Gegensätze werden gekonnt vereint

Die deutsch-schottischen Folkmusiker "Litha" begeisterten bei der Rätsche im Geislinger Schlachthof mit breitem Repertoire und virtuoser Musikalität.

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Dass traditionelle schottische Folksongs und deutsche Schauerballaden, irische Reels und bayrische Zwiefache, wehmütige Slow Airs und humorvolle fränkische Wirtshausmusik keine musikalische Gegensätze sind, sondern im Gegenteil wunderbar zusammen passen, demonstrierte die Gruppe "Litha" am vergangenen Sonntagtagabend eindrucksvoll bei der Rätsche im Geislinger Schlachthof. Dabei ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die vier Musiker von "Litha" eine solche Gratwanderung mit solcher Bravour meistern: Die Band besteht aus einem schottischen und einem deutschen Duo: Aaron Jones (Leadsänger, Gitarre) und Claire Mann (Fiddle, Flöten) sowie Gudrun Walther (Leadsängerin, Fiddle, Akkordeon) und Jürgen Treyz (Gitarre, Dobro) begeisterten die europäische Folkszene schon lange bevor sie sich zu "Litha" zusammenschlossen.

Zusammen machen die vier erfahrenen Künstler authentische Musik, die traditionell klingt, aber trotzdem progressiv ist: Bei der Auswahl der Lieder lassen sich "Litha" offensichtlich nicht von Genre- oder kulturellen und thematischen Grenzen einschränken: Ein schottisches Bergbaulied steht neben dem schaurigen "Herr Oluf", einer Erlkönigvariante von Johann Gottfried Herder, schottische Höhlenmonster gesellen sich zu deutschen Rheinbräuten, feurige Reels zu langsamen Walzern.

Ganz nebenbei bringen "Litha2 dem Publikum auch deutsche Volkslieder wieder nahe, die der eine oder andere vielleicht schon vor langem in der Schublade für seichten Kitsch abgelegt hat. So wird "Nun lässt der Lenz uns grüßen", das Gudrun Walther nach der Blockflötenzwangserziehung in der Grundschule, in ein graziles keltisches Gewand gesteckt hat, zu einem wahren Überraschungserfolg - ein gutes Besipiel dafür, was wohl den Efolg von "Lithas" Musik mit ausmacht. Die Musiker bleiben der Essenz der Lieder treu, drücken ihnen jedoch durch ausgefeilte, überraschende Arrangements unweigerlich ihren eigenen Stempel auf.

Dabei schaffen sie einen weit abwechslungsreicheren und volleren Sound, als es der Anblick der beiden Duos auf der Bühne auf den ersten Blick vermuten lässt. Das grazile und komplexe Gitarrenspiel von Jones und Treyz verwebt sich wie von Zauberhand zu einer organischen Klangkulisse, die ganz ohne Bruch von druckvoll und bedrohlich auf leicht und lyrische umschalten kann.

Die Holzquerflöte von Claire Mann und die Fiddle von Gidrun Walther fühlen sich in keltischer Wehmut ebenso zu Hause wie in den hüpfenden Drei- und Zweivierteltakten der bayrischen Zwiefachen. Und auch vor ganz schwierigem Material schrecken Litha nicht zurück: Ein vierstimmiges und auch von den beiden Schotten auf Schwäbisch gesungenes Trinklied gehörte mit zu den Highlights des Abends.

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