Geplante Umlage der KV für Notfallpraxen empört Ärzte

Die Ende Februar gestartete Notfallpraxis in der Klinik am Eichert läuft gut. Doch die Freude der Mediziner währte nur kurz: Kaum genehmigt, stellt die Kassenärztliche Vereinigung wieder alles auf den Kopf.

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An Wochenenden versorgen Göppinger Ärzte Patienten in der Notfallpraxis in der Klinik am Eichert. Das Modell funktioniert reibungslos. Doch die Kassenärztliche Vereinigung macht den Medizinern nun einen Strich durch die Rechnung.  Foto: 

"Das ist völlig unverständlich und geht an der Sache vorbei. Wir werden das so nicht akzeptieren und rechtlich prüfen lassen." Dr. Frank Genske und sein Kollege Dr. Emil Frick, die maßgeblich an dem Konzept für die Notfallpraxis in der Klinik am Eichert getüftelt hatten, verstehen die Welt nicht mehr. Die neue zentrale Anlaufstelle, die am Wochenende für Patienten mit akuten, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden geöffnet hat, sei Ende Februar gut aus den Startlöchern gekommen. "Die Dienste sind ausgelastet, die Kosten liegen mit 360 Euro pro Dienst im Rahmen, die Einnahmen sind in Ordnung, Ärzte und Patienten zufrieden", fasst Genske zusammen.

So weit, so gut. Nun soll diese Notfallpraxis, die ein extra gegründeter Verein in Eigenregie betreibt, jedoch wieder umgekrempelt werden. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) will nach einem Beschluss der Vertreterversammlung den niedergelassenen Medizinern ab 1. Januar 2014 eine monatliche Kopfpauschale von 53,80 Euro und eine umsatzabhängige Umlage in Höhe von 0,3 Prozent in Rechnung stellen. Damit sollen alle Notfallpraxen in Baden-Württemberg finanziert beziehungsweise unwirtschaftliche gestützt werden, "die schwachen hängen also am Tropf der gut funktionierenden", erklärt Genske.

" Das ist der Tod der Notfallpraxen"

Ihn und Frick stört die "undifferenzierte Vorgehensweise von oben nach unten". Die Vertreter der Kreisärzteschaft sprechen von einer "Soli-Einzahlung" in einen großen Topf und wehren sich nicht nur gegen das geplante Finanzierungsmodell ("das ist der Entzug eines Teils unseres Honorars"), sondern auch gegen den Eingriff der KV in ein funktionierendes und kostengünstiges Modell überhaupt. Würde die Südwest-KV ihre Pläne so durchziehen, "ist dies der Tod der Notfallpraxen", ist Frank Genske überzeugt. Ihn wurmt zudem, dass er und seine Kollegen von den Überlegungen der KV nichts wussten: "Wir wurden hinters Licht geführt. Wir hatten die Zusage von der KV für unser Modell. Erst wurde Druck gemacht, dass wir eine Notfallpraxis auf die Beine stellen. Dann macht man es - und nun das."

Die Kreisärzteschaft will aber kämpfen - zumal sie rund fünf Jahre lang zähe und zum Teil widersprüchliche Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt hatte, bis diese die Göppinger Notfallpraxis schließlich schriftlich genehmigt hatte. Zurückrudern komme daher auf keinen Fall in Frage, betont Genske. Einerseits hätten die Mediziner viel Herzblut in den Aufbau der Notfallpraxis am Eichert gesteckt, andererseits sind Genske und Frick überzeugt, dass die Neuregelung nicht rechtens ist: "Es wird in bestehende Verträge eingegriffen."

Ärztetaxi für Hausbesuche kostet 

Für die Patienten werde sich zumindest vordergründig nichts ändern. Doch die Neuregelung werde insgesamt viel Geld kosten, 90 Millionen Euro will die KV in den Betrieb der Notfallpraxen investieren. "Das ist eine rein strukturelle Geschichte, keine medizinische. Doch das Geld sollte wirklich in der Medizin ankommen", unterstreicht Genske. Irgendwo werde aber eine Lücke entstehen - vor allem auch deshalb, weil den Medizinern beim 24-Stunden-Bereitschaftsdienst flächendeckend künftig ein Fahrdienst, eine Art Ärztetaxi, zur Verfügung gestellt werden soll. Egal, ob er ein oder 20 Mal zum Hausbesuch muss - die 800 Euro für den Fahrer werden fällig. "Eine bequeme, aber teure Sache", sagt Frick. "Das ist von Anfang an defizitär", fügt Genske hinzu.

Die beiden Ärzte sind sich sicher: "Man sollte das Göppinger Modell flächendeckend einführen anstatt es zu streichen." Sie seien "motiviert, darum zu kämpfen" und bekommen auch Unterstützung von Kollegen beispielsweise aus Schwäbisch Gmünd, wo sich ebenfalls massiver Widerstand regt. An der Geislinger Helfenstein-Klinik wird es übrigens vorerst keine Notfallpraxis geben. Die Mediziner dort haben sich mehrheitlich gegen ein solches Modell ausgesprochen.

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