Gemeinschaftsschule: Gegner machen mobil

Die Pläne für eine neue Gemeinschaftsschule sind in manchen Kommunen im Kreis Göppingen weit gediehen. Andernorts jedoch ist der Widerstand groß. In Ebersbach sammelt jetzt eine Elterninitiative Unterschriften. In Faurndau wollen die Rektorin und die Eltern der Schiller- Grundschule die Fusion mit der Haierschule zur Gemeinschaftsschule verhindern.

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Sie nennen sich „Pro Kindheit“. Ihr Kampf richtet sich aber gegen die neue Gemeinschaftsschule – zumindest in Ebersbach. Die Eltern, die sich in der Filstalstadt zu der Initiative zusammenschlossen, haben nach eigenen Angaben schon 400 Unterschriften gesammelt. „Ebersbacher Schulen in Gefahr“ prangt als Schriftzug auf dem Flugblatt, das sie in der Stadt verteilen. Heute werden die Eltern beim „Ebersbacher Frühling“ an einem eigenen Stand vertreten sein, kündigten sie am Freitag an. Die Initiatoren fürchten vor allem, dass in der Stadt die Realschule am Raichberg verloren gehen könnte. Sie finden jedoch, der Erhalt von Realschule und Gymnasium sei „zwingend nötig“.

Allerdings sind die Schülerzahlen an der Hardtschule stark rückläufig. Die fünfte und die sechste Klasse dieser Werkrealschule werden dort schon gemeinsam unterrichtet, weil die Schüler nicht für eigene Klassen ausreichen. In der kommenden Woche stehen die Anmeldungen für das nächste Schuljahr an. Die Zahlen werden mit Spannung erwartet.

„Pro Kindheit“ will trotzdem am bestehenden Schulsystem festhalten. Ein Dorn im Auge ist den Eltern der Initiative unter anderem, dass Gemeinschaftsschulen immer Ganztagsschulen sind, die Kinder und Jugendlichen also an bis zu vier Tagen bis 16 Uhr in der Schule wären. Außerdem zweifeln sie am pädagogischen Konzept und fürchten einen Niveauverlust.

Konsens verzweifelt gesucht

In der Stadt Ebersbach ist der Prozess der Schulentwicklung derzeit besonders kontrovers. Zunächst löste der schnelle Vorstoß der Hardtschule Richtung Gemeinschaftsschule die Debatte aus. Dann leitete die Verwaltung einen aufwendigen Kommunikationsprozess ein. In vielen Info-Veranstaltungen und Workshops wurden seither Vorurteile angesprochen, Meinungen ausgetauscht und Lösungen gesucht – aber offenbar noch nicht alle Eltern von der neuen Schulform überzeugt. Statt dessen wirft Tanja Ost, eine der Initiatorinnen von „Pro Kindheit“, der Stadtverwaltung sogar vor, bei den Argumenten für eine Gemeinschaftsschule immer vom Idealzustand auszugehen. Der würde aber nicht erreicht, prophezeiht sie.

Tatsächlich ist im Kreis Göppingen der Drang zur Gemeinschaftsschule bisher vor allem an Standorten mit Werkrealschulen groß – wie in Bad Boll und Salach. Wäschenbeuren hadert heftig mit der Entscheidung der Schulbehörden, dass die Werkrealschule dort mangels Masse nicht in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt werden kann. Dagegen halten sich Realschul-Standorte häufig zurück.

Grundschule fürchtet Fusion

In der Kreisstadt Göppingen forciert die Verwaltung den Umbau der Haierschule zur Gemeinschaftsschule. Nach diesen Vorstellungen soll die Schiller-Grundschule mit einbezogen werden, um eine breitere Basis zu schaffen. Auch hier sparen die Grundschul-Eltern nicht mit Kritik und haben Unterschriften gesammelt. Rektorin Mathilde Schaile hatte diese Woche sogar die Stadträte in die Schiller-Grundschule gebeten, um sie von den Nachteilen einer Fusion zu überzeugen. Gefürchtet ist vor allem, dass mit mehr Schülern Computerraum, Werkraum und Betreuungsraum wieder wie früher in Klassenzimmer verwandelt würden. Für die Grundschüler – derzeit werden in dem Gebäude 136 Kinder unterrichtet – sei das ein Qualitätsverlust. Die Idee, dass die Fachräume erhalten, jedoch bereits die Viertklässler am Haier unterrichtet werden könnten, wäre „für die ganze Grundschul-Gemeinschaft ein Einbruch“, findet die Rektorin.

Sowohl in Faurndau als auch in Ebersbach zeichnet sich also für die kommenden Wochen weiter Streit ab. In Göppingen will der Gemeinderat am 18. April über die Pläne abstimmen. Und in Ebersbach ist am 10. April im Ratssaal der nächste öffentliche Diskussionsabend anberaumt. Erwartet werden dann auch Vertreter des Kultusministeriums und des Staatlichen Schulamtes Göppingen.

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