn Göppingen dafür dann wohl eine Nummer zu klein wäre.

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