Glaube sollte praxisfähig sein

Als habe jemand Mäuschen gespielt im Hause Martin Luthers: Mit den "Tischreden Katharina Luthers" zeichnet Schauspielerin Elisabeth Haug in der Geislinger Stadtkirche ein feinsinniges Gedankenspiel.

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So könnte es gewesen sein: die "Tischreden der Katharina Luther" beleuchten Gespräche zwischen der ehemaligen Nonne Katharina von Bora und ihrem Gemahl Martin Luther. Allerdings nur die "weiblichen" Parts der Dialoge.

Die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug nahm am Sonntag in einem Kammerspiel in der Geislinger Stadtkirche das Buch "Wenn du geredet hättest Desdemona - ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" von Christine Brückner zur Vorlage, um in die Rolle Katharina Luthers zu schlüpfen. Etwa 150 Besucher lauschten den Monologen und Gedanken der Ehefrau des berühmten Reformators.

Katharina Luther zeigt sich als liebevolle und kluge Gattin, die ihrem "Martinus" auf Augenhöhe begegnet. Seine Thesen, Predigten und Lieder kennt sie auswendig und setzt sich aus weiblicher Sicht, vor allem praxisorientiert, mit deren Inhalten auseinander. Er predige Armut, hält sie ihm vor, sie aber müsse damit klarkommen, ohne wirtschaftlichen Rückhalt jeden Tag 30 bis 40 Menschen an ihrer Tafel bewirten zu müssen.

Wenn Katharina Luther ihre Gedanken und Zweifel formuliert, finden sich viele der Stadtkirchen-Besucher darin wieder. "Um Frieden muss man ringen", stellt sie einmal fest, "jeden Morgen muss man neu anfangen mit den guten Vorsätzen - und dann reichen sie doch wieder nicht bis in den Abend"

Während die Hausfrau in dem Ein-Frau-Stück beschäftigt ist mit Aufräumen, Geschirr abreiben und Kerzen anzünden, sinniert sie über die Thesen ihres Gatten: "Du betest für den Nachbarn - gut. Aber er braucht auch eine gute Suppe und frische Luft in seinen Zimmern".

Katharina Luther setzt die Gedanken Martin Luthers nicht außer Kraft, sondern überträgt sie nüchtern und realistisch auf ihren Alltag. "Beides hat seine Berechtigung", macht sie deutlich, die Art ihres Mannes, sich gedanklich mit der Theorie auseinanderzusetzen und ihre eigene Weise, diese Weisheiten praxistauglich zu machen.

"Ich bin Martha und Maria zugleich", erklärt sie ihm, "ich höre Gott auch in der Küche!"

Das Wort allein sei zu wenig, die Tat allein sei zu wenig: "Deshalb leben Mann und Frau beieinander", zieht die kluge Frau ihr Fazit.

Das Publikum in der Stadtkirche war begeistert, auch von der unter die Haut gehenden Singstimme Elisabeth Haugs. Sowie vom Gitarrenspiel Peter Bernreuthers, der die einzelnen Szenen mit seiner Musik auflockerte.

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