GLOSSE: Draußen im Gletschereis

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Die  Klima-Katastrophe lässt sich gar nicht mehr aufhalten. Noch bis Samstag wird sie auch in der Hohenstaufenstadt wüten. Die Meteorologen haben erste Kältewarnungen herausgegeben.  „Wir wollen die Eisbären sehen“ hatte es noch am Heiligen Morgen aus den  einschlägigen Partylokalen gegrölt und jetzt haben wir den Eissalat. Während wir diese Zeilen schreiben, kriecht uns die Kälte die Hosenbeine hoch und wir wissen nicht, ob wir diese Kolumne jemals zu Ende bringen werden. Die letzte Eiszeit liegt gerade mal fünf Jahr zurück. Damals waren Heerscharen von Kollegen unterwegs, um den Menschen draußen im Gletscher-Eis das wahre Ausmaß der Katastrophe zu vereiszapfen. Damals ging es auch in Göppingen nur noch um das nackte Überleben. So wird es wieder kommen.

Eisige Temperaturen von bis zu minus 15 Grad sind angesagt und wir sind uns sicher, Sie, der Sie da behaglich am Frühstückstisch  sitzen, werden Ihr eiskaltes Wunder erleben. Passen Sie auf, dass Ihnen das  Lächeln über diese Zeilen nicht gefriert. Das Sturmtief Axel war erst ein Vorgeschmack. Schlagzeilen wie „Deutsch-Pflicht für Bayern-Spieler“ oder „Griechen schulden Staat 94 Milliarden Euro“ werden von der Schneewehe einfach weggepustet. Allenfalls die eisigen Grüße von Seehofer an die Kanzlerin schaffen es noch auf die Titelseite. Der Winter-Wahnsinn wird kommen und wir werden die Eisbären sein, keine Frage. Wer im Freien arbeiten muss, ist auf  der Flucht – nicht vor der Kälte, aber vor den Tausenden und Abertausenden von Lokal-Journalisten, die noch keine Kälte-Reportage geschrieben haben. Meteorologen können kaum mehr ihrer Arbeit nachgehen, weil sie ständig zu irgendwelchen Not-Einsätzen in Talkshows gerufen werden.

Die Betroffenheits-Gagen für Menschen, die in der Kälte leben, werden ins  Unermessliche steigen.Auf der Jagd nach authentischen Kältebildern haben Sendewagen der TV-Anstalten einen winterfesten Zwangs-Jogger in Göppingen umstellt.  Kälteschock diagnostizierten die entsetzten Fernsehjournalisten, weil der sich von den Minusgraden nicht abhalten ließ. Ohne eine handfeste Sibirien-Story kann in kalten Tagen wie diesen kein Sender mehr überleben. Auch die Boulevard-Medien holen den Frost-Schmutz raus. Bitterkalt soll es heute sogar im beschaulichen Göppingen sein. Dutzende von Journalisten harren an der Kaltfront aus, um über die winzigsten Temperaturschwankungen livetickernd zu berichten. Auch die soziale Kälte hat einen  Tiefstpunkt erreicht. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren wurde   ein Wissenschaftler wegen des wiederholten öffentlichen Leugnens der  Klima-Katastrophe brutal aus der Stadt gejagt. Was er allen Ernstes behauptet hat? Es ist halt Winter.

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