Gemischte Reaktionen auf Birks Rückzug

Bedauern und Verständnis, Enttäuschung und Zuversicht: Der Rückzug des Landtagsabgeordneten Dietrich Birk (CDU) sorgt in der Politik für Diskussionen.

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Auch wenn es ein Rückzug mit Ansage war: Die Ankündigung des Göppinger CDU-Landtagsabgeordneten Dietrich Birk, sich zum 1. Januar aus der Politik zu verabschieden und in die Wirtschaft zu wechseln, hat am Montag nicht nur manchen Parteifreund kalt erwischt. "Zum jetzigen Zeitpunkt kam es überraschend", kommentierte der Göppinger Grünen-Landtagsabgeordnete Jörg Matthias Fritz Birks Entscheidung, die Geschäftsführung des Landesverbands der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) zu übernehmen. Er bedaure diesen Schritt, sagte Fritz, denn er habe "persönlich ein gutes Verhältnis" zu dem CDU-Politiker gepflegt. Der Grüne habe jedoch keinerlei Bedenken, diese Zusammenarbeit mit Birks Nachfolgerin Jutta Schiller fortzuführen.

Auch der Göppinger SPD-Parlamentarier im Landtag, Peter Hofelich, hob die "stets faire und korrekte Zusammenarbeit" mit Birk hervor. "Klar bleibt aber, dass die Abgeordneten beider Volksparteien CDU und SPD um politische Zustimmung ringen", unterstrich der Sozialdemokrat. "Gerade der Kreis Göppingen braucht einen Modernisierungsschub, für den ich in der Auseinandersetzung mit der CDU immer eingetreten bin." Wittert Hofelich nach Birks Rückzug Morgenluft? "Ich sehe keinen Grund, mich über die sich auftuende Lücke zu freuen", entgegnete Hofelich. Vielmehr sei ihm eine starke Vertretung Göppingens, und zwar von allen politischen Kräften, wichtig. Der SPD-Mann ist nun gespannt, wie sich die CDU im Landkreis künftig aufstellen wird: "Man wird sehen, ob sie weiter die stramme konservative Linie verfolgt."

Der Geislinger SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder geht noch einen Schritt weiter: "Wenn ein Politiker wie Birk freiwillig aus der aktiven Politik aussteigt, sagt dies viel über den inneren Zustand der CDU in Baden-Württemberg aus." Binder habe Birk als "sachlichen und engagierten Kollegen" kennen gelernt. Ist so ein Ausstieg aus der Politik - vielleicht für immer - denn so einfach? Peter Hofelich ist sich sicher: "So ein Rollenwechsel geht nicht leicht vonstatten."

Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till schaut nach der jüngsten Entwicklung zunächst zurück. "Dietrich Birk hat sehr viel bewirkt, oftmals auch im Verborgenen", betont der Rathauschef. Beispielhaft verweist der OB auf die Unterstützung des CDU-Abgeordneten, als es um Fördermitteln für den Ausbau der EWS-Arena ging. Auch bei der Sanierung der Burgruine auf dem Hohenstaufen habe Birk wesentlich dazu beigetragen, Zuschüsse vom Land zu bekommen. Der Oberbürgermeister glaubt jedoch, dass der Draht zu Birk nicht abreißen wird.

Die Göppinger Piraten haben kein Lob für den scheidenden CDU-Mann übrig. Vielmehr zeigt sich die Partei "schwer enttäuscht" über die vorzeitige Mandatsabgabe. "Ich finde es sehr bedauerlich, dass Herr Birk nicht einmal eine halbe Legislaturperiode in der Opposition ausgehalten hat. Anscheinend gefällt ihm die Arbeit im Parlament nur, wenn die CDU an der Regierung beteiligt ist", meint Julian Beier, Bundestagskandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Göppingen. Der Wechsel zum VDMA habe einen "faden Beigeschmack", zeige er doch, "wie eng Politik und Wirtschaft miteinander verknüpft sind".

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