Gewaltige Klänge aus dem Dudelsack

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Ein Eliteensemble wie Cara bleibt nicht bei Traditionellem stehen, sondern wagt auch Schritte ins Neuland. Nachdenklich stimmte etwa das Lied von Gudrun Walther „Isn’t Time to be Worried?“.  Foto: 

The Hottest Irish Music Band“ – dieses Kompliment aus Fachkreisen begleitete die Band „Cara“ (Gudrun Walther, Gesang, Fiddle, Akkordeon; Kim Edgar, Gesang, Klavier; Hendrik Morgenbrodt, Uillean Pipes; Jürgen Treyz, Gitarre, Dobro; Rolf Wagels, Bodhrán) bei ihrem Konzert auf Schloss Filseck. Dabei stammt kein Mitglied aus Irland.

Eine Irish Band spielt von Haus aus nicht vor einem Konzertpublikum, sondern in einem Pub oder einer leergeräumten Scheune, um Menschen zum Tanzen zu bewegen und damit diese in Balladen singend erzählen können, was sie bewegt. Rhythmus und Emotion! Auf Schloss Filseck wurde ab und zu mitgeklatscht, besonders nach Aufforderung, aber sonst saß das Konzertpublikum in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Innenhof („Kampfbestuhlung!“) andächtig lauschend vor der Bühne.

Alle Musiker der Band sind Meister ihres Fachs, die bei jedem Tanz aufs Ganze gehen. Die Fiddle spielt unentwegt in rasendem Tempo gewagteste Läufe, der Dudelsack entlässt gewaltige Klänge aus seinen Pfeifen und Klavier, Gitarre und Bodhrán liefern den mitreißenden Rhythmus. Die Tänze dienen an sich nur dazu, die Menschen zum Tanzen zu verführen. Da kommt es nicht auf Originalität und Abwechslung an.

Cara bot ihrem Publikum mehr und vermied dadurch weitgehend das Gefühl, dass sich das Ohr durch Wiederholungen auch einmal „satt“ hört. Der fürs „Gebläse“ zuständige Hendrik Morgenbrodt steuerte mit irischer Metallblockflöte und Querflöte weicheren Klang bei, die Gitarre wechselte bei passender Gelegenheit zur kräftigeren Dobro, die Fiddle wurde durch ein ebenso flott traktiertes Akkordeon abgelöst und das Klavier legte den kräftigen Bass vor.

Um den Zuhörern einzuheizen, steigerte Cara immer wieder Lautstärke und Tempo, ohne an Lockerheit einzubüßen. Man konnte sich gut vorstellen, dass im Pub nicht nur das Bier trance-ähnliche Zustände erzeugte.

Die andere Säule der Irish-Folk-Music kam aber auch nicht zu kurz. Zu Herzen gehende, zarte Liebeslieder, gesungen von Gudrun Walther, beeindruckten ebenso wie die blutigen Moritaten. Dafür war die mit schwarzem Humor gesegnete Pianistin und Sängerin Kim Edgar zuständig. Das blieb nicht ohne Wirkung, besonders als in der Abenddämmerung obendrein auch noch die Fiddle in blutrotes Scheinwerferlicht getaucht wurde.

Ein Eliteensemble wie Cara bleibt schließlich nicht bei Traditionellem stehen, sondern wagt auch Schritte ins Neuland. Nachdenklich stimmte das Lied von Gudrun Walther „Isn’t Time to be Worried?“. Dabei bewegte sich die Band zum Blues hinüber. Cara hatte sein Publikum gewonnen und wer weiß, wenn sie nicht schon am nächsten Morgen wieder einen Auftritt gehabt hätten, dann wäre das gesittete Zuhören vielleicht doch noch in allgemeines Tanzgewühl umgeschlagen.

Erweiterung Neben den klassischen Instrumenten Klavier, Gitarre und Akkordeon erweitert eine Irish Folkband ihr Klangspektrum mit weiteren Instrumenten. Vier Beispiele:

Uilleann Pipes (Ellenbogenpfeifen) Der irische Dudelsack mit Blasebalg und dreierlei Pfeifen: gleichbleibende Bordunbässe, Melodiepfeifen, Pfeifen für Begleitakkorde – etwas für Multitasker.

Fiddle Klassische
Geige, die durch eine spezielle Spielweise direkter klingt und die hoch­virtuose Tanzfiguren ­ermöglicht.

Bodhrán Mit Ziegenhaut bespannte Rahmentrommel, geschlagen mit einem zweiköpfigen Schlägel (ursprünglich ein Knochen); starker, sonorer Klang.

Dobro (Resonanzgitarre) Eine Bluesgitarre, bei der die Saiten auf einem „Resonator“ liegen, um durch ein größeres Klangvolumen mit den anderen Instrumenten mithalten zu können (vor der Erfindung des elektrischen Verstärkers).

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