Fuhrbetrieb in Familienhand

Gestartet als regionaler Fuhrbetrieb, ist die Schwarz-Gruppe heute ein international tätiges Logistikunternehmen. Die Göppinger Erfolgsgeschichte begann vor genau 100 Jahren mit dem Kauf der Firma Wackler.

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Der erste Laster für den Möbeltransport, erworben 1924. Fotos: Privat

"Am 9. Februar 1912, einem Wintertag, an dem sich die Höhen der Alb um Göppingen noch schneebedeckt zeigen, treffen die Brüder Johannes und Georg Schwarz eine für ihre Zukunft bedeutsame Entscheidung." Was sich wie ein Krimi liest, ist der Beginn einer außergewöhnlichen Familiengeschichte - aufgeschrieben in der Firmenchronik "Schwarz auf Weiß", die jetzt zum 100. Geburtstag des Unternehmens erscheint und die wechselvolle Historie auf mehr als 200 Seiten spiegelt.

An jenem 9. Februar nämlich unterzeichneten die beiden Brüder gemeinsam mit Carl Friedrich Jäger "in Anwesenheit des Königlich bestellten Bezirksnotars" einen Vertrag. Sie kauften den Fuhrbetrieb "Ludwig Wackler Witwe" in der Göppinger Davidstraße. Die Inhaberin, Friederike Wackler, geborene Lutz, wollte sich zur Ruhe setzen. Das Unternehmen ist seit 1846 in der Güterbeförderung tätig und unterhielt damals einen Fuhrpark mit 31 Zugpferden. Am 15. April 1912 unterschrieben die neuen Eigentümer in einem nächsten Schritt den Gesellschaftsvertrag, der in regelmäßigen Abständen geändert wurde und wird. "Wir gucken immer mal drüber, um zu schauen, ob noch alles passt", sagt Beate Schwarz, die zusammen mit ihrem Cousin Oliver Schwarz die Geschäfte der Gruppe führt. Der aktuelle Kontrakt hat - wie der erste - eine Laufzeit von zehn Jahren.

Beate und Oliver Schwarz führen das Entsorgungs- und Logistikunternehmen in der vierten Generation - die fünfte, sechs Kinder im Alter zwischen sieben und 20 Jahren, sitzen bereits in den Startlöchern. "Da wird sich bestimmt einer finden", ist Gabriele Schwarz überzeugt. Beates Schwester ist die Dritte im Bunde des familiengeführten Betriebs und als Prokuristin in der Schwarz-Holding beschäftigt. Das Trio ist sich einig: "Es geht um Beständigkeit." Dies ist ganz im Sinne von Günter Schwarz, der sich vor einigen Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, aber als Gesellschafter und Vorsitzender des Beirats natürlich noch ganz nah dran ist. "Ein Firmenjahrhundert ist zurückgelegt, für das nächste ist man bereit", gibt er im Vorwort der Firmenchronik die Richtung vor.

Das Buch beschreibt, welche Wendepunkte, welche Expansionen und Stagnationen das Unternehmen in den vergangenen 100 Jahren erlebt hat - und zwar vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Lage. "Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden ja Mann und Maus eingezogen, ebenso im Zweiten Weltkrieg. Da haben wir uns irgendwie beholfen", nennt Gabriele Schwarz ein Beispiel für äußerst schwierige Zeiten. "Die 20er Jahren hat die Firma hingegen ganz gut überlebt - trotz der Inflation." Günter Schwarz ist überzeugt, dass zu den Erfolgsgeheimnissen der Zusammenhalt in der Familie und die Selbstbeschränkung gehören: "Wachsen und Expandieren ja, jedoch nicht über die Unabhängigkeit der familiär überschaubaren Struktur hinaus", lautet das Credo.

Dieser Maxime folgt auch die vierte Generation. "Wir streben ein weiteres, gesundes Wachstum an", sagt Oliver Schwarz. "Aber nicht auf Teufel komm raus", ergänzt Cousine Beate. Insgesamt 650 Mitarbeiter beschäftigt die Holding heute, allein in den vergangenen fünf Jahren kamen etwa 80 Jobs dazu. Zur Schwarz-Gruppe gehören die Spedition Wackler und die Entsorgung + Transport GmbH (ETG), die beide im Göppinger Stadtteil Holzheim ansässig sind. 100-prozentige Beteiligungen hat die Familie an der Fritz Hänsel GmbH (ebenfalls Holzheim) und an der Fetzer Rohstoffe + Recycling GmbH in Eislingen. Fünf weitere Beteiligungen machen die Holding komplett - unter anderem an der PET Recycling GmbH in Eislingen mit 70 Prozent.

Wo die Reise künftig hingeht, ist offen. "Das kann manchmal auch schnell gehen mit einem Zukauf", sagt Oliver Schwarz. In Deutschland sei ein weiteres Wachstum beispielsweise im Zuge von Joint Ventures denkbar. Fest steht: In Holzheim wird es keine Erweiterung geben - "da ist Ende Gelände", meint der Geschäftsführer. Dass sich der Wunsch, an der Querspange Nassachtal an der B 10 ein Logistikzentrum zu bauen, zerschlagen hat, bedauert die Führungsriege: "Das wäre optimal gewesen." Doch das ist vorbei, die Schwarz-Familie hat die Sache abgehakt und streckt die Fühler nach anderen Grundstücken aus. "Derzeit gibt es jedoch keine geeigneten Gewerbeflächen im Landkreis. Es kann also sein, dass wir dem Filstal den Rücken kehren müssen", blickt Oliver Schwarz in die Zukunft. Und die Abkühlung der Konjunktur? "Momentan merken wir noch nichts", meint Beate Schwarz. "Ein super Jahr wird 2012 nicht, aber wir wollen nicht schwarz malen", fügt ihr Cousin hinzu. "Es bleibt auf jeden Fall spannend, auch die nächsten 100 Jahre."

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