Für Bauern kommt der Regen zu spät

Der milde Winter ließ hoffen, doch das trockene Frühjahr hat vor allem Bauern in Tallagen einen schlechten Start ins Erntejahr beschert. Da kommt für viele Pflanzen selbst der jetzige Regen zu spät.

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Der Regen am vergangenen Wochenende kam für viele Getreidefelder in den Tallagen des Kreises Göppingen zu spät. Mit bis zu 20 Prozent Einbußen bei den Ernteerträgen rechnen die Landwirte durch die lange Trockenheit im Frühjahr.  Foto: 

Während sich viele nach den Regentagen am vergangenen Wochenende schon auf den nächsten Sprung in kühle Nass des Freibads freuen, blicken die Landwirte derzeit mit sorgenvollen Gesichtern erst zum Himmel und dann auf ihre Felder. Der milde Winter ließ die Bauern noch hoffen. Doch dann kam das trockene und heiße Frühjahr. Und das hat den Pflanzen auf den Feldern einen schlechten Start in die Saison beschert. "Die Pflanzen haben stark unter der Trockenheit gelitten", konstatiert Bernhard Schmid vom Landwirtschaftsamt in Göppingen.

Vor allem in den Tallagen haben sich die Getreidebestände wegen der fehlenden Niederschläge nur schlecht entwickelt. Der Juni ist wichtig für die Kornfüllung. Wenns da nicht regnet, kann sich das Getreidekorn nicht voll entwickeln und bleibt klein. Fehlendes Korngewicht senkt nicht nur den Ertrag, die mangelnde Qualität hat auch zum Teil empfindliche Preisabschläge zur Folge. Der Regen am vergangenen Wochenende kam da zumindest im Filstal zu spät. "Dort ist der Zug schon abgefahren", weiß Schmid. Für die Felder auf der Alb hat der Pflanzenbauberater die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Auf flachgründigen Böden ist die Wintergerste als früheste Kultur zwar zum Teil schon notreif. Auch bei Weizen und Dinkel sind bereits die ersten hellen Platten in den Beständen zu erkennen. Die Bauern auf der Alb könnten aber nochmal mit einem blauen Auge davonkommen. "Eine Rekordernte wird es aber sicher nicht mehr geben", fürchtet Schmid.

Dass der Regen für die Getreidebauern zu spät kam, bestätigt auch Hermann Weiß, Vollerwerbslandwirt und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins in Süßen. "Davon ist überwiegend der Winterweizen betroffen. Über Pfingsten war es einfach zu heiß." Mit bis zu 20 Prozent weniger Ertrag rechnen die Landwirte im Filstal. Zumal man hier auch eine stark wechselnde Bodenqualität habe.

Für Raps und Mais, die beiden weiteren Hauptkulturen in der Region, ist es noch zu früh für gesicherte Prognosen. Die Rapsfelder haben zwar prächtig geblüht, durch die Trockenheit schob der Kreuzblütler aber erst spät seine Seitentriebe - was sich wohl ebenfalls auf die Erträge auswirken wird. Dank seiner tiefen Wurzeln holt sich der Raps aber selbst dann noch Wasser aus dem Boden, wenn andere Pflanzen schon vertrocknet sind. "Im Vergleich zu manchen Getreidefeldern steht der Raps recht gut da", hat Bernhard Schmid beobachtet. Auch der Mais verträgt Hitze und Trockenheit relativ problemlos. Der "Südamerikaner" rollt dann einfach seine Blätter ein - und wieder auf, wenns regnet. Selbst spät ausgesäte Bestände, die sichtlich vor sich hin kümmern, "können das schnell wieder aufholen", weiß Schmid. Noch nicht sonderlich betroffen vom Wetter sind derzeit die Obstbauern im Kreis Göppingen. "Natürlich war es zu trocken", meint auch Obstbauer Tobias Hösch aus Schlat. "Aber der jetzige Regen hat den Bäumen gut getan. Sie können aufatmen und sich etwas vom Trockenstress erholen." Ob das bisherige Wetter Auswirkungen auf die Apfelernte hat, könne noch nicht gesagt werden, erklärt Hösch. "Da kann noch viel passieren." Und bei den Kirschen habe man durch Bewässerungen die Trockenheit gut ausgleichen können.

Pilzbefall: Milder Winter ebnet "Gelbrost" den Weg

Wenn die Getreidebestände derzeit notreif werden, muss das nicht nur an der Trockenheit liegen, es kann auch Hinweis auf eine Pilzerkrankung sein.

In diesem Jahr hatten die Landwirte verstärkt mit dem "Gelbrost" zu kämpfen. Durch den milden Winter haben viele der frostempfindlichen Sporen des Pilzes überlebt und greifen jetzt vor allem Weizen, Triticale und Dinkel an. Die Sporen dringen durch die Spaltöffnungen der Blätter in die Pflanze ein und zerstören Blattgewebe sowie Ähren. Wird der Gelbrost nicht rechtzeitig bekämpft, können ihm ganze Bestände zum Opfer fallen.

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