GEDANKEN ZUM SONNTAG: Sisch nemme dees ...

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Früher kannten wir den Chef persönlich. Jeden Tag kam er in den Betrieb und hat mit je-dem Arbeiter ein paar Worte gewechselt - aber jetzt?! Ach, sisch nemme dees!" Der Rentner erzählte vom neuen Management, das seinen alten Betrieb umgekrempelt hat. Es sei alles viel unpersönlicher geworden. "Ach, sisch nemme dees!" - diesen Seufzer hören wir oft bei Gesprächen über einst und jetzt. Im Dorf traf man sich früher noch jeden Abend und hat mitnander gschwätzt. Heut hat man keine Zeit mehr. "Sisch nemme dees!" Sonntags war von jeder Familie mindestens ein Mit-glied im Gottesdienst. "Sisch nemme dees!"

Als ich jung war, hörte ich weg, wenn die Alten anfingen, den alten Zeiten nachzutrauern und über "die heutige Jugend" zu schimpfen. Jetzt ertappe ich mich selbst immer öfter bei diesem melancholischen Seufzer "Sisch nemme dees!". Angesichts vieler verwirrender Entwicklungen der Gegenwart suchen wir gern einen Halt im Vertrauten, das einmal war. Da ist die Tendenz zur Verklärung des Gewesenen mit im Spiel. Doch: "Die gute alte Zeit hab ich in den Archiven nicht gefunden", sagt Kreisarchivar i.R. Walter Ziegler, wenn Leute von früher schwärmen. Jede Zeit hat ihre eigenen Schwächen und Stärken. Einerseits kennen wir die Klage über die Interesselosigkeit und die oberflächliche Konsumhaltung der Jugendlichen, andererseits sehen wir, dass in den Ferien wieder einmal Tausende von jungen Menschen bei Freizeiten und Zeltlagern ehrenamtlich mitgearbeitet haben. "So isch na au wieder!" muss man da in schwäbischer Dialektik dem "Sisch nemme dees!" entgegenhalten. "Ja, so isch na au wieder" - dieser Ausdruck bewahrt vor einseitigen schnellen Urteilen. Früher war gewiss nicht alles besser. Christen, die an Jesus Christus glauben, sehen die Schatten der Vergangenheit sehr realistisch. Sie brauchen nichts verklären. Sie vertrauen auf Vergebung und die Chance des ihnen von Gott eingeräumten Neuanfangs. "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden", schreibt Paulus in 2. Kor. 5,17. Eine kühne Behauptung! Mit andern Worten: Wer an Christus glaubt, ist nicht zwangsläufig festgelegt auf das, was war. Er wird frei, Ballast abzugeben und eine neue Sichtweise von sich, von der Welt, von den anderen zu gewinnen. Frei von Vorurteilen und Selbstrechtfertigungszwängen kann er sich mit der Gemeinde der Glaubenden einlassen auf den von Jesus vorgezeichneten Weg der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe. Sicher auf diesem Weg wird es auch Stillstände und Rückschritte geben. Aber das ist kein Argument dagegen. Uns gilt die Zusage Jesu: "Ich bleibe bei Euch mit meiner Kraft und Gnade." Es gibt auch Fort-schritte. So isch nao au wieder!

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