GEDANKEN ZUM SONNTAG: Artgenossen?

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    Wenn sich der Anführer der Gorillas in der Wilhelma die Hand bricht, dann verbirgt er es sorgfältig vor seinen Artgenossen. Foto: 
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Sonntags bei den Menschenaffen in der Wilhelma. Ich kann meinen speziellen Favoriten, den Pascha der Gorillas, nicht entdecken und frage einen Pfleger nach ihm. "Der ist in der Krankenstation. Hat die Hand gebrochen. Wird sicher ne größere Sache. Denn die Hand ist bestimmt schon lange kaputt." - "Wie das", frage ich, "hat das niemand gemerkt?" Und er klärt mich auf: "Wissen Sie, wenn ein Gorilla so eine Verletzung hat, wird er sich hüten, das zu zeigen. Seine Artgenossen würden diese Schwäche sofort gegen ihn ausnutzen . . ." Das leuchtet ein. "Aber wie habt ihrs dann überhaupt erkannt?" "Nun, wie gesagt, einem Artgenossen würde er es niemals zeigen. Aber wenn er ganz viel Vertrauen hat, zeigt er es manchmal einem Menschen . . ."

Auf den ersten Blick scheint das bei unserer Spezies ja anders zu sein. Wer kann nicht ein Lied davon singen, dass je älter wir werden, desto häufiger wir einen Kreis von Artgenossen bilden, denen es geradezu ein Bedürfnis zu sein scheint, einander mitzuteilen, welche Krankheitserfahrungen wir auch schon gemacht haben oder gerade dabei sind zu machen. Schließlich, das verschafft uns Beachtung und manchmal auch - gar nicht zu Unrecht - Respekt bei Unseresgleichen.

Aber Hand aufs Herz, wie ist das mit unseren wirklichen Schwächen und Verletzungen? Wir müssen dabei nicht mit dem Finger auf den Alkoholkranken zeigen, der das so lange wie möglich zu verheimlichen sucht. Wie viele von uns tragen vom Leben oder auch durch eigene Fehler verursachte Wunden und Faulstellen wie schwere Steine mit sich herum, die wir aber tunlichst vor unseren Artgenossen verbergen, weil wir fürchten, dass wir damit bei ihnen sicher nicht gut ankommen oder abschneiden würden?

Die Ausführungen des Tierpflegers erinnern mich allerdings auch an die Grundbotschaft unseres Glaubens: Daran, dass Gott uns Menschen in einem Menschen, in Jesus aus Nazareth, begegnet. Und so wie der mir aus den Texten der Bibel heraus begegnet, war das keiner, der anderen als Artgenosse entgegentritt, sondern als einer, der mich spüren lässt: Dem kann ich ohne Angst meine Schwachstellen zeigen. Der nimmt mich auch mit ihnen als Mensch an.

Manchmal begegnen uns auch heute Menschen, die einen das spüren lassen. Dass sie "einander annehmen, wie Christus angenommen hat." Um ihretwillen bin ich froh, dass ich dem Tierpfleger antworten konnte: ". . .wie bei uns!"

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