Gemeinsame Liebe zur Musik

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Du singst so schön“, habe ihr  Schüler Alperen Verena Rothaupt ganz verlegen nach der Unterrichtsstunde gesagt. Während der Stunde hatte der Erstklässler ihr den letzten Nerv geraubt. Als sie ihm sagte, dass sie möchte, dass er auch so schön singen lerne, habe der kleine Junge mit ganz großen Augen gefragt: „Geht das denn?“ Ihre Antwort darauf: „Ja, das geht.“ Für Verena und Klaus Rothaupt ist diese Geschichte, die sie beim Musikunterricht in der Grundschule Lorch erlebt hat, in vielerlei Hinsicht symptomatisch.

Das Musiker-Ehepaar kämpft seit Jahren gemeinsam gegen das Vorurteil, Musik sei nichts für Jungs. Gerade Jungs bräuchten musikalische Vorbilder und von Anfang an einen in die Schule integrierten qualifizierten Musikunterricht. Man lasse ja auch nicht einen Analphabeten Lesen und Schreiben unterrichten. Verena Rothaupt unterrichtet Singen nach der Ward-Methode, die sich auch schon Gerlinde Kretschmann habe zeigen lassen. Sie beschreibt ihre Erfahrungen als sehr positiv. Die Methode sei kleinschrittig und betrachte die Stimme, über die jeder verfüge und die nichts koste, als Instrument. Vergleichbar mit Lesen und Schreiben würden so Grundfertigkeiten erlernt. Nach einem halben Jahr brumme niemand mehr und nach zwei Jahren könnten die Kinder vom Blatt singen.

Klaus Rothaupt sagt dazu: „Es gibt keine unmusikalischen Kinder, es gibt allenfalls Menschen, bei denen die Musikalität nicht entwickelt wurde.“ Er vergleicht Singen mit Sport, wo man ebenfalls körperliches Training und Konzentration benötige. Für die Nachhaltigkeit brauche es aber Stetigkeit und nicht nur hin und wieder ein Projekt. Beiden Musikern sind die übergeordneten Ziele – abgesehen von der Freude und dem Spaß – wichtig. Musikalische Bildung dürfe kein Privileg sein und müsse für Kinder unabhängig vom Geldbeutel und vom Engagement der Eltern angeboten werden. Es sei beispielsweise auch ein Integrationsmodell für Migrantenkinder, die sofort auf Augenhöhe und ohne Sprachbarriere mitmachen könnten.

Die Erfahrungen zeigten generell, dass Kinder viel weniger „hibbelig“ seien und durch die Persönlichkeitsbildung positive Effekte auf Schulleistungen und Gewaltprävention erzielt würden.

Das Musiker-Ehepaar hat sich bei einem Dirigierkurs auf der Burg Stettenfels bei Heilbronn kennengelernt. Verena Rothaupt ist bei der evangelischen Kirche in Lorch angestellt, leitet drei Kirchenchöre und eine Kantorei mit 60 Mitgliedern, leistet den kompletten Orgeldienst und geht außerdem jede Woche in Kindergärten, um mit den Kleinen zu singen. Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt arbeitet als Kantor an der Stadtkirchengemeinde Oberhofen und ist zudem Bezirkskantor. Er hat Orgel und Cembalo in Stuttgart und in Paris studiert mit  Abschluss auch in Schulmusik und leitet verschiedene Chöre, darunter das Concerto Vocale, mit dem er große geistliche Werke aufführt. Er unterrichtet acht Orgelschüler und geht ebenfalls regelmäßig in Kindergärten, um mit Kindern zu singen.

Und was würden die beiden auf eine einsame Insel mitnehmen? Auf alle Fälle das Klavier, das sie im Urlaub immer dabei hätten, antworten beide unisono. Verena Rothaupt würde noch beide Bände des Bach’schen Wohltemperierten Klaviers einpacken, ihr Mann bevorzugt die Klaviersonaten von Beethoven, würde sich aber die Noten seiner Frau immer wieder ausleihen.

Ein Ereignis besonderer Art war für Klaus Rothaupt die Vorbereitung auf Bachs Weihnachtsoratorium. 200 Sänger und Musiker, davon 120 Schüler zwischen vier und 17 Jahren, führten unter seiner Leitung am 11. Dezember die ersten drei Teile in der Göppinger Stadtkirche auf. An Dreikönig folgen nun in der Oberhofenkirche die Teile IV bis VI. Beginn ist um 17 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es beim i-Punkt im Rathaus.

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