Göppingen arbeitet an Ausbaustrategie für schnelles Internet

Drei von vier Göppingern haben schon ein schnelles Internetangebot. Damit liegt die Stadt genau im Landesdurchschnitt. Die Stadträte wollen Tempo machen. Der weitere Ausbau wird aber kompliziert.

|

Wie steht es um die Breitbandanschlüsse der Göppinger Haushalte und Unternehmen? Laut einer Erhebung haben 76 Prozent der Haushalte eine Versorgung mit 25 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) oder mehr. Allerdings fällt die Leistung in manchen Stadtbezirken deutlich ab. Außerdem handelt es sich um theoretisch erreichbare Leistungen, der tatsächlich erreichte Datenfluss ist zeitweise deutlich geringer.

Jetzt will die Stadt ein Erschließungskonzept entwickeln, um auch für die restlichen Haushalte wenn möglich diese Datenrate beim Download zu erreichen. Denn über die Bedeutung eines schnellen Internetanschlusses als Standortfaktor für Wirtschaftsunternehmen und als Zuzugsfaktor für Privatleute waren sich die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung einig. Michael Freche (Piraten) meinte, die Stadt müsse als Industriestandort die nötige Bandbreite genau so selbstverständlich zur Verfügung stellen wie Straßen. Armin Roos (SPD) forderte, auch den restlichen 24 Prozent der Bevölkerung dürfe ein Internetanschluss mit brauchbarer Leistung nicht vorenthalten werden.

Flächendeckende Versorgung

Die Beurteilung über die Zahlen gehen allerdings auseinander. Im Gemeinderat musste sich die Stadtverwaltung jedenfalls zunächst Kritik anhören, als die Werte präsentiert wurden. Wolfgang Berge (FWG) schimpfte: "Wir in Bartenbach kommen über zwei Mbit/s nicht hinaus." Volker Allmendinger (CDU) urteilte: "Wir sind deutlich zu spät dran. Da wurde schlicht und einfach geschlafen." Das wollten Baubürgermeister Helmut Renftle und Oberbürgermeister Guido Till nicht auf sich sitzen lassen. "Wir fangen ja nicht bei Null an," erwiderte Renftle. In Zusammenarbeit mit den Anbietern sei schon Einiges erreicht worden. Es gehe jetzt um flächendeckende Versorgung. In Neubaugebieten seien die nötigen Leerrohre seit Jahren obligatorisch.

Tatsache ist: Die Stadt liegt mit der von den Gutachtern ermittelten Breitbandabdeckung genau im Durchschnitt des Landes, wie Dr. Waldemar Weiss von der Firma Breitbandberatung Baden-Württemberg erläuterte. Das Unternehmen soll nach der Ermittlung der Ist-Situation auch die Ausbau-Strategie für die Stadt erarbeiten.

Viele technische Varianten möglich

Das wird allerdings etwas komplizierter. Denn die für kommerzielle Netzanbieter lukrativen Gebiete sind abgedeckt. Für die Firmen stelle sich also die Frage, ob das Kundenpotenzial in einem entlegenen Wohn- oder Gewerbegebiet den jeweiligen Aufwand wirtschaftlich rechtfertige. Beim weiteren Ausbau sind viele technische Varianten möglich, die eine Verbesserung bringen. Die Technologie der Zukunft liege jedoch schlicht und einfach in der Glasfaserleitung, so Waldemar Weiss. Diese Kabel bis zu den Verteilerkästen oder gar in jedes Haus zu verlegen, koste aber enorm viel Geld. Mit etwa 100 Euro pro Meter bezifferte Weiss die Kosten. Lediglich größere Unternehmen seien bereit, diese Kosten zu tragen.

Deshalb habe die Breitbandberatung für alle Einzelgebiete die Kundenpotenziale für den weiteren Netzausbau auf Grund von Erfahrungswerten ermittelt (siehe Kasten). Dabei wurden die vorhandene Übertragungsqualität und die Bevölkerungsstruktur einbezogen. Anfang nächsten Jahres soll die Ausbaustrategie mit den dringlichsten Gebieten präsentiert werden - in Zusammenarbeit mit den Anbietern.

Denn eines machte Oberbürgermeister Guido Til klar: Die Stadt Göppingen sei bisher bewusst nicht in die Rolle eines Breitband-Dienstleisters geschlüpft. "Das muss ein Unternehmer abwägen, ob er investieren will." Eine komplette Abdeckung mit Internet der höchstmöglichen Leistungsstufe werde die Stadt nie bieten können. Allerdings versprach Till auch: "Wir werden nicht locker lassen."

Die Gebiete mit den größten von den Gutachtern errechneten Kundenpotenzialen für weiteren Breitband-Ausbau (nach Zahl der Haushalte):

 

Ein Kommentar von Arnd Woletz: Dran bleiben

Willkommen in der Zukunft: Auch in Göppingen ist das schnelle Internet jetzt ein Thema für die Lokalpolitik. Das ist auch richtig. Eine Kommune, die sich vorgenommen hat, Unternehmen und Einwohner anzulocken, darf die Hände nicht in den Schoß legen und den Netzausbau nur den Telekommunikationsfirmen überlassen. Das zeigen viele andere Beispiel aus dem Landkreis. Dran bleiben, heißt die Devise. Der Nachholbedarf ist groß. In der Wirtschaft können an hohen Datenraten beim Hoch- und Herunterladen wirtschaftliche Existenzen hängen. Allerdings gilt auch: Zum Nulltarif ist ein schneller Anschluss vor allem an der Peripherie meist nicht zu haben. Dennoch ist das Geld gut investiert. Die Prognose setzt sich durch, dass das Turbo-Netz in einigen Jahren genauso selbstverständlich zur Ausstattung eines Gebäudes gehört wie ein Wasseranschluss. So weit ist es aber noch nicht. Denn offenbar ist nicht jeder der 8800 Haushalte, die derzeit in Göppingen mit schlafmützigen Geschwindigkeiten von weniger als 25 Mbit/s surfen, an einer Aufrüstung interessiert. Auf 4000 Anschlüsse quantifizieren Experten das Potenzial der weiteren Beschleunigung in der Stadt. Das wird aber noch mehr werden. Mit den milliardenschweren Programmen aus Brüssel und Berlin, die vor Ort in die richtigen Bahnen gelenkt werden, kommen irgendwann auch entlegene Häuser und Betriebe in der Zukunft an.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hang in Albershausen rutscht in Baugrube

Schäden an Häusern und Grundstücken: Das Landratsamt stoppt Bauarbeiten in Albershausen. Anwohner hatten frühzeitig vor dem Rutschhang gewarnt. weiter lesen