Gesucht: Ein Song für Uhingen

Es ist nicht unser Song für Malmö, aber immerhin für Uhingen. Doch auch der muss zuerst einmal gekürt werden, das ist jetzt im Internet möglich. Drei Bewerber sind noch im Rennen.

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Ist's das vom Sänger beschworene U von Uhingen oder eher das vom Uditorium? Wer ist das U überhaupt?  Foto: 

Es ist das derzeit bestgehütete Geheimnis im Uhinger Rathaus: Welche Interpreten verbergen sich hinter den drei Liedern, die auf der Homepage der Stadt zur Abstimmung stehen? Gesucht wird das „Uhinger Lied“. Neun Kompositionen wurden eingesandt, eine fünfköpfige Jury unter Leitung von Bürgermeister Matthias Wittlinger hat drei Songs ausgewählt, die den Bürgern – genauer gesagt, der gesamten Internetgemeinde – zur Auswahl gestellt werden. Noch bis 5. Mai kann auf www.uhingen.de abgestimmt werden, die Lieder und der Siegertitel werden am 11. Mai beim „Uhinger Kultur-Weg“ vorgestellt.

Doch wer die Werke spielt und singt, erfahren die Surfer nicht. „Wir wollen einfach über das Lied abstimmen lassen und nicht über die Person“, erläutert Martina Bartos vom Uhinger Agenda-Büro. Während die Bevölkerung nun die Möglichkeit hat, sich die Lieder anzuhören, hatte es die Jury ungleich schwerer. Denn es gab noch keine Aufnahmen. „Wir haben selber gesungen“, sagt Bartos. Wie bitte? „Die Jury hat nur Noten und Texte gehabt, wir haben uns aber Unterstützung von Musikprofis geholt.“

So hat die singende Jury also entschieden, dass folgende drei Titel ins Rennen ums Uhinger Lied gehen: Die Startnummer 1 trägt „Wir sind das U von Uhingen“. Jetzt ist zwar nicht genau bekannt, was uns der noch unbekannte Texter damit sagen will, sicher aber möchte er niemandem ein X für ein U vormachen. So intoniert der Sänger zur Klampfe auf hochdeutsch: „Wir sind das U von Uhingen, seit 1500 Jahr’n; wir sind das U von Uhingen, und werden immer weiter singen.“ Das tut er auch für exakt zwei Minuten und 56 Sekunden. Aus dem Lied zur Wandergitarre wird im Laufe der Strophen ein Calypso-ähnlicher Karibik-Song.

„Uhingen, geliebter Heimatort“ heißt das 5.15 Minuten lange Epos, das für Akkordeon und Chor geschrieben wurde und die Startnummer 2 hat. Zwar ist die Aufnahme von suboptimaler Tonqualität, doch immer wieder sind Passagen zu verstehen. Wobei sich die Korrelation nicht immer erschließt, aber womöglich soll folgende Verszeile die Brücke zur Musik darstellen, die im Stile einer Karnevalshymne daherkommt: „Uhingen, du Heimatstadt, du liegst zwar nicht am Rhein; doch in dir und deinen Teilen, da sind wir daheim.“ Auch hier trauen sich die Sänger nicht ans Schwäbische heran, dafür hat der Titel als einziger das Zeug zu etwas Ähnlichem wie einer Hymne. Dieser Charakter wird unterstrichen durch hochdramatische Wechsel von Dur nach Moll.

Des gleichen Stilmittels bedient sich Titel Nummer 3, „Uhingen, dich muss man lieben“. Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit – außer, dass die unbekannte Sängerin ebenfalls auf hochdeutsch singt. Ihr Hohelied auf Uhingen beginnt als verspielt-romantisches Klavierstück, das sich im Laufe der 2.44 Minuten kontinuierlich steigert, an einen Bolero erinnernde Marschtrommeln sorgen schließlich für zusätzlichen Bombast. „Ein Juwel, nicht übertrieben“ sei die Stadt, auch die Teilorte werden gepriesen, mutieren mitunter gar gleich zum Heimatland: „Vom Süden her ins Tal lässt grüßen, du Heimatland Sparwiesen.“

„Ganz Uhingen ist ein bisschen in Wallung“, meint Bartos – das könnte zumindest auf die Älteren zutreffen. Dass die Lieder nun nicht gerade eine jugendliche Zielgruppe ansprechen, räumt die Frau vom Rathaus nämlich ein, aber immerhin Titel Nummer 1 möchte sie nicht der Zielgruppe Ü75 zuordnen. Eine 19-jährige Uhingerin drückt sich unverblümt aus: „Das ist ja voll peinlich für Uhingen.“

In der Nachbarstadt Ebersbach gab es vor zwölf Jahren einen ähnlichen Wettbewerb. Den hatte die Band Diversion gewonnen, fünf Jugendliche aus der Stadt. „Es gab weder Geld, noch hat es unserer Karriere gedient“, erinnert sich Sänger Kai. Er erzählt, dass er regelrecht erschrecke, wenn er heute im Ebersbacher Rathaus anruft und dann seine eigene Stimme hört. Der Ebersbach-Song ist dort nämlich seit zwölf Jahren die Musik in der Telefon-Warteschleife. Schöne Aussichten für das Uhinger Lied. Doch Bartos wiegelt lachend ab und hat eine bessere Idee: „Vielleicht singt es ja der Gemeinderat dann immer vor der Sitzung.“

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