Gegenwind für Großprojekt „Zentrum Untere Marktstraße“

Der Sieger-Entwurf für das in Göppingen geplante Zentrum Untere Marktstraße löste bei einigen Stadträten Entsetzen aus. Das Verfahren verzögert sich.

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Der Entwurf für die Neubauung an der Kreissparkasse (rechts) zog Kritik auf sich.  Foto: 

Nicht gerade zimperlich gingen die Mitglieder im Technischen Ausschuss mit den Entwürfen für das geplante Großprojekt „Zentrum Untere Marktstraße“ (ZUM) um. Es soll direkt neben der Hauptstelle der Kreissparkasse entstehen, die auch Bauherr ist. Vor allem Achim Fehrenbacher (CDU) ging jetzt aber mit dem Siegerentwurf des Stuttgarter Büros Harris + Kurrle hart ins Gericht. Er sprach von einer „Kasten-Architektur sondergleichen“. Michael Freche (Piraten) unkte, dass hier wohl „die Hohenstaufenburg in der Innenstadt nachgebaut“ werden soll. Er habe außerdem „massive Probleme“ damit, das für solch ein Gebäude das Fachwerkhaus von Spielwaren-Elser weichen müsste. Christine Lipp-Wahl (Grüne) empfand die Architektur als „kalt und abweisend“. Sie sagte: „Ich weiß nicht, ob wir dieses Gebäude unseren Bürgern zumuten können.“ Lediglich Dr. Michael Grebner (SPD) meinte: „Ich find’s gut. Es passt zur Umgebung“.

Die kontroverse Diskussion im Ausschuss war entflammt, obwohl es eigentlich lediglich um die Vorberatung der nötigen Bebauungsplanänderung gehen sollte. Doch da wollten die Stadträte nicht mitspielen. Grund: Sie hätten die Pläne des Architektenwettbewerbs bisher nur in der Zeitung gesehen. Achim Fehrenbacher ließ durchblicken, dass er sich angesichts des vorliegenden Entwurfs auch schwer tue, dem Bebauungsplan zuzustimmen.

Als sich abzeichnete, dass die Verwaltung in dieser Woche bei der Entscheidung im Plenum wohl eine Niederlage einstecken würde, zog der Baubürgermeister Helmut Renftle den Punkt nach einigen Diskussionen zurück. Er bedauere, dass der Gemeinderat bisher nicht ausreichend beteiligt worden sei, so Renftle. Das soll nun nachgeholt werden. Lokalpolitiker, Architekten und der Gestaltungsbeirat sollen über die Pläne diskutieren. Im Herbst geht das Verfahren dann weiter. Allerdings scheint fraglich, ob der Entwurf, der als einstimmig gewählter Sieger aus einem aufwendigen Planungswettbewerb hervorgegangen war, so grundlegend überarbeitet werden kann, dass er den Lokalpolitikern gefällt.

Der Baubürgermeister gab zu, dass die vorgeschlagene Architektur „mutig und vielleicht auch erklärungsbedürftig“ sei. Er habe auch Verständnis für die Kritik der Stadträte, die bisher nicht beteiligt wurden. Das sei ein Versäumnis. Den Entwurf müsse man aber im Gesamtkontext sehen. Und da halte er ihn für gelungen. Das Gebäude definiere den Übergang vom Kreissparkassenturm zur Umgebungsbebauung, und interpretiere das Thema Giebel modern, was an dieser Stelle passe. Die Kritiker vermissen hingegen die kleinteilige Gliederung.

Tobias Kocherscheidt, Geschäftsführer der Kreissparkassen-Tochter Fachpartner Gewerbeimmobilien (FGI), gab sich in der Sitzung überrascht über die Reaktionen. Am Freitag sagte er der NWZ, es sei kein grundlegendes Problem, wenn nun noch einmal über die Entwürfe geredet werde. Es sei in dem Verfahren bisher „alles sauberst gelaufen“. Es sei lediglich versäumt worden, die Stadträte ins Boot zu holen. Er wolle aber keine Schuldzuweisung betreiben und geht davon aus, dass sich der Bau lediglich etwas verzögern wird und es im nächsten Jahr los gehen kann.

Altsubstanz Die Kreissparkasse bzw. deren Tochterunternehmen Fachpartner Gewerbeimmobilien wollen im Bereich Geislinger Straße/Gartenstraße mehrere Gebäude abbrechen, unter anderem das alte „Palast“-Kino und das ehemalige Haus von „Spielwaren Elser“.

Neubau Dort soll für 15 Millionen Euro ein Neubau entstehen, der unter anderem etwa 2000 Quadratmeter Laden- und Bürofläche sowie in den  zweiten bis vierten Obergeschossen 17 Wohnungen mit insgesamt 1500 Quadratmetern umfasst.

Sieger Der Planungswettbewerb war im Oktober 2016 entschieden worden. Damals war der mögliche Beginn der Abbrucharbeiten für April 2017 ins Auge gefasst worden.

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