Fröhliche Mittelalter-WG steht gern Rede und Antwort

Bei herrlichem Wetter nutzten etliche Familien den Fronleichnamstag und pilgerten zum Wäscherschloss, vor dem eine bunte „Mittelalter-WG“ Besuchern bereitwillig Rede und Antwort stand.

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Antje Speer beim Brettchenweben, links Andreas Speer. Spielmann Alfred Pohlmann mit selbstgebauter Leier hat sich dazugesellt.  Foto: 
Schon während man die neu gerichtete Außentreppe zum Vorplatz des Wäscherschlosses hochsteigt, hört man fröhliches Lachen. Auch in diesem Jahr hat sich wieder ein kleines, aber feines „mittelalterliches Heerlager“ vor dem Innenhof zusammengefunden.

Doch diesmal zeigen sich die Bewohner auf Zeit bunt gemischt, kommen aus verschiedenen Regionen. Auch wenn sich der „Kaufmann und sein holdes Weib“ ein wenig von den Staufersaga-Leuten distanzieren, bedeutet das nicht, dass Nachbarschaftsstreit herrscht und die Schwerter gewetzt werden.

Ganz im Gegenteil, eng und friedlich sitzen Antje und Andreas Speer aus Schorndorf neben den Gmündern. „Wir stellen Edle aus Byzanz dar, doch aufgrund der Hitze haben wir uns heute nicht so sehr in Schale geschmissen“, erzählt die Dame des Hauses, während sie sich mit dem alten Handwerk des Brettchenwebens beschäftigt.

Anstelle eines Kleides aus geritzter Seide, auch als Samit bekannt, trägt sie heute das schlichtere Bauerngewand aus Leinen. Ihr Mann passt sich nahtlos diesem Modetrend an, doch hat er es mit dem Schaffen freilich nicht so, sondern hält sich lieber am Henkel seines Tonkrugs fest.

Ihm gegenüber sitzt Alfred Pohlmann und schwelgt in Erinnerungen. Der 64-jährige Spielmann tritt mit seiner selbstgebauten Drehleier nur noch gelegentlich auf. „Zuvor spielte ich jahrelang für eine Volkstanzgruppe in ganz Europa. Ich werde nie vergessen, wie Harald Immig, Klaus Wuckelt und ich vor sieben Jahren Paul Kaisser das letzte musikalische Geleit im Innenhof des Wäscherschlosses gaben“, sagt der gelernte Schreiner wehmütig.

Fast überall wird gewerkelt. Thomas „von Waldstetten“ kämpft sich mit der Nadel durch dickes Rindsleder. „Das wird eine Schwertscheide für meinen Sohn Mike“, verrät er und strengt sich besonders an, schließlich schaut ihm seine Frau Simone zu. Lautet sein richtiger Nachname zwar Schneider, so ist er doch nicht selbiger, sondern Maurer von Beruf.

Und dieses Handwerk diente ihm gleichwohl beim Nachbau des Miniatur-Wäscherschlosses. „Acht Monate habe ich dafür meine Freizeit geopfert. Bis auf das Dach ist alles aus Gips und Holz im Maßstab 1:72“, erzählt er stolz vor seinem Modell, das als Leihgabe zu bewundern ist.

„Dagoar, der Durchgeknallte“ von den Luaticos aus Rechberghausen ist mit seiner „Versprochenen“ namens Anette hier und füllt wie Feldscher Rolf Ihle die lustige Lager-WG auf.

„Wir kommen gerne mit unseren Kindern hierher. Weil alles so schön entschleunigt ist und die Lagerleute genügend Zeit haben, ihr Handwerk in Ruhe zu erklären“, sagt Brigitte Reimers aus Süßen.

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Kommentare

05.06.2015 07:09 Uhr

Nicht mein Fall

Da sitzen sie.
Ikea Tischchen und Stuhl, Brettchenwebrahmen aus dem Dritte-Welt-Laden, Strohhut aus China und machen einen auf "Heerlager".
Peinlicher geht es nicht mehr.
Wenn wenigstens alles an dem "Indianerlesspiel für Alte" authentisch wäre, würde ich nichts sagen wollen.
Aber so?

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