Volksbank-Fusion: Jetzt beginnt die heiße Phase

In wenigen Wochen soll der Zusammenschluss der Volksbank Göppingen mit der Volksbank Stuttgart stehen – vorausgesetzt, die Mitglieder geben grünes Licht. Noch ist der Fusionsvertrag aber nicht fertig.

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  • Die Gespräche zum Fusionsvertrag werden in Stuttgart geführt. In etwa drei Wochen soll das Werk fertig sein. 1/2
    Die Gespräche zum Fusionsvertrag werden in Stuttgart geführt. In etwa drei Wochen soll das Werk fertig sein. Foto: 
  • Die „Verlobung“ gaben die Vorstände im Juli bekannt: (von rechts) Dr. Lukas Kuhn, Hans Rudolf Zeisl und Hermann Sonnenschein. 2/2
    Die „Verlobung“ gaben die Vorstände im Juli bekannt: (von rechts) Dr. Lukas Kuhn, Hans Rudolf Zeisl und Hermann Sonnenschein. Foto: 
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Es begann mit einem heißen Flirt im Frühjahr und führte zur „Verlobung“ Ende Juli. Im November nun soll die Verbindung der Volksbank Göppingen und der Volksbank Stuttgart besiegelt werden. Doch die strategische Hochzeit ist nicht ohne das Votum der Mitglieder möglich. Als Souverän der Banken werden sie über die geplante Fusion abstimmen. Notwendig ist eine qualifizierte Mehrheit – das sind mehr als 75 Prozent, erklärt Matthias Layher, Pressesprecher der Volksbank Stuttgart.

Die Vorbereitung der außerordentlichen Vertreterversammlungen in Göppingen und Stuttgart, die nach bisheriger Planung am 15. und 20. November stattfinden sollen, laufen auf Hochtouren. Parallel finden interne Informationsveranstaltungen statt. „Es wird in Göppingen sicher mehr Fragen geben“, meint Layher. Oft treibe die Menschen die Sorge um, was mit dem Standort passiere oder ob Regionalität verloren gehe. „Diese Sorgen sind unbegründet“, betont Layher, weil die Ortsbanken auch nach einem Zusammenschluss die gleichen Kompetenzen wie bisher hätten. Bei den Infoabenden werden die Vorstände selbst vor Ort sein und die „Vorteile und Kennzahlen der Fusion“ darlegen, aber eben auch für Fragen zur Verfügung stehen. „Es ist den Vorständen überaus wichtig, den persönlichen Dialog zu suchen, da die Nähe zu Kunden und Mitgliedern ein wesentliches Merkmal der genossenschaftlichen Kultur ist“, unterstreicht der Pressesprecher.

Doch die Mitarbeiter, in erster Linie in Göppingen, machen sich Gedanken über ihre Zukunft, die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt. „Der eine oder andere fragt sich schon, wie es weitergeht“, berichtet Ernst Kölle, Betriebsratsvorsitzender der Volksbank Göppingen. Derzeit seien die Arbeitnehmervertreter noch nicht involviert. „Wenn die rechtlichen Grundfragen geklärt sind und die Fusion steht, werden wir eingebunden und können dann konkret verhandeln“, sagt Kölle. „Derzeit herrscht noch Schweigen im Walde, der Fusionsvertrag ist ja auch noch nicht fertig.“ Wie die Abstimmung am 15. November ausgeht, da wagt der Betriebsratschef keine Prognose: „Das ist nicht nur eine Formalie. Da ist alles noch in der Schwebe.“ Kölle spricht von einer „Übernahme“ der Stuttgarter, auch viele Mitarbeiter befürchten, dass die große Bank die kleinere schluckt. Diese Befürchtung weist Dr. Lukas Kuhn, Vorstand der Volksbank Göppingen, weit von sich: „Da von einer Übernahme zu sprechen, wäre völlig falsch. Wir sind zwei starke Partner, die das Ziel haben, noch stärker zu werden.“ Derzeit seien die Vorstände beider Seiten dabei, die einzelnen Meilensteine abzuarbeiten. „Der Zug nimmt Fahrt auf, wir reden miteinander und wir verstehen uns“, betont Kuhn. Die Verhandlungen verliefen auf Augenhöhe: „Wir haben unsere Mitarbeiter voll im Blick und arbeiten gemeinsam mit dem Betriebsrat daran, etwas Gutes für die Volksbank Göppingen hinzukriegen.“ Der Vorstand geht davon aus, dass der Verschmelzungsvertrag in den kommenden drei Wochen soweit steht und er dann „finale Ergebnisse“ vermelden kann.

Auch der Stuttgarter Pressesprecher Matthias Layher sieht beide Partner gleichberechtigt: Die Banken seien zwar unterschiedlich groß (Göppingen hat eine Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro, Stuttgart 6,4 Milliarden), doch die Vorstände seien sich am Tisch „auf Augenhöhe“ begegnet. Die Zusammenarbeit laufe sehr gut und vertrauensvoll, „die Chemie zwischen den Vorständen stimmt einfach“. Die Vorstände verständigten sich über wesentliche Eckpunkte der geplanten Fusion, „das läuft völlig geräuschlos“. Beide Institute seien kerngesund, die Vorstände hätten eine gemeinsame Vision einer leistungsstarken Volksbank. Beide Partner führen als wichtiges Argument für den Zusammenschluss die Stärkung des genossenschaftlichen Sektors an, vor allem in der Unternehmensfinanzierung der mittelständischen Kunden.

Ins Detail geht es erst später

Was die Fusion letztlich für die Mitarbeiter beider Volksbanken konkret bedeuten könnte, wird sich jedoch erst später herausstellen. Layher: „Operative Arbeitsgruppen zur organisatorischen Zusammenführung der Fusionsbanken werden erst nach den Grundsatzbeschlüssen der Vertreterversammlungen eingesetzt. Dann gehen wir ins Detail.“

Über die Möglichkeit, dass die Hochzeit beider Institute am Votum der Mitglieder auch scheitern könnte, denkt der Stuttgarter Pressesprecher – anders als der Göppinger Betriebsratsvorsitzende – nicht nach: „Das wäre so, als wenn ich in ein Fußballspiel gehe und sage: Ich verliere soundso. Da bin ich mental blockiert. Und es würde bedeuten, dass man der Fusion nicht traut.“ Den Abstimmungen im November blickt Layher daher gelassen entgegen: „Die Bundestagswahl am Sonntag wird sicher viel spannender.“

Ein KOMMENTAR von Helge Thiele: Berechtigte Sorgen

Die große Volksbank Stuttgart will sich mit der kleineren Volksbank Göppingen zusammenschließen. Beide Vorstände betonen, dass sich die Geld­institute in den Gesprächen „auf Augenhöhe“ begegnen. Auch die Kennzahlen beider Banken legen den Schluss nahe, dass es um die „Hochzeit“ zweier gesunder Unternehmen geht, die ihre Stärken im härter werdenden Wettbewerb auf dem Geldmarkt vereinen möchten. Trotzdem ist nachvollziehbar, dass vor allem die Beschäftigten der kleineren Bank die Sorge umtreibt, unter die Räder zu kommen. Denn eines ist allen klar: Eine Volksbank Stuttgart geht in der Region nicht auf Einkaufstour, um sich danach teure Doppelstrukturen zu leisten. Es spricht daher alles dafür, dass nicht alle Unternehmens- und Verwaltungsabteilungen, die es derzeit bei der Volksbank Göppingen gibt, auf Dauer unverändert bleiben. Umso mehr werden die Verantwortlichen aus Göppingen in den komplexen Verhandlungen über den „Verschmelzungsvertrag“ darauf achten müssen, dass auch nach einer Fusion die viel zitierte „Augenhöhe“ gewahrt bleibt. Nicht wenige halten das für unrealistisch. Der Betriebsratschef der Volksbank Göppingen spricht offen von einer geplanten „Übernahme“ durch Stuttgart, für ihn ist es auch keineswegs sicher, dass die Mitglieder der Fusion am Ende wirklich zustimmen. Es bleibt spannend.

Die Volksbanken Stuttgart und Göppingen wurden beide im Jahr 1865 gegründet. Die Volksbank Göppingen hat aktuell 370 Mitarbeiter und weist eine Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro auf, die Stuttgarter Bank zählt 1138 Beschäftigte, die Bilanzsumme liegt bei 6,4 Milliarden. Die Bilanz der Göppinger Volksbank weist ein Betriebsergebnis vor Steuern von 17,7 Millionen Euro aus, das der Stuttgarter liegt bei 56,9 Millionen Euro.

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Fusionspläne der Volksbanken

Über die mögliche Fusion der Göppinger Volksbank mit der Volksbank Stuttgart.

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