Gaucks Wege in die Zukunft

Joachim Gauck, der am 18. März zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden soll, hat bereits Spuren im Stauferkreis hinterlassen. Vor dreieinhalb Jahren war er in Göppingen, aber auch in Bad Boll.

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Wolfgang Merkle, Leiter der Göppinger Volkshochschule, erinnert sich gerne an jenen Septembertag im Jahr 2008, als Joachim Gauck im voll besetzten Vortragsraum über die Unterschiede von Wessis und Ossis sprach. "Jetzt sind wir schon so lange vereinigt und doch so unterschiedlich", sagte der ehemalige Chef der nach ihm benannten Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Akten der ehemaligen DDR. Als Vorsitzender des Vereins "Gegen das Vergessen - für Demokratie" hatte Gauck die Einladung der Volkshochschule angenommen und war in die Hohenstaufenstadt gekommen. Als genau beobachteter "Revolutionspastor" in Rostock und Initiator des Neuen Forums 1989 bewies Gauck bei seinem Vortrag, den Volkshochschule und NWZ in ihrer Reihe "Wege in die Zukunft" organisierten, seine Kenntnisse aus dem Land der Ossis. Als "reisender Politiklehrer" wusste er auch gut über die Eigenarten der Wessis Bescheid. Zwei Stunden referierte Gauck damals, eine weitere Stunde diskutierte er hernach mit den Zuhörern. Für die NWZ gab Gauck auch ein Interview, das in der Reihe "Charakterköpfe" erschien und sich mit dem Kampf gegen das Vergessen sowie mit Trauer und Leid beschäftigte.

Auch in der Evangelischen Akademie Bad Boll war Joachim Gauck ein gern gesehener Gast, wie Direktor Joachim Beck berichtet. Beck kennt ihn persönlich nicht, schätzt ihn aber als pointierten und profilierten Redner. "Hervorragend" findet er es, dass Gauck mit seinen Erfahrungen in der Friedensarbeit und mit den unterschiedlichen Systemen von Ost und West Bundespräsident werden soll. Es werde ihm um Versöhnung in der Gesellschaft gehen, um Aussöhnung mit der DDR-Geschichte etwa, so wie er als Leiter der Stasi-Aufarbeitung den Umgang mit Geschichte und Biografie praktiziert habe. In dieser Eigenschaft sprach er an der Akademie Bad Boll.

Beck freut sich über einen Theologen an der Spitze des Staates und findet es auffallend, dass gleich vier evangelische Theologen unter den ersten zehn Kandidaten gewesen seien. "Offenbar prädestiniert unsere Lehre zum Repräsentieren und zur Sprachmächtigkeit."

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